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Ein Boom könnte die Ukraine teuer kommen

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 23.08.2019 Matthias Benz, Wien

Die Wirtschaftsaussichten in der Ukraine sind so gut wie lange nicht mehr. Das hat aber auch Schattenseiten. Beim Schuldenschnitt im Jahr 2015 ist Kiew eine potenziell teure Wette eingegangen.

Skyline von Kiew. (Bild: Imago) © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG Skyline von Kiew. (Bild: Imago)

Nach Jahren des Sichdurchwurstelns schöpft die Ukraine Hoffnung. Der Präsident Selenski und seine Partei «Diener des Volkes», die bald ihr Regierungsteam präsentieren wird, haben ein klares Mandat erhalten, um durchgreifende Wirtschaftsreformen umzusetzen. Zusätzlichen Rückenwind liefern überraschend starke Wachstumszahlen. Vielleicht gelingt der ukrainischen Wirtschaft jetzt endlich der Sprung in eine höhere Liga, wie man es sich seit langem erträumt.

Die aufgehellten Wirtschaftsaussichten haben allerdings auch ihre Schattenseiten. In diesem Jahr dürfte erstmals ein Optionsrecht wirksam werden, das den ukrainischen Staat künftig teuer kommen könnte. Beim unausweichlichen Schuldenschnitt während der Krise im Jahr 2015 hatte Kiew den ausländischen Gläubigern als Ausgleich sogenannte «GDP-linked warrants» zugestanden. Gemäss diesen Optionsscheinen erhalten die Investoren Zahlungen Kiews, wenn das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Ukraine den Wert von 125 Mrd. $ überschreitet und wenn das reale Wirtschaftswachstum mehr als 3% beträgt. Mit den jüngsten Wachstumszahlen wird die Ukraine diese Schwellen im Jahr 2019 ziemlich sicher durchbrechen. Der Kurs der Warrants hat deshalb jüngst einen Höhenflug erlebt.

Zunächst dürfte die Sache Kiew nur wenig kosten, und die ersten Zahlungen werden erst im Jahr 2021 anfallen. Aber längerfristig könnte es ins Geld gehen. Die bis 2040 laufenden Warrants sehen nämlich ungewöhnlicherweise keine Deckelung der Auszahlungen vor. Falls die Ukraine in den kommenden zwei Jahrzehnten ihren Rückstand gegenüber Nachbarländern wie Polen tatsächlich aufholen sollte – und dafür ist ein Wachstum von 5 bis 7% nötig –, müsste Kiew die Investoren fürstlich entlohnen. Deren Wette auf die Ukraine wäre dann aufgegangen. Früher oder später muss Kiew wohl über eine Lösung dieses Luxusproblems – etwa einen Rückkauf der Warrants – nachdenken.

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