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Beim Türhersteller Agta Record wird der Standort Fehraltorf aufgewertet

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 29.06.2020 Giorgio V. Müller

Nach der Übernahme von Agta Record durch Assa Abloy wird die globale Leitung der Division Eingangssysteme im zürcherischen Fehraltorf angesiedelt sein. Tendenziell wird es mehr Arbeitsplätze geben.

Agta-Record stellt in Fehraltorf elektrische Personentüren ;her. Simon Tanner / NZZ © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Agta-Record stellt in Fehraltorf elektrische Personentüren ;her. Simon Tanner / NZZ

Die in der Zürcher Gemeinde Fehraltorf beheimatete Agta Record (AG für Türautomation) hat in der Öffentlichkeit stets wenig Aufmerksamkeit genossen. Die 1952 in Zürich Oerlikon gegründete Firma mauserte sich jedoch in den vergangenen Jahren zu einem Weltkonzern, der im Segment automatischer Personentüren in Europa und den USA zu den Marktführern gehört. Ein wichtiger Grund für den geringen Bekanntheitsgrad war, dass die Aktien von Agta Record nicht in der Schweiz, sondern an der Euronext in Paris kotiert sind.

Eine Übernahme mit Ansage

Als der schwedische Marktführer bei Schliesslösungen, Assa Abloy, der österreichischen Gründerfamilie Bunzl vor gut einem Jahr eine Übernahmeofferte unterbreitete, schien Agta Record in der globalen Gruppe der Schweden zu verschwinden und der Standort Fehraltorf an Bedeutung zu verlieren. Assa Abloy hatte schon 2011 eine Beteiligung von 39% erworben, eine Übernahme lag also schon länger in der Luft. Für das 54%-Paket der über einen Aktionärsbindungsvertrag gebündelten Interessen der Firmengründer und zweier französischer Banken bezahlte Assa Abloy 502 Mio. €.

Schon zu Beginn der Transaktion war klar, dass sich der Käufer von einigen Geschäften trennen musste, damit der Zusammenschluss von den Kartellbehörden gutgeheissen wird. Diesen Montag wurde nun bekannt, wer die zur Veräusserung stehenden Teile übernehmen wird. Der italienische Konkurrent FACC Group übernimmt für rund 100 Mio. € die Aktivitäten von Agta Record in Österreich, Ungarn, Slowenien und den Niederlanden sowie einen Teilbereich des Geschäfts in Frankreich.

Seitens Assa Abloy wird das Segment automatische Personentüren in Frankreich und Grossbritannien an den italienischen Käufer abgegeben. Gesamthaft erwirtschaften die veräusserten Bereiche einen Umsatz von rund 93 Mio. €. Damit musste also gut ein Fünftel des zugekauften Volumens wieder abgestossen werden. Die erwarteten Synergien des Zusammenschlusses seien trotzdem machbar, heisst es in einer Mitteilung. Die Transaktion soll im dritten Quartal besiegelt sein.

Agta-Record-Chef nimmt Hut

Agta-Record-CEO Stefan Riva tritt ab. Simon Tanner / NZZ © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Agta-Record-CEO Stefan Riva tritt ab. Simon Tanner / NZZ

Schon im Juli soll der Zusammenschluss von Assa Abloy und den restlichen Agta-Record-Bereichen realisiert werden, etwas später als ursprünglich erwartet. Für den Standort Fehraltorf werde dies jedoch eine Aufwertung bedeuten, sagt Agta-Record-Konzernchef Stefan Riva gegenüber der NZZ. Denn künftig wird die globale Sparte Eingangssysteme des Unternehmens in der Schweiz angesiedelt sein. Im vergangenen Jahr hat dieser Bereich 27% des Gruppenumsatzes und 23% des Betriebsgewinns von Assa Abloy ausgemacht und 11 300 Mitarbeiter beschäftigt. Im Vergleich dazu: Agta Record beschäftigte im vergangenen Jahr weltweit 2665 Mitarbeiter und kam auf einen Umsatz von knapp 405 Mio. Fr. Die Assa-Abloy-Gruppe, der Hauptkonkurrent der an der SIX Swiss Exchange kotierten Dormakaba, erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von umgerechnet 9,5 Mrd. Fr. und beschäftigte rund 49 000 Mitarbeiter.

In Fehraltorf befand sich bisher nicht nur die Gruppenleitung von Agta Record, sondern auch die globale Forschung und Entwicklung, das Marketing und die Schweizer Verkaufsorganisation sowie das zentrale Ersatzteillager des Unternehmens. Rund 100 Mitarbeiter arbeiten zurzeit am Hauptsitz. Zudem waren noch etwa 30 Personen in der Produktion tätig. Laut Riva wird es in Fehraltorf künftig eher mehr Arbeitsplätze geben, weil Assa Abloy dort nicht nur den Bereich Personentüren, sondern die gesamte globale Sparte Entrance Systems ansiedelt, die seit Anfang Februar vom 47-jährigen Schweden Christopher Norbye geleitet wird.

Publikumsaktionäre werden ausbezahlt

Die genauen personellen Änderungen werden jedoch erst später bekanntgegeben. Zuerst werden noch die restlichen Publikumsaktionäre ausgezahlt, die rund 7% von Agta Record halten. Pro Aktie werden sie 70 € erhalten.

Der Schweizer Stefan Riva, der seit 17 Jahren die Konzernleitung von Agta Record gekleidet hat, scheidet in wenigen Wochen auf eigenen Wunsch aus. Der 57-Jährige will keine operative Aufgabe mehr bekleiden und sich künftig auf seine Verwaltungsratsmandate konzentrieren. Er geht davon aus, dass die Führungspositionen des zusammengeschlossenen Unternehmens in der Schweiz sowohl von Agta-Record- als auch von Assa-Abloy-Mitarbeitern übernommen werden. Alles in allem ein Happy End für den Standort Fehraltorf.

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