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Facebook und Netflix wollen ins autonome Auto

20 Minuten-Logo 20 Minuten vor 6 Tagen
ARCHIV - 15.02.2018, Nordrhein-Westfalen, Aldenhoven: Forscher der RWTH Aachen fahren im Self Driving Lab (Anwendungslabor für automatisierte Fahrfunktion) auf einer Teststrecke. Für weitere Forschungszwecke zum autonomen Fahren wird das Testgelände nun mit Kreuzungen, Parkbereichen, Haltestellen oder auch Zebrastreifen ausgestattet. (zu dpa «Wissenschaftler testen autonomes Fahren auf eigenem Testgelände» vom 27.03.2018) Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Federico Gambarini) © Federico Gambarini ARCHIV - 15.02.2018, Nordrhein-Westfalen, Aldenhoven: Forscher der RWTH Aachen fahren im Self Driving Lab (Anwendungslabor für automatisierte Fahrfunktion) auf einer Teststrecke. Für weitere Forschungszwecke zum autonomen Fahren wird das Testgelände nun mit Kreuzungen, Parkbereichen, Haltestellen oder auch Zebrastreifen ausgestattet. (zu dpa «Wissenschaftler testen autonomes Fahren auf eigenem Testgelände» vom 27.03.2018) Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Federico Gambarini)

Jedes Jahr verbringen Menschen weltweit etwa 400 Milliarden Stunden am Steuer. «Das ist eine gigantische Zahl und eine enorme Zeitverschwendung», sagt Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen (HSG). Wenn Autos lernen, selber zu fahren, wird somit eine riesige Menge Zeit frei, die den Menschen zur Verfügung steht. Um diese Zeit streiten sich Medienunternehmen, Autobauer, Internetfirmen und viele andere, ist Herrmann überzeugt.

Der Grund für das Interesse der Unternehmen: Wenn man den Wert einer Stunde mit 5 Franken bewertet, ergibt sich ein Gesamtwert für diese Zeit am Steuer von 2 Billionen Franken weltweit. Das entspreche in etwa dem Umsatz, den alle Automobilunternehmen weltweit derzeit mit dem Verkauf von Autos machen.

Diese Summe gelte es nun, neu zu verteilen: «400 Milliarden Stunden – jeder Content-Hersteller kennt diese Zahl», so Herrmann. Die Autohersteller hätten aber auch gerne was davon, denn ihre Technologie ist es ja, die die freie Zeit überhaupt schafft.

Autobauer versuchen, Google zu übertrumpfen

Der Experte spricht von einem «Kampf um die Hoheit bei der Kommunikation und Navigation». Ein Beispiel dafür sei, dass Autohersteller versuchen, mit ihren eigenen Lösungen den Ortungsdienst von Google Maps zu übertrumpfen.

Die Fahrzeughersteller scheinen allerdings im Hintertreffen zu sein, was die Aufmerksamkeit der Insassen des autonomen Autos betrifft: «Wer will schon Renault-, Toyota- oder Volkswagen-TV sehen?», fragt der Experte von der HSG. Die Passagiere würden Netflix oder Facebook im Fahrzeug wollen und via Google im Internet surfen.

Hersteller wollen Anteil von Netflix und Co.

Der Markt für Unterhaltung sei bereits unter den Firmen verteilt. Den Autoherstellern bleibe nur übrig, eine Art virtuelle Tür ins Fahrzeug zu bauen, die es ihnen ermögliche, für die Bereitstellung von Diensten einen Anteil von Anbietern wie etwa Netflix zu kassieren.

Doch auch das dürfte schwierig werden. Für den Zugriff auf Facebook und Co. braucht es das Auto selbst schliesslich gar nicht: «Ich kann ja schon heute einfach mein Smartphone ins Auto mitnehmen – da kann der Hersteller überhaupt nichts dagegen unternehmen», so Herrmann. Der Experte sieht keine Chance, dass das smarte Angebot des Autos jemals besser sein könnte als das Smartphone selbst.

Die Erfahrung fehlt

Autobauer hätten zudem den Nachteil, dass sie gar keine Erfahrung mit Unterhaltungsprodukten haben. Firmen wie Netflix, die bereits heute darauf spezialisiert sind, hätten hier einen nahezu unüberwindlichen Vorsprung und können vom neuen Zeitkapital der Fahrzeuginsassen somit viel besser profitieren.

Eine Möglichkeit wäre, dass Hersteller ihre Autos systematisch abriegeln, sodass nur über das Fahrzeug selbst auf Dienste zugegriffen werden kann. Herrmann glaubt jedoch nicht, dass es ihnen gelingen wird, das Einfallstor der Medien ins Fahrzeug derart zu beherrschen und Bezahlmodelle durchzusetzen. Dafür wäre der Druck vom Markt zu gross: «Niemand würde ein Auto wollen, in dem man nicht auf Whatsapp kann», so Herrmann.

Manche Fahrzeughersteller arbeiten mit den Techunternehmen in gewissen Bereichen zusammen. So sind die Systeme vieler Autohersteller, darunter BMW, Ford und Volvo, mit Diensten wie Spotify kompatibel. Hersteller profitieren, wenn Kunden den Datenplan des Herstellers nutzen. (rkn)



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