Hochdorf hat Mühe mit dem Umbruch
Der Milchverarbeiter hat 2018 einen Umsatz- und einen markanten Gewinnrückgang verzeichnet. Der strategische Umbau des Unternehmens verläuft nicht wunschgemäss. Dennoch wird die Dividende auf Vorjahresniveau gehalten.
Es ist noch nicht lange her, da schien die Welt der Firma Hochdorf noch in Ordnung. Die ersten sechs Monate des Geschäftsjahrs 2018 waren zwar nicht ganz wunschgemäss verlaufen, Umsatz und Gewinn hatten gelitten. Gleichwohl stellte der Milchverarbeiter im Semesterbericht, der Ende August publiziert wurde, ein «starkes zweites Halbjahr» in Aussicht, versah die Prognose allerdings mit einem Vorbehalt; die Negativeffekte des ersten Halbjahrs, hiess es, seien wohl «nicht vollständig» auszugleichen. Aus dem Vorbehalt wurde im Dezember eine «Gewinn- und Umsatzwarnung». Und dank den am Dienstag publizierten Jahreszahlen weiss man nun, dass auch die zweite Jahreshälfte schwach ausgefallen ist. 2018 ist der Erlös um 6,6% auf 561 Mio. Fr. zurückgegangen, die Betriebsmarge hat sich auf 3,3% zurückgebildet, und der Reingewinn beläuft sich noch auf einen Fünftel des Vorjahres (vgl. Tabelle).
Aufstand der Aktionäre
Aufgrund der ausgesandten Warnsignalen dürfte sich die Erschütterung der Anleger ob der enttäuschenden Performance in Grenzen halten. Im Börsenkurs sind die Hiobsbotschaften ohnehin längst eskomptiert. Seit der Publikation des Semesterberichts im August hat sich der Preis der Hochdorf-Aktie um 37% verringert.
Ganz ohne Protest wird der Krebsgang von den Investoren dennoch nicht hingenommen. Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), deren Invest AG 14,5% der Hochdorf-Titel hält und die damit grösste Aktionärin ist, dringen auf eine Blutauffrischung im Verwaltungsrats. Wie die ZMP Anfang März verlauten liessen, werden sie an der Hochdorf-Generalversammlung vom 12. April drei neue Kandidaten zur Wahl ins siebenköpfige Gremium präsentieren. Ebenfalls unzufrieden mit der Leistung des Unternehmens ist eine Aktionärsgruppe, die sich aus mehreren Familien zusammensetzt (Weiss, Maurer, Ringler) und die über ein Paket von 11% verfügt; diese Vereinigung erhebt ihrerseits Anspruch auf ein Verwaltungsratsmandat. Zur Beruhigung der Investorennerven dürfte beitragen, dass der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine gegenüber dem Vorjahr gleichbleibende Dividende von 4 Fr. pro Aktien vorschlägt.
Viel Aufwand, wenig Ertrag
Da es der Firmenführung im zweiten Semester nicht gelungen ist, eine Wende zum Besseren zu bewerkstelligen, stellt sich die Frage, ob Hochdorf auf dem richtigen strategischen Weg ist. Das Unternehmen verfolgt seit einigen Jahren das Ziel, von der Massengüterproduktion (der Herstellung von Milchpulver für die Schokoladeindustrie) wegzukommen und in lukrativere, rasch wachsende und margenträchtigere Bereiche vorzustossen. Bis 2020, so lautet die Vision, soll Hochdorf ein global tätiges, profitables Nischenunternehmen mit Premiumprodukten werden. Die neuen Segmente, auf die man sich konzentriert, sind Babynahrung sowie Zerealien und Nahrungsergänzungsmittel. Um diese Geschäfte zu forcieren, wurden in jüngerer Zeit bedeutende Investitionen getätigt; Hochdorf hat eine Reihe von Firmen akquiriert (darunter für 245 Mio. Fr. die in Baar beheimatete Pharmalys Laboratories SA), baute für 110 Mio. Fr. die Produktionskapazitäten am Standort Sulgen (TG) aus. Man stellte neues Personal ein und erhöhte die auf die innovativen Produkte ausgerichteten und Marketingausgaben.
Das Problem ist nun, dass diese Aufwendungen nicht zu den erhofften Einnahmen geführt haben. Das Hauptgeschäft, Dairy Ingredients, verzeichnete 2018 eine Umsatzminderung von 12,5% auf 354 Mio. Fr. Demgegenüber legten die Erlöse der neuen Segmente Baby Care (+4,3% auf 176 Mio. Fr.) und Zerealien (+15% auf 31 Mio. Fr.) zwar zu, vermochten die im Milchgeschäft entstandene Lücke jedoch nicht wettzumachen. Die Umsätze, die man sich den Pharmalys-Aktivitäten in Nahost und Afrika versprochen hatte, entwickelten sich nicht wie erwartet, in China stockte der Absatz, weil es nicht gelungen ist, die behördliche Einwilligung für neue Produkte zu erlangen. Und als Folge der Absatzprobleme war die Auslastung der neuen Anlage in Sulgen ungenügend.
Hochdorf befindet sich im Umbruch. Das Unternehmen will unter anderem mit einem Kostensenkungsprogramm dafür sorgen, dass künftig wieder positive Resultate erzielt werden. Angesichts der Unsicherheiten im Milchpulvergeschäft, die im Zusammenhang mit der Ablösung des «Schoggigesetzes» entstanden sind, verzichtet die Firmenführung jedoch auf die Abgabe einer Umsatz- und Ertragsprognose.
Mehr von Neue Zürcher Zeitung
-
SVP-Bundesrat Maurer kritisiert die passive Haltung seiner eigenen Partei
Neue Zürcher Zeitung
-
Grün zündet auf dem Land – und die SVP läuft in zwei weiteren Kantonen in den «Klima-Hammer»
Neue Zürcher Zeitung
-
Frau aus dem Aargau gewinnt 184 Millionen Franken im Lotto – und geht weiter arbeiten
Neue Zürcher Zeitung