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Wirtschaft aktuell

Viele Start-ups ködern Investoren mit heisser Luft

20 Minuten-Logo 20 Minuten vor 6 Tagen Dominic Benz
FILE - In this Nov. 2, 2016, file photo, Elizabeth Holmes, founder and CEO of Theranos, speaks at the Fortune Global Forum in San Francisco. Forbes announced on June 1, 2016, that it has revised its estimate of Holmes net worth from $4.5 billion to nothing. (AP Photo/Jeff Chiu, File) © Jeff Chiu FILE - In this Nov. 2, 2016, file photo, Elizabeth Holmes, founder and CEO of Theranos, speaks at the Fortune Global Forum in San Francisco. Forbes announced on June 1, 2016, that it has revised its estimate of Holmes net worth from $4.5 billion to nothing. (AP Photo/Jeff Chiu, File)

Die Superstars Justin Timberlake und Gwyneth Paltrow fahren auf die Säfte aus der Juicero-Maschine ab. So munkelt man zumindest. Die Firma aus dem Silicon Valley versprach ihren Kunden grosse Innovationen und den besten Saft, den sie je getrunken hätten.

Mit seiner Idee strich das Start-up Juicero bei den Geldgebern weit über 100 Millionen Dollar ein und gehörte 2016 zu den am besten finanzierten US-Jungunternehmen.

Die Maschine braucht es gar nicht

In die Saftpresse legt der Kunde, ähnlich wie beim Kapselsystem, einen Juicero-Beutel mit dem gewünschten Fruchtfleisch ein. Per Knopfdruck presst die Maschine den Saft aus den frischen Zutaten. Das hat seinen Preis: Juicero verkaufte die Maschine erst für 700 und dann für 400 Dollar. Die Saftbeutel kosteten zwischen 5 und 7 Dollar.

Pfiffige Start-ups wollen mit ihrem Produkt die Welt verändern. Doch viele Jungunternehmen entpuppen sich schon früh als Rohrkrepierer - und erhalten trotzdem Geld von Investoren. Kennen Sie ein Start-up, das keine Zukunft hat, aber vom Staat Fördergelder kriegt? Erzählen Sie uns davon!



Dumm nur: Die Beutel lassen sich auch ganz einfach mit blosser Hand quetschen. Die teure Maschine ist daher überflüssig – und die Firma am Ende. Auf der Website von Juicero steht nur noch die Meldung, man habe die operativen Geschäfte eingestellt. Unterdessen wurde Gründer Doug Evans beim Feiern am Burning Man Festival in den USA gesichtet.

Gerichtstermine statt Geldsegen

Ein prominentes Beispiel eines solchen Niedergangs ist auch die Geschichte des Start-ups Theranos. Gründerin Elizabeth Holmes versprach, den Bluttest zu revolutionieren. Investoren stürzten sich auf die Firma. So wurde Holmes zur Milliardärin und Theranos mit Milliarden bewertet – bis ihr Schummelvorwürfe um die Ohren flogen. Die Bluttests erwiesen sich als fehlerhaft. Heute zerren die Geldgeber sie vor Gericht.

Solche Geschichten, wenn auch weniger extrem, sind nicht selten. Die Vermutung liegt daher nahe, dass solche Start-ups eher vom Geldsegen träumen und nicht von der grossen Innovation.

«Notorisch optimistisch»

Eine Absicht will Dietmar Grichnik, Start-up-Experte an der Uni St. Gallen, diesen aber nicht unterstellen: «Viele Gründer von Start-ups sind notorisch optimistisch.» Sie könnten sich nicht vorstellen, dass ihr Produkt scheitere.

Daher sehe man oft lustige Geräte und Maschinen, für die gar kein Markt bestehe. «Es wird etwas gebaut, das nicht gebraucht wird. Das ist ein Klassiker», sagt Grichnik.

Fehlende Tests

Zudem testen viele Start-ups ihre Gadgets nicht ausführlich am Kunden. «Gerade grosse Innovatoren wie Apple oder Starbucks zeichnen sich dadurch aus, dass sie in einer sehr frühen Phase die Produkte auf Herz und Nieren testen», so der Experte.

Dass einige Jungunternehmen mit Produkten ohne Zukunft millionenschwere Bewertungen erhalten, kommt immer wieder vor. Im Gegensatz zu börsennotierten Firmen gibt es in der frühen Phase eines Start-ups keine objektive Bewertung.

Einige Investoren tappen in diese Falle

Vor allem auf der Ebene des Geschäftsmodells werde zum Teil heisse Luft erzeugt, erklärt Grichnik. Einige Investoren würden in diese Falle tappen. Bei der Technologie sei es hingegen schwieriger, eine Nullnummer glaubhaft zu verkaufen. «Das wäre schon fast eine Fähigkeit für sich.»

Einen sicheren Schutz für Investoren gibt es nicht. «Start-ups sind eine der riskantesten, aber auch interessantesten Anlageklassen, die es gibt», so der Experte. Übertriebene Bewertungen kommen daher oft vor. «Wir beobachten immer wieder sogenannte Ansteckungseffekte: Wenn ein namhafter Investor einsteigt, dann ziehen viele andere Geldgeber mit.»

Besonders kritisch: Im Unterschied zu Unternehmen an der Börse müssen Jungfirmen weniger über ihre Geschäfte berichten. Daher sollte sich der Investor aktiv in das Start-up einbringen, wenn er keine bösen Überraschungen erleben will.



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