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Die Liebesfehler des CEO und der Verwaltungsrätin

20 Minuten-Logo 20 Minuten 08.11.2018

Mit der Liebe von CEO Gisel und der Ex-Verwaltungsrätin hat Raiffeisen eine neue Affäre. Das Paar hat nämlich gravierende Fehler gemacht.

Laurence de la Serna leitet seit zehn Jahren den Genfer Flugzeugturbinen-Hersteller Jean Gallay. Die 51-Jährige sass bis letzten Juni auch im Raiffeisen-Verwaltungsrat. Dort war sie im Strategie- und Finanzausschuss. Was diese Woche publik wurde: Sie und Raiffeisen-Chef Patrik Gisel hatten sich in jener Zeit ineinander verliebt. «Raiffeisen Schweiz ist erst vor kurzem über diese Beziehung in Kenntnis gesetzt worden», sagte die Bank dazu.

«Die Liebe selbst ist kein Problem», erklärt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Ein Problem sei aber ihre Verheimlichung, denn Verwaltungsrätin de la Serna hätte ihre Beziehung zu Gisel offenlegen müssen.

Liebe als Interessenkonflikt

Ist sie in Gisel verliebt, gibt es für sie einen Interessenkonflikt. Sie soll ihn als Verwaltungsrätin ja kontrollieren. «Sie hätte bei den Geschäften, bei denen es um Lohn oder operative Tätigkeiten von Gisel ging, in den Ausstand treten müssen», sagt Kunz.

Die Westschweizerin, die in San Francisco einen Wirtschaftsabschluss gemacht hatte, tat dies aber nicht. Auch Gisel schwieg. De la Serna kündigte im April lediglich an, dass sie aus «persönlichen Gründen» im Juni nicht zur Wiederwahl antrete. Das heisst: Sie sass noch mehrere Wochen im Verwaltungsrat und war an Entscheidungen beteiligt, obwohl sie wohl frisch in CEO Gisel verliebt war. Gisel soll bis im Frühjahr 2018 mit der Sekretärin eines Abteilungsleiters der Raiffeisen-Zentrale zusammen gewesen sein. 2015 hatte er sich von seiner Ehefrau, mit der er zwei Kinder hat, getrennt. 

Pflichtverletzung

«Die Pflichtverletzung von de la Serna war grösser als die von Gisel, denn ihre Aufgabe war es ja, ihn zu beaufsichtigen», sagt Peter V. Kunz. Nun müsse der Raiffeisen-VR prüfen, ob es in den letzten Monaten zu Beschlüssen kam, bei denen sich de la Serna für Gisel eingesetzt hat.

Diesen Samstag soll an der Generalversammlung von Raiffeisen ein neuer VR-Präsident gewählt werden. Designiert ist Guy Lachappelle. Dem «Tages-Anzeiger» zufolge soll Gisel noch davor seinen umgehenden Rücktritt bekannt geben. Raiffeisen selbst will dies nicht kommentieren, wie Sprecher Dominik Chiavi zu 20 Minuten sagt.

Schlüsselfrage

«Für Raiffeisen ist das jetzt sicher nicht ein willkommenes Thema, aber Liebe ist menschlich», sagt Matthias Knill von der Wirtschaftsberatung Konsulenten. «Die Schlüsselfrage für Patrik Gisel ist, ob er schon vor dem Austritt von de la Serna eine gefestigte Beziehung zu ihr hatte.»

Gisel selbst hätte aber die Liaison auch offenlegen müssen, wenn diese erst nach dem Rücktritt von de la Serna zustande gekommen wäre, so Kunz. Die zeitliche Nähe zu ihrem Mandat sei einfach zu dicht.

Kulturelle Frage

Spätestens Ende Jahr wird Gisel ohnehin zurücktreten. Dies gab er bereits Mitte Juli bekannt – mit dem erklärten Ziel, «die öffentliche Debatte um meine Person und die Bank zu beruhigen» und die «Reputation der Raiffeisen zu schützen». Mit der publik gewordenen Liebschaft steht er nun wieder im Fokus.

«Für Raiffeisen ist das eine kulturelle Frage: Sie ist zwar die drittgrösste Bank der Schweiz, aber das Verhalten ist so wie bei einer kleinen Genossenschaft, bei der man sich kennt und beide Augen zudrückt», sagt Kunz.

Auch Gisels Vorgänger, Pierin Vincenz, war intern verbandelt: Seine Frau Nadja Ceregato war die Chefjuristin der Bank. Gegen Vincenz laufen noch immer strafrechtliche Ermittlungen wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung.

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