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Die Ölmultis zeigen wenig Interesse an den Öl- und Gasfeldern von Brasilien

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 08.11.2019 Alexander Busch

Brasilien wird seine Ölfelder vor der Küste nicht los. Dass die weltgrösste Auktion für Offshore-Ölfelder seit vielen Jahren nicht komplett scheiterte, verdankt sich nur der Teilnahme des staatlichen Energiekonzerns Petrobras am Bieterwettbewerb.

Eine Petrobas Öl-Plattform bei Rio de Janeiro. (Bild: Bruno Domingos / Reuters) © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG Eine Petrobas Öl-Plattform bei Rio de Janeiro. (Bild: Bruno Domingos / Reuters)

Nach der Vorstellung von Brasiliens Regierung sollte es die historisch grösste Ausschreibung für Ölfelder vor der Küste werden: Bei den insgesamt neun Ölfeldern hoffte die Regierung des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro auf einen heftigen Bieterstreit unter rund einem Dutzend angemeldeter Ölmultis. Vor allem aber hoffte man auf sofortige Einnahmen in der Höhe von mindestens 26 Mrd. $ für den defizitären Haushalt. Doch die privaten ausländischen Ölkonzerne hielten sich – anders als erwartet – völlig zurück. Nur weil der staatliche Energiekonzern Petrobras drei der Ölfelder für insgesamt 16,6 Mrd. $ zum Mindestgebot ersteigerte, kam es nicht zum Scheitern der jahrelang vorbereiteten Auktion. Lediglich die beiden chinesischen staatlichen Ölkonzerne CNODC und CNNOOC erwarben gemeinsam mit Petrobras in zwei Ölfeldern Minderheitsbeteiligungen, um bei den auf zwischen 6 und 15 Mrd. Fass geschätzten Vorkommen einen Fuss in der Tür zu haben, die im Meer vor der Küste Rio de Janeiros in Ultratiefen lagern.

Ein staatliches Kreditinstitut

Für die Zurückhaltung der Ölmultis gibt es mehrere Gründe. Verkürzt lässt sich sagen, dass die brasilianische Regierung über die Ölaufsichtsbehörde ANP zu hohe Mindestpreise festgelegt, aber gleichzeitig hohe Risiken bei den Kosten offengelassen hat. Denn in den Ölfeldern produziert Petrobras zum Teil bereits seit einem Jahrzehnt. Für die Erschliessung der Felder und die installierte Förderstruktur wollte Petrobras entschädigt werden, ohne dass dafür Richtlinien vorgegeben wurden. Der Verhandlungsspielraum der mitbietenden Ölkonzerne gegenüber der immer noch in vielen Bereichen der Öl- und Gasbranche dominierenden Petrobras ist gering, zumal jede Regierung den Konzern zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen benutzt. Das galt auch für die 14 Jahre regierenden linken Regierungen von Luís Inácio Lula da Silva oder Dilma Rousseff. Diese machten aus Petrobras eine industriepolitische Maschine, setzen die Preise für Treibstoffe fest, um die Inflation zu bändigen, finanzierten über ein gewaltiges Korruptionsnetz um den Konzern herum ihre Wahlkämpfe und füllten sich die Taschen.

Doch auch der jetzt regierende Rechtspopulist Bolsonaro hat schon klargemacht, dass Petrobras die Treibstoffpreise nur mit seiner Genehmigung erhöhen darf. Zudem will er mit dem Kapital Politik machen, das er für den Verkauf der Lizenzen eingenommen hat. Denn Petrobras wird Kredite aufnehmen, um den Bietpreis zu bezahlen und den Betrag an den Staat überweisen. Petrobras wird also weiter als staatliches Kreditinstitut eingesetzt, wie es Brasilia für richtig hält – auch wenn sich dort seit Jahresbeginn mit Bolsonaro die ideologische Ausrichtung der Regierung geändert hat.

Wenig Gespür für Investoren

An den Finanzmärkten reagierten die Investoren enttäuscht. Der Wert des Dollars stieg um 2,2% gegenüber dem Real, weil nun weitaus weniger Dollar ins Land fliessen werden als erwartet. Auch demonstriert die Regierung mit der enttäuschend verlaufenen Ausschreibung, dass sie wenig Gespür hat für die Interessen der Investoren. Weitere Ausschreibungen auch im Energiebereich sind in den nächsten Monaten geplant. Wie weit der Konfrontationskurs Bolsonaros gegenüber dem Kongress und den damit verbundenen Problemen bei der Fortführung des Reformprogramms bereits das Investitionsklima für ausländische Konzerne getrübt hat, lässt sich schwer einschätzen.

Möglicherweise dürfte das Interesse der Ölkonzerne an Offshore-Lizenzen bereits den Zenit überschritten haben. Die Produktion und Erschliessung in den Ultratiefen vor der Küste sind extrem teuer. Die privaten Ölkonzerne scheuen sich zunehmend, solche langfristigen Investitionen zu stemmen. Das war vor wenigen Jahren noch ganz anders, als sich Konzerne um Offshore-Felder weltweit – vor allem vor Afrika und Südamerika – rissen, um ihre Bestände auszubauen.

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