Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Heftige Turbulenzen an den Währungsmärkten

Basler Zeitung-Logo Basler Zeitung 10.08.2018 Markus Diem Meier
Heftige Turbulenzen an den Währungsmärkten © (baz.ch/Newsnet) Heftige Turbulenzen an den Währungsmärkten

Regelrecht eingebrochen ist die türkische Lira heute Morgen. Der Franken wird wieder zur Fluchtwährung.

Der Kursverfall der türkischen Währung hat sich am Freitag dramatisch beschleunigt. Am Morgen kam es im Handel mit dem US-Dollar zeitweise zu einem Einbruch um 13,5 Prozent. Diese Entwicklung hat Schockwellen auch auf andere Märkte: So wertete auch der Franken gegenüber dem Euro drastisch auf, was sich in einem tieferen Preis für den Euro zeigt. Noch gestern Mittag kostete die Gemeinschaftswährung 1.15 Franken, nach dem Lira-Sturz sank der Preis auf unter 1.14 Franken.

Auswirkungen hat die Entwicklung bereits auch auf die Kurse von Bankaktien. In der Schweiz notierten die Credit Suisse, die UBS und Julius Bär zum Börsenstart mehr als 1 Prozent im Minus. Stärker betroffen sind europäische Institute: Die Deutsche Bank notiert mit rund 4 Prozent im Minus, die italienische Unicredit mit Minus 3 Prozent. Am meisten gefährdet von der Krise sind deshalb auch die türkischen Banken selbst: Laut einem Analysten von Goldman Sachs würde ein verbleiben des Kurses auf diesem Niveau bedeuten, dass das praktisch deren gesamte Reserven verloren wären.

Zloti und Rand im Abwärtssog

Die erneute Aufwertung des Frankens steht für die Ängste vor den Folgen einer Krise um die Wirtschaft der Türkei und ihrer Währung. Die Schweizer Währung nimmt wieder die Rolle als sicherer Hafen wahr. Der Wertzerfall der Bankaktien – vor allem in Europa – erklärt sich durch die Sorgen um Engagements dieser Institute in der Türkei, die nun gefährdet sein könnten. Laut der «Financial Times» untersucht bereits auch die Europäische Zentralbank, wie stark das der Fall ist. Die Zeitung nennt hier vor allem die Unicredit, die spanische BBVA und die französische BNP Paribas. Türkische Gläubiger sind gegenüber dem Ausland stark in Dollar verschuldet. Mit dem Lira-Zerfall sind diese Schulden in eigener Währung nun deutlich angestiegen und schwerer zu bedienen.

Wie schon bei früheren Krisen um die Währung eines Schwellenlandes, zeigt sich auch jetzt bereits eine Ansteckung auf andere: So verlor auch der polnische Zloti und der Südafrikanische Rand an Wert. Ebenfalls starke Wertverluste verzeichnet seit einer Woche der russische Rubel, was allerdings nicht nur auf die Entwicklung in der Türkei zurückgeht.

Angetrieben wird der Zerfall der Lira auch durch den Umstand, dass die Türkei knapp an Währungsreserven ist, um sich mit Stützungskäufen dagegen zu stemmen. Das kommt einer Einladung etwa an Hedge Funds gleich, auf einen weiteren Lira-Zerfall zu setzen.

Der IWF könnte helfen, wird aber wohl kaum

Um hier Abhilfe zu schaffen, böte sich die Unterstützung des Internationalen Währungsfonds IWF an. Dass die türkische Regierung hier Hilfe ersucht, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn Kredite des IWF kommen nur mit Auflagen für die Wirtschaftspolitik. Und davon will Präsident Recep Tayyip Erdogan nichts wissen. Wie die türkische Regierung mit der Krise umgehen will, wird heute Nachmittag der Finanz- und Wirtschaftsminister des Landes, Berat Albayrak an einer Pressekonferenz bekannt geben. Albayrak ist der Schwiegersohn von Erdogan.

Auslöser der Krise ist ein Gemisch mehrerer Faktoren: Aufgrund des Drucks von Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die türkische Notenbank trotz einer Inflation von mehr als 15 Prozent die Zinsen nicht angehoben, womit das Institut jede Glaubwürdigkeit verloren hat. Zudem hat die USA Sanktionen gegen zwei Minister die Türkei verhängt und mit einem Ende des zollfreien Zugangs für türkische Produkte gedroht. Hintergrund ist, dass die Türkei einen US-Priester Andrew Brunson gegen dessen Willen festhält.

Der Strassburg-Attentäter Chérif Chekatt wurde von der Polizei bei einem Hauseingang erschossen. Nächste Geschichte

Polizei tötet Strassburg-Attentäter Chérif Chekatt

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Basler Zeitung

image beaconimage beaconimage beacon