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P3Wirtschaft aktuell

US-Stahlarbeiter fordern wegen Strafzöllen mehr Lohn

SZ.de-Logo SZ.de 12.09.2018 Von Vivien Timmler
Ein Stahlarbeiter des Konzerns ArcelorMittal. © REUTERS Ein Stahlarbeiter des Konzerns ArcelorMittal.

• Die Angestellten von zwei großen US-Stahlfirmen fordern wegen der deutlich gestiegenen Stahlpreise höhere Löhne.

• Die Konzerne verdienen dank der von US-Präsident Trump eingeführten Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte wieder deutlich mehr Geld - bei etwa gleichbleibenden Kosten.

Es sind gute Zeiten für die US-Stahlindustrie: Seit drei Monaten gelten die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Strafzölle für Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus der EU, Kanada und Mexiko. Die Importstrafen haben den Preis deutlich steigen lassen: Noch zu Beginn des Jahres kostete eine Tonne Stahl in den USA etwa 660 Dollar, mittlerweile liegt der Preis schon bei etwa 863 Dollar - ein Anstieg von mehr als 30 Prozent. Während stahlverarbeitende Unternehmen über steigende Kosten klagen, ist die Lage für viele Hersteller so gut wie lange nicht. Sie können ihre Produkte zu deutlich höheren Preisen verkaufen, während die Kosten für Material und Löhne in etwa gleich geblieben sind.

An der guten Lage wollen nun auch viele der Angestellten teilhaben: Arbeiter der zwei großen Stahlkonzerne United States Steel und Arcelor Mittal fordern von ihren Arbeitgebern wegen der steigenden Gewinne mehr Lohn. Doch mit ihren Forderungen stoßen sie auf Widerstand. Der US-Gewerkschaft United Steelworkers zufolge machen die Konzerne bislang keine Anstalten, ihre Mitarbeiter langfristig an der guten Lage teilhaben zu lassen.

Anfang der Woche veröffentlichte US Steel auf seiner Website einen Entwurf für einen neuen Sechsjahresvertrag - doch sowohl Form als auch Inhalt erzürnten die Gewerkschaft. "Der Vorschlag des Unternehmens ist alles andere als fair, und die öffentliche Darstellung des Vorschlags ist alles andere als sachlich", sagte ein Sprecher. Der Konzern will seinen Mitarbeitern demnach zwar je 15 000 Dollar auszahlen und sie für das laufende Jahr mit 6000 Dollar am Gewinn beteiligen, im Gegenzug sollen die Angestellten aber langfristig auf Gehaltserhöhungen und Gewinnbeteiligungen verzichten. Das wollen die Beschäftigten nicht akzeptieren und haben die Gewerkschaft per Abstimmung ermächtigt, einen Streik gegen US Steel zu organisieren. Gleiches könnte bei Arcelor Mittal passieren, sollte der Konzern sich nicht bald mit der Gewerkschaft einigen.

Der Zorn der Arbeitnehmer rührt auch daher, dass sie den Konzernen vor nicht allzu langer Zeit selbst entgegen gekommen waren. 2015 hatten sie einem dreijährigen Verzicht auf Gehaltserhöhungen zugestimmt. Damals ging es den Stahlkonzernen in den USA sehr schlecht. Durch ein Einfrieren der Gehälter wollte die Gewerkschaft verhindern, dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt.

Nicht alle Stahlfirmen profitieren von den Zöllen

Die von Trump verhängten Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte dienen nach offizieller Darstellung der Wahrung der nationalen Sicherheit. Trump will demnach erreichen, dass sämtliche Rohstoffe für militärisches Gerät wieder im Inland hergestellt werden. Nach Ansicht der EU dürfte es Trump aber eher darum gehen, amerikanische Hersteller vor ausländischer Konkurrenz zu schützen - und damit ein Zeichen an die eigene Wählerschaft auszusenden. Erst in der vergangenen Woche sagte Trump auf einer Veranstaltung in North Dakota, die Stahlindustrie sei "eine der besten Dinge, über die man reden kann". Arbeitsplätze in der Fertigungen seien zurück.

Doch die Zölle kommen längst nicht allen Unternehmen der Stahl- und Aluminiumbranche zu Gute, im Gegenteil. Für Firmen, die auf Importe angewiesen sind, bedeutet er vor allem höhere Kosten. Alcoa etwa, der sechstgrößte Aluminiumkonzern der Welt, hat durch die Strafzölle ein ernstes Problem. Das Unternehmen produziert dünne Alubleche, aus denen unter anderem Coca-Cola-Dosen gefertigt werden. Da die Bleche von einem Tochterunternehmen aus Kanada kommen, muss Alcoa seit dem 1. Juni Strafzölle zahlen.

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