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Wirtschaft aktuell

Ermotti, Jimenez und Thiam unter Europas Topverdienern

Der Bund-Logo Der Bund 06.10.2017 Yannick Wiget
Schweizer Manager sind Europas Topverdiener © (DerBund.ch/Newsnet) Schweizer Manager sind Europas Topverdiener

Ein Vergleich der Löhne von hundert europäischen Grosskonzernen zeigt, welche Schweizer CEOs am meisten kassieren.

Die Chefs von Schweizer Grosskonzernen sind die Topverdiener Europas. 10,29 Millionen Euro oder umgerechnet fast 11,8 Millionen Franken kassierten die CEOs der Firmen ABB, Credit Suisse, Lafarge Holcim, Nestlé, Novartis, Roche und UBS letztes Jahr im Mittel. Dies zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Beratungsfirma Willis Towers Watson, welche die 80 grössten europäischen Unternehmen untersucht hat.

Die Schweizer liegen demnach deutlich vor den Briten mit einem mittleren CEO-Lohn von 7,4 Millionen Euro, den Spaniern mit 5,6 Millionen und den Deutschen mit 5,1 Millionen. Nordeuropäische Topmanager verdienen mit 1,8 Millionen Euro fast sechsmal weniger als ihre Schweizer Kollegen.

Dabei haben die Schweizer Topmanager die niedrigsten Grundgehälter. Die fixe Vergütung macht nur 25 Prozent ihres Gesamtverdienstes aus. Zum Vergleich: Im europäischen Mittel sind es 33 Prozent. Dafür erhalten die CEOs der Grosskonzerne hierzulande höhere Boni und werden stärker am Erfolg ihres Unternehmens beteiligt (Long-Term-Incentive-Pläne, LTI). «Hier haben Topmanager weniger Garantie, aber durch die hohen variablen Anteile auch grössere Chancen auf ein Spitzengehalt», sagt Olaf Lang, Managing Director bei Willis Towers Watson.

Europäischer Spitzenverdiener ist wie 2015 Rakesh Kapoor vom britischen Konsumgüterriesen Reckitt Benckiser mit 14,4 Millionen Euro. Er verdiente allerdings deutlich weniger als im Vorjahr (20,9 Millionen Euro), weil ihm wie den Zweit- und Drittplatzierten der Bonus gekürzt wurde. Die Nummer zwei ist mit 13,3 Millionen Euro Lohn Martin Sorrell, Gründer und Konzernchef (CEO) des britischen Werbe- und PR-Unternehmens WPP. Der Dritte und damit der bestverdienende Schweizer bleibt UBS-Konzernchef Sergio Ermotti mit 12,3 Millionen Euro Lohn (Vorjahr: 13,1 Millionen Euro).

Als Nummer vier figuriert der Chef des deutschen IT-Konzerns SAP vor Novartis-CEO Joseph Jimenez (10,8 Millionen Euro), dicht gefolgt von Roche-CEO Severin Schwan (10,6 Millionen Euro) und Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam (10,3 Millionen Euro). Die Schweiz stellt damit vier der zehn grössten CEO-Topverdiener unter den Eurotop 100, den europäischen Unternehmen mit der grössten Marktkapitalisierung.

Die mittlere Direktvergütung (Fixlohn und Boni ohne Altersvorsorge und Nebenleistungen) aller Bosse der untersuchten 80 grössten Unternehmen Europas ging gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent auf 5,4 Millionen zurück. Grund sind gemäss Olaf Lang geringere Boni.

In der Schweiz verdienen die Chefs der Gesundheits- und der Finanzbranche am meisten. Ein wenig anders sieht es in der EU aus: Hier sind Pharma und Konsum die bestbezahlten Branchen. Topmanager der Pharmabranche kassieren im Mittel 7,7 Millionen Euro, ihnen folgen die CEOs der Konsumgüterhersteller (7,3 Millionen) und der Energiebranche (5,6 Millionen).

«Die Abzockerinitiative hatte bisher keinen Einfluss auf die Lohnhöhe.»Olaf Lang, Managing Director bei Willis Towers Watson

Laut Lang hatte die nach der Abzockerinitiative erlassene Verordnung gegen übermässige Vergütungen (VegüV) bisher keinen Einfluss auf die Lohnhöhe. Die Mitbestimmung der Aktionäre bei den Salären der Teppichetage seien dennoch gestärkt worden, was sich etwa bei der Abschaffung von Sonderzahlungen und goldenen Fallschirmen zeige.

Die anstehende neue Regulierung in der EU werde sich auf die Vergütungs- und Veröffentlichungspraxis in der Schweiz auswirken, erwartet Lang. Die Aktionärrechtsrichtlinie SRD (Shareholder rights directive), die die EU dieses Jahr beschlossen hat, verlangt unter anderem ein bindendes Votum für die Vergütungspolitik sowie ein nicht bindendes Votum für die einzelnen Löhne der Geschäftsleiter. Ebenfalls müssen die Unternehmen künftig das Verhältnis zwischen den höchsten und den restlichen Löhnen der Firma offenlegen.

Die Vergütungsberichte für das Geschäftsjahr 2019 müssen die SRD bereits erfüllen. Die Schweizer Unternehmen sollten sich möglichst früh damit beschäftigen, auch wenn es die Schweiz nicht direkt betrifft, betont Lang: «Ich schätze, dass die Schweizer Multis sich nach der EU-Regulierung richten werden müssen, wenn sie die Akzeptanz von Nicht-Schweizer Investoren wollen.» Sie täten auch gut daran, sich mit Stimmrechtsberatern wie ISS und Ethos auszutauschen. Solche Berater würden immer wichtiger, weil es für die Beurteilung der Lohnpolitik immer mehr Spezialwissen brauche.

Die EU-Aktionärrechtsrichtline dürfte den Anstieg der Löhne allgemein verlangsamen. Daran, dass die Schweizer Eurotop-Unternehmen mehr verdienen als jene in Europa, dürfte sich laut Lang aber nichts ändern.

*mit Material der SDA

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