Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Diese Zahlen zeigen, was Erdogans Wirtschaft blüht

DIE WELT-Logo DIE WELT 20.03.2017

In der Türkei ist der Verkauf von VW-Lastwagen eingebrochen. Das liegt vor allem an politischen Entwicklungen im Land. Sinkende Lkw-Verkäufe sind stets ein schlechtes Vorzeichen für eine Wirtschaft.

Sie gelten als ein besonders zuverlässiges Anzeichen für den Zustand der Wirtschaft eines Landes: die Verkäufe von Lastwagen. Werden weniger Waren hergestellt, verkauft und zu den Kunden transportiert, braucht man auch weniger Lkw.

Entsprechend folgt auf den Einbruch bei den Lastwagenverkäufen in den allermeisten Fällen ein Einbruch der Gesamtwirtschaft. "Wir spüren den Abschwung immer zuerst und profitieren als Letzte vom Aufschwung", sagte Andreas Renschler, Chef der VW-Sparte Truck und Bus.

30 bis 40 Prozent weniger Absatz

Geht es nach den Zahlen des Lastwagengeschäfts von Volkswagen, steht es nicht gut um die Wirtschaft in der Türkei. Und dafür gibt es einen Grund: die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan. "Der Markt in der Türkei ist aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen zum Erliegen gekommen", sagte Renschler am Montag in München. Es gebe derzeit sehr viele "Unwägbarkeiten" in dem Land. Um 30 bis 40 Prozent liege der Absatz unter dem des Vorjahres, so der VW-Truck-Chef.

Aufgeben will Renschler die Türkei aber noch nicht. Wie in anderen schwierigen Märkten wie Brasilien oder Russland komme es auf das nötige Durchhaltevermögen an. "Der türkische Markt war ein guter Markt und wird auch wieder ein guter Markt werden", prognostiziert Renschler. "Da muss man Geduld haben."

Um die Mitarbeiter vor Ort mache man sich derzeit keine größeren Sorgen als früher, sagte der Truck-Chef. MAN hat einen Produktionsstandort mit knapp 2500 Mitarbeitern in Ankara. Natürlich gebe es für alle Länder je nach Gefahrenlage bestimmte Sicherheitsbestimmungen, so Renschler. In der Türkei gebe es aber derzeit "keine erhöhte Sicherheitslage".

Lkw-Gruppe von Volkswagen insgesamt stärker

Zur Lastwagensparte des Wolfsburger Konzerns gehören die Marken MAN und Scania sowie das brasilianische Tochterunternehmen, das unter der Marke VW Lastwagen und Busse verkauft. Im Gegensatz zu den sinkenden Verkaufszahlen in der Türkei verbuchte die Sparte im vergangenen Jahr weltweit ein Absatzplus von rund drei Prozent auf nun etwa 184.000 Fahrzeuge.

Die Absatzzahlen der VW-Tochter MAN sind in der Türkei eingebrochen – ansonsten steht die Marke gut da © picture alliance / dpa Die Absatzzahlen der VW-Tochter MAN sind in der Türkei eingebrochen – ansonsten steht die Marke gut da

Während sich die Märkte in Westeuropa, Zentral- und Osteuropa sowie Asien positiv entwickelten, sanken die Verkaufszahlen vor allem in Nord- und Südamerika sowie im Nahen Osten und Afrika. Besonders drastisch fällt der Rückgang neben der Türkei auch in Brasilien aus. Hier konnte die VW-Sparte im vergangenen Jahr nur noch 62.000 Fahrzeuge absetzen, noch 2011 waren es rund 207.000 Stück gewesen. "Wir sind quasi zurück auf dem Niveau des Jahres 1999", sagte Renschler.

Damals lagen die Verkaufszahlen bei rund 61.000 Stück. "Die Talsohle scheint durchschritten", machte sich der Truck-Chef selbst Mut. Allerdings werde die richtige Erholung wohl erst im kommenden Jahr einsetzen. Trotz der Probleme in Südamerika legte der Umsatz der Sparte im vergangenen Jahr um rund vier Prozent auf nun 21,3 Milliarden Euro zu, der Gewinn stieg vor allem dank Sparprogrammen um 27 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Langfristig will Renschler die Lkw-Gruppe deutlich profitabler aufstellen. Bis 2025 sollen die Einspareffekte durch die gemeinsame Entwicklung und den gemeinsamen Einkauf für die verschiedenen Marken sowie die Kooperation mit dem amerikanischen Hersteller Navistar auf eine Milliarde Euro jährlich steigen. Dann soll die Rendite bei durchschnittlich neun Prozent liegen, derzeit schafft die Lastwagensparte nur knapp über sechs Prozent.

------------------------------------------------------------------------------------

Im Video: Kurtulmus: "Nazi"-Metaphern aus Sorge um europäische Freunde

(c)REUTERS

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DIE WELT

image beaconimage beaconimage beacon