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Experten loben Raiffeisen für neuen Präsidenten Lachapelle

Handelszeitung-Logo Handelszeitung 14.09.2018 Redaktion Handelszeitung
Bank_Raiffeisen: Die Raiffeisen Bank hat einen neuen Präsidenten: Guy Lachapelle. © Keystone Die Raiffeisen Bank hat einen neuen Präsidenten: Guy Lachapelle.

Von der Auswahl des neuen VR-Präsidenten Guy Lachapelle bei Raiffeisen zeigen sich Experten teilweise überrascht.

Von der Auswahl des Verwaltungsratspräsidenten bei RaiffeisenSchweiz zeigen sich Experten teilweise überrascht. Am Freitagmorgen war bekannt geworden, dass der derzeitige Chef der Basler Kantonalbank, GuyLachappelle, das strategische Ruder bei der Genossenschaftsbank übernehmen soll.

«Ich hätte weniger mit einem amtierenden Chef einer Kantonalbank gerechnet», sagte Bankenprofessor Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Die Basler Kantonalbank befinde sich noch mitten in einem Transformationsprozess. Deshalb habe er damit gerechnet, dass Lachappelle noch drei, vier Jahre weitermache.

Aber offenbar habe ihn die Aufgabe bei der drittgrössten Bank der Schweiz gereizt, sagte Dietrich. Für Raiffeisen wiederum sei es seiner Meinung nach eine sinnvolle Wahl. Damit könnte wieder etwas Ruhe einkehren.

Erfahren und kompetent

Wie er Lachappelle kennengelernt habe, habe dieser klare Vorstellungen und setzte sie auch um. Unbestritten sei auch sein Bank-Knowhow: «Er kennt die Bankenlandschaft Schweiz und hat bereits Krisen durchgemacht», sagte Dietrich.

Bei Raiffeisen sei die dringliche Aufgabe nun, einen guten Chef zu finden. Dessen Anforderungsprofil müsse relativ breit sein. Vor allem müsste er gut mit den einzelnen Raiffeisen-Banken kommunizieren können und sich gut im Privatkundengeschäft auskennen. Es brauche eine erfahrene Persönlichkeit, die mit dem Druck umgehen könnte, im Scheinwerferlicht zu stehen.

Zudem seien viele Fragestellungen in den vergangenen Monaten aufgepoppt, etwa zur künftigen Struktur von Raiffeisen und der Machtfülle der Zentrale in St. Gallen. Man dürfe gleichzeitig aber nicht vergessen, dass es sich bei Raiffeisen um eine Führungskrise handle und nicht um eine strategische.

Grosse Herausforderungen stehen an

Grundsätzlich habe die Bank operativ hervorragend gearbeitet. «Raiffeisen hat in den letzten 10 bis 15 Jahren auch vieles richtig gemacht», sagte Dietrich. Ein Teil des Erfolgs sei eben die lokale starke Verankerung sowie gleichzeitig die wertvollen Dienste der Zentrale.

Auch ZKB-Analyst Akkio Mettler ist von der Ernennung Lachappelles angetan. «Mit der Nomination wird ein sehr erfahrener Banker und bewährter Krisenmanager vorgeschlagen, was wir positiv für RaiffeisenSchweiz werten», schrieb er in einem Kommentar.

Die Basler Kantonalbank sei zwar keine systemrelevante Bank, aber im Konzernverbund mit der Bank Cler gemessen an der Bilanzsumme die drittgrösste Kantonalbank.

Mit den Fortschritten bei der Besetzung des Verwaltungsrats ist es aber nicht getan. Es gebe zahlreiche Herausforderungen für die Raiffeisen-Gruppe: So müsse ein neuer Konzernchef her, die IT-Umstellung stocke und die Finma fordere die Prüfung einer Umwandlung der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft. Zudem sei mit der Postfinance ein Konkurrent im Hypothekengeschäft in Sicht, erklärte Mettler.

Viele Risiken

«Die neue Raiffeisen-Spitze muss klären, ob sie die Konzernambitionen weiter verfolgen will», sagte auch Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht von der Universität Bern, am Freitag zum Online-Portal 20 Minuten. Ausserdem: «Raiffeisen hat mehr Kredite vergeben als andere Banken, und man muss annehmen, dass sie dabei auch sehr viele Risiken eingegangen ist.»

Im ersten Halbjahr 2018 habe die Bank lediglich 6,7 Millionen Franken an faulen Krediten gehabt. Im Hypothekenbereich müsse man aber auf lange Sicht denken und wenn es in den nächsten Jahren zu einer Immobilien- oder auch Arbeitsmarktkrise kommen sollte, könne der Kreditausfall sehr rasch steigen.

Mit Blick auf die Postfinance vermutet Kunz zudem: «Raiffeisen wird sich mit aller Macht gegen eine neue Konkurrenz im Hypothekarmarkt wehren.»

(awp/tdr)

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