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„Investoren werden aktiver“

WELT-Logo WELT 12.06.2019 Arno Balzer
Natalie C. Hayday ist Geschäftsführerin der Frankfurter Investmentgesellschaft 7 Square Quelle: Natalie C. Hayday © Natalie C. Hayday Natalie C. Hayday ist Geschäftsführerin der Frankfurter Investmentgesellschaft 7 Square Quelle: Natalie C. Hayday

BILANZ: Frau Hayday, die deutsche Wirtschaft hat gerade eine muntere HV-Saison hinter sich. Werden Investoren hierzulande aktiver?

Natalie C. Hayday: Institutionelle Investoren, vor allem die großen internationalen Fonds, werden definitiv aktiver. Viele hinterfragen negative Unternehmensentwicklungen sehr viel kritischer als bisher. Und sie fordern eine bessere Governance ein, also eine sorgfältige und sachgerechte Überwachung des Vorstands durch den Aufsichtsrat.

BILANZ: Bei Bayer haben die Aktionäre dem Vorstand sogar die Entlastung verweigert, ein Novum in der Dax-Geschichte.

Hayday: Bei Bayer kommen gleich mehrere Dinge zusammen: die Art und Weise, wie die Monsanto-Übernahme an den Aktionären vorbei umgesetzt wurde, dazu die Risiken, die bei der Transaktion in Kauf genommen wurden und die jetzt den Aktienkurs belasten. Vor allem aber reagieren die Aktionäre empfindlich darauf, wie Bayer mit dieser Situation jetzt umgeht. Wie bisher schon wird den Aktionären vermittelt, Vorstand und Aufsichtsrat wüssten schon, was für das Unternehmen das Beste sei.

BILANZ: Sie haben viele Jahre im angelsächsischen Kapitalmarkt gearbeitet. Ticken Börsenunternehmen dort tatsächlich aktionärsfreundlicher?

Hayday: Zu einem gewissen Grad schon. Das heißt aber nicht, dass aktive Investoren nicht auch dort Missstände aufdecken und Änderungen anmahnen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass insbesondere in den USA die Unternehmen emotionsloser und ergebnisorientierter mit den Investoren kommunizieren, als dies in Deutschland bisher noch der Fall ist. 

BILANZ: Viele Unternehmen geloben da Besserung.

Hayday: Das müssen sie auch, denn mittlerweile haben wir auch hierzulande internationale Aktionärsstrukturen. Und die großen deutschen Asset-Manager denken ähnlich wie ihre internationalen Wettbewerber; nationale Besonderheiten spielen keine große Rolle mehr. Großinvestoren haben klare Vorstellungen zu den Prinzipien guter Unternehmensführung und -kontrolle. Diese Prinzipien legen sie an alle ihre Beteiligungen an, auch an die in Deutschland.

BILANZ: Gerade die besonders aktiven Investoren haben meist nur kleine Beteiligungen, reklamieren aber großen Einfluss und sind obendrein oft kurzfristig orientiert. Ist es wirklich sinnvoll, wenn Unternehmen sich am kurzfristigen Erfolg ausrichten, um einer kleinen Aktionärsgruppe gerecht zu werden?

Hayday: Die Unterscheidung in legitime und nicht so legitime Investoren, auf die Sie da anspielen, ist ein Scheinargument. Das bringen Unternehmen immer dann, wenn sie sich nicht den inhaltlichen Themen stellen möchten, die diese Investoren aufwerfen. Aktionäre mögen unterschiedliche Anlagestrategien und Anlagehorizonte haben, das macht inhaltlich vernünftige Kritikpunkte aber nicht mehr oder weniger stichhaltig. Viele aktive Investoren, die ich kenne, haben übrigens lange Anlagehorizonte. Das heißt aber nicht, dass sie nicht für eine rasche Umsetzung sinnvoller Maßnahmen eintreten.

BILANZ: Haben Bayer, Deutsche Bank, VW & Co. ihre Lektion aus den Hauptversammlungen gelernt?

Hayday: Keinem Vorstand oder Aufsichtsrat gefallen schlechte Abstimmungsergebnisse, auch wenn das nicht der entscheidende Gradmesser guter Vorstands- und Aufsichtsratsarbeit sein sollte. Bis aktive Investoren in Deutschland von allen Unternehmen als hilfreich und nicht mehr als Gegner gesehen werden, wird aber wohl noch eine Weile vergehen.

Natalie C. Hayday (43) ist Geschäftsführerin der Frankfurter Investmentgesellschaft 7 Square, die institutionelle Investoren und vermögende Familien bei Beteiligungen an Börsenunternehmen berät. Sie ist zudem Aufsichtsrätin bei zwei börsennotierten Unternehmen in Deutschland.

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