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Jeff Bezos, reichster Mensch und «schlechtester Chef der Welt» hilft nun Obdachlosen

watson.ch-Logo watson.ch 14.09.2018 Oliver Wietlisbach
Vor zehn Tagen hat Amazon die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert geknackt. Firmengründer Bezos ist längst der reichste Mann der Welt. Jetzt wandelt sich der Bad Boy der Tech-Welt zum Philanthropen. Vielleicht.

Jeff Bezos ist mit einem Vermögen von rund 151 Milliarden Dollar der reichste Mensch der Welt, wobei der Grossteil des Vermögens in seiner Firma steckt. Nun will er einen vorerst zwei Milliarden schweren Fonds für wohltätige Zwecke gründen. Der Fonds solle obdachlosen Familien sowie Vorschulen in armen Wohngegenden helfen. Dies kündigte der Amazon-Chef am Donnerstag auf Twitter an.

Bezos hat letztes Jahr öffentlich um Ideen gebeten, wie er sein Vermögen für karitative Zwecke einsetzen könne. Im Tweet beschreibt er seine Pläne, wie er Schulen und Obdachlose unterstützen will.

Seine Ankündigung sorgt für gemischte Reaktionen. Es gibt viel Zuspruch – und viel Kritik.

Dass Bezos ausgerechnet das Thema Obdachlosigkeit angeht, wirkt einigermassen seltsam, da er sich zuvor stark gegen eine Steuer zur Finanzierung von Obdachlosenheimen und einkommensschwachen Wohnungen in Seattle eingesetzt hatte. Das Wirtschafsmagazin «Fortune» titelte: «Amazon hat gerade eine Steuer getötet, die Obdachlosen hilft.»

«Amazon widersetzte sich der Steuer, die ursprünglich bei 500 Dollar pro Jahr für jeden seiner Mitarbeiter in Seattle lag. Um sein Missfallen zu signalisieren, stoppte das Unternehmen den Bau eines neuen Büroturms und deutete an, dass es 67'000 Quadratmeter Bürofläche untervermieten könnte, die der Konzern gerade in einem brandneuen Gebäude in der Innenstadt gemietet hatte. Als der Stadtrat eine reduzierte Steuer von 275 Dollar genehmigte, setzte Amazon die Arbeiten am neuen Gebäue fort. Trotz der Reduktion der Steuer finanzierten Amazon, Starbucks und andere lokale Arbeitgeber die politische Gruppierung ‹No Tax on Jobs›, die über 300'000 Dollar sammelte, um Unterschriftensammler für ein Referendum zur Abschaffung der Kopfsteuer zu bezahlen. In einer Erklärung nach der Abstimmung sagte Amazon-Vizepräsident Drew Herdener: ‹Die heutige Abstimmung des Stadtrats von Seattle zur Abschaffung der Steuer auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ist die richtige Entscheidung für den wirtschaftlichen Wohlstand der Region›.» //fortune

Offenbar versucht Bezos nun ein gesellschaftliches Problem auf privater Basis zu lösen. Übrigens nicht zum ersten Mal: Anfang Jahr kündigte Amazon an, dass man zusammen mit Banken eine Non-Profit-Krankenkasse gründe.

«Fast jede Person, mit der ich bei Amazon zusammengearbeitet habe, habe ich mindestens einmal am Pult weinen sehen.» //Ex-Amazon-Manager Bo Olson

Bezos wird von Gewerkschaften seit Jahren kritisiert, er würde seine Mitarbeiter ausbeuten und wie moderne Sklaven behandeln. Bereits 2015 enthüllte eine Reportage der «New York Times» die brutale Arbeitskultur bei Amazon. So erzählt der ehemalige Amazon-Manager Bo Olson: «Du verlässt einen Konferenzraum und siehst, wie erwachsene Männer ihre Hände vor das Gesicht halten. Fast jede Person, mit der ich zusammengearbeitet habe, habe ich mindestens einmal am Pult weinen sehen.»

Laut Zeitungsbericht werden Mitarbeiter angehalten, sich gegenseitig hart zu kritisieren, bis hin zur Demontage. Jedes Jahr werden diejenigen gefeuert, die am meisten Verzeigungen von anderen erhalten haben.

Amazon hat allein im letzten Jahr über 130'000 Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigt heute weltweit über 560'000 Menschen. Gleichzeitig hat Amazon den Gewinn verzwölffacht. Bezos ist nun der reichste Mensch der Welt und seine Firma ist drauf und dran, Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt abzulösen.

Bezos tritt mit seinem wohltätigen Fonds in die Fussstapfen anderer Tech-Leader wie Microsoft-Mitgründer Bill Gates und Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Zuckerberg hatte Ende 2015 angekündigt, im Laufe seines Lebens 99 Prozent seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Jetzt aktuell: Hurrikan «Florence»

Das Auge des Sturms auf einer Luftbildaufnahme der NASA vom 12. September 2018.

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© KEYSTONE

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