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Juan Carlos soll Geheimkonten in der Schweiz geführt haben

Handelszeitung-Logo Handelszeitung 12.07.2018 Ralph Pöhner
Juan Carlos I. bei einem Besuch in Deutschland, 2006. Im Hintergrund Corinna zu Sayn-Wittgenstein © Peter Bischoff | Getty Juan Carlos I. bei einem Besuch in Deutschland, 2006. Im Hintergrund Corinna zu Sayn-Wittgenstein

In Spanien tauchten schwere Anschuldigungen gegen den ehemaligen König auf. Es geht um Strohleute, Korruption – und Konten in der Schweiz.

Liess sich das Staatsoberhaupt beschenken, ja bestechen? Und installierte es dazu über Strohmänner Schwarzgeldkonten in der Schweiz? Es sind heftige Vorwürfe, die nun gegen Juan Carlos I. aufgetaucht sind, Spaniens König der Jahre 1975 bis 2014.

Er habe sich zum Beispiel vom marokkanischen König Mohammed VI. eine Liegenschaft in Casablanca schenken lassen. Er habe weitere Immobilien vor den Steuerbehörden verborgen. Und vor allem habe er Kickbacks über rund 80 Millionen Euro gefordert, erhalten und dann versteckt – für seine Beziehungen zum saudischen Königshaus. Denn tatsächlich trug Juan Carlos dazu bei, dass ein spanisches Konsortium 2011 den Zuschlag erhielt für den Bau eines Hochgeschwindigkeitszugs von Medina nach Mekka. Umfang des Projekts: rund 7 Milliarden Franken.

All das erzählt Corinna zu Sayn-Wittgenstein. Die 53jährige Prinzessin wird in den spanischen Medien höflich als «una próxima» als Juan Carlos I. bezeichnet. In die internationale Presse rutschte die angeheiratete Adlige, weil sie den König 2012 auf Elefantenjagd nach Botswana begleitet hatte, notabene in Abwesenheit von Königin Sofia. Der Trip wurde in Spanien nicht nur von Tierschützern als Skandal empfunden und trug massiv bei zum Rücktritt von Juan Carlos im Jahr 2014.


Erst der Cousin, dann der Genfer Anwalt

Sie selber habe als Strohfrau des Königs gedient – als «testaferro» –, erzählte Corinna zu Sayn-Wittgenstein. Und jeder kann es hören.

Die Aussagen stammen aus einem Gespräch, das die «próxima» mit einem Fahnder der Antikorruptions-Polizei führte; die Aufnahmen gelangten nun an «El Español» sowie «Okdiario», zwei Digitalmedien in Madrid. Und die stellten alles ins Netz.

Sie selber sei zur Strohfrau geworden, weil sie damals in Monaco gelebt habe. Als weiterer «testaferro» habe ein Cousin von Juan Carlos gedient, Álvaro de Orleans de Borbón: Für ihn und in seinem Namen habe ein Anwalt in Genf Konten und Fonds aufgesetzt und verwaltet. Der Genfer Anwalt spielt ansonsten eine eher diskrete Rolle in der Schweizer Wirtschaftswelt; zugleich war er aber auch schon für bekannte Figuren wie den «Harrods»-Milliardär Mohamed al-Fayed tätig gewesen. 

Welche Bank in der Schweiz mit der Kontoführung betraut war – und ob es mehrere waren –, das verriet Corinna zu Sayn-Wittgenstein im Gespräch mit dem Kommissar nicht. Sie selber sei nur ansatzweise informiert gewesen: Dass das Gut in Casablanca auf ihren Namen lief, habe sie nur en passant erfahren. Daneben habe der König weitere Immobilien im Ausland in ihrem Namen besessen. Auch die Verschiebungen auf den Konti habe sie jeweils nur per Zufall erfahren. «2012 sah ich einen Haufen Geld auf der Bank, und ich fragte ihn: "Von wo kommt das?". Und er sagte: "Aus Saudi-Arabien".» Auch gemeinsame Reisen seien vom Schweizer Konto bezahlt worden.

Kann man einen Ex-König verurteilen?

Die Bänder wurden 2015 aufgenommen. Sie zeigen, dass die Beziehung zwischen der Adligen und dem Ex-König zu jenem Zeitpunkt nicht mehr so próximo waren. Vor allem aber werden sie nun zum Politikum, denn sie stellen eine interessante staatsrechtliche Frage im Raum: Muss und kann Juan Carlos I. angeklagt werden? Sollen und können die Strafverfolger den Fall aufgreifen?

Die Tonbänder wurden vom Antikorruptionsfahnder im Rahmen eines anderen Falles aufgenommen, offenbar in Eigenregie; dies berichtet die Zeitung «El País». Sie wurden vor einigen Monaten polizeilich beschlagnahmt und begutachtet. Nun muss ein Richter entscheiden, ob er auf dieser Basis ein eigenes Verfahren eröffnet.

Falls ja, so käme der Fall am Ende vors Parlament in Madrid – und das stünde vor einer Grundsatzfrage: Ist es statthaft, einen ehemaligen König von Spanien vor Gericht zu bringen?

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