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Börsengang von Stadler Rail: ein geschickter Schachzug

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 19.03.2019 Dominik Feldges

Wegen der zunehmenden Verstädterung wird weltweit vor allem stark in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs investiert. Dies verschafft dem Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail gute Geschäfte.

Peter Spuhler will trotz dem Börsengang Hauptaktionär von Stadler bleiben. (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone) © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG Peter Spuhler will trotz dem Börsengang Hauptaktionär von Stadler bleiben. (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)

Der Branche der Schienenfahrzeughersteller geht es blendend, und mit ihr auch dem Schweizer Anbieter Stadler Rail. So gesehen, ist es nur konsequent, dass der äusserst erfolgreiche langjährige Patron der Firma, Peter Spuhler, nun den Börsengang wagen will. In den nächsten Monaten soll es laut der am Dienstag verschickten Medienmitteilung so weit sein. Anzunehmen ist, dass sich Stadler noch vor Ende des ersten Halbjahrs kotieren lassen wird, da in den Sommerferien das Geschäft mit Börsengängen erfahrungsgemäss ruht.

Spuhler will Eigentümerbasis verbreitern, bleibt aber Ankeraktionär

Spuhler, der zurzeit 80 Prozent des Aktienkapitals der Firma hält, hat angekündigt, diesen Anteil im Rahmen des Börsengangs auf bis zu 40% zu verringern. Der Unternehmer, der innerhalb von 30 Jahren Stadler in unermüdlicher Arbeit von einem Kleinunternehmen mit 18 Mitarbeitern zu einem der weltweit führenden Hersteller von Schienenfahrzeugen mit über 8500 Beschäftigten und einem Umsatz von 2 Milliarden Franken aufgebaut hat, will laut eigenen Angaben aber der grösste Aktionär und «langfristig engagiert» bleiben. Zudem will er sein Amt als Verwaltungsratspräsident weiterhin ausüben. Dies alles weckt Vertrauen in die Zukunft des Familienunternehmens. Spuhler geht es ganz offensichtlich nicht darum, Kasse zu machen und sich – finanziell hervorragend gebettet – in den Ruhestand zu begeben, sondern darum, seiner Firma weitere Perspektiven zu eröffnen.

Ein gutes Omen für den Börsengang sind auch die soliden Finanzzahlen, die das bisher eher verschwiegene Unternehmen nun vorgelegt hat. Stadler ist schuldenfrei. Die Bilanz weist eine Netto-Cash-Position von über 500 Millionen Franken aus. Die Firma hat es vor diesem Hintergrund offensichtlich vorläufig gar nicht nötig, zusätzliche Aktien zu emittieren, um ihre Kapitalbasis zu verstärken.

Gut im Geschäft

Die Umsatzrendite von 7,5 Prozent, die Stadler im vergangenen Jahr auf Stufe Betriebsergebnis (Ebit) erwirtschaftet hat, mutet für einen Industriekonzern zwar nicht überragend an. Doch im Branchenvergleich kann sie sich durchaus sehen lassen. So brachte es der französische Konkurrent Alstom im zurückliegenden ersten Geschäftshalbjahr (per Ende September 2018) lediglich auf rund 5 Prozent. Die kanadische Bombardier-Gruppe, die neben Zügen auch Flugzeuge herstellt, wies in ihrer Schienenfahrzeugsparte (Transportation) für das Gesamtjahr 2018 eine Ebit-Marge von 8,7 Prozent aus. Zughersteller sind wegen ihrer arbeitsintensiven Tätigkeit vor allem im Bereich der Montage sowie im Engineering des Rollmaterials mit hohen Fixkosten konfrontiert, was das Margenpotenzial beschränkt. In der Branche herrscht zudem wegen des harten Wettbewerbs seit Jahren ein erheblicher Preisdruck.

Grosses Potenzial mit Risiken

Ähnlich wie Alstom, Bombardier oder das Schienenfahrzeuggeschäft des deutschen Industrieriesen Siemens verfügt Stadler zurzeit über volle Auftragsbücher. Dies rührt daher, dass aufgrund der zunehmenden Verstädterung weltweit vor allem stark in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs investiert wird. Dieser Megatrend dürfte die Branche noch eine Weile begleiten. Allerdings gibt es auch in diesem Sektor Risiken, welche die künftigen Publikumsaktionäre von Stadler werden schultern müssen. Die Auftraggeber im Bahnmarkt sind zumeist staatliche Körperschaften. Sollte sich die finanzielle Situation der öffentlichen Hand insbesondere wegen steigender Zinsen verschlechtern, würde dies wohl unweigerlich negativ auf das Bestellverhalten durchschlagen. Der zurzeit boomenden Branche kann also auch wieder Gegenwind drohen.

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