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Warum der Schweiz künftig die Arbeitskräfte ausgehen

Handelszeitung-Logo Handelszeitung vor 5 Tagen Melanie Loos
A wegen des politischen Widerstands gegen die Einwanderung, bedarf es anderer Wege, um den zusätzlichen Arbeitskräftebedarf zu decken. © Keystone A wegen des politischen Widerstands gegen die Einwanderung, bedarf es anderer Wege, um den zusätzlichen Arbeitskräftebedarf zu decken.

Der Schweizer Arbeitsmarkt boomt. In den nächsten zehn Jahren könnten bis zu einer halben Million Arbeitskräfte fehlen. Dabei gibt es Lösungen.

Der Schweizer Arbeitsmarkt boomt seit Jahren. In den vergangenen 20 Jahren wurden hierzulande 1,1 Millionen neue Jobs geschaffen. Doch mit der Vollbeschäftigung – die zumindest nach Schweizer Definition gerade herrscht – geht ein Problem einher: der Fachkräftemangel.

Und dieser wird sich weiter verschärfen. Denn laut Schätzungen der UBS-Ökonomen wächst das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften bis 2030 nur um 200'000 Personen – und dabei haben sie mögliche 60'000 Zuwanderer pro Jahr bereits eingerechnet.

Demgegenüber wächst die Nachfrage nach Arbeitskräften aber viel stärker, so dass der Schweiz in zehn Jahren mehr als 300'000 Arbeitskräfte fehlen könnten. Wächst der Arbeitsmarkt gar so stark wie in den vergangenen 15 Jahren, nämlich um 1,3 Prozent pro Jahr, fehlt sogar eine halbe Million. 

Allerdings ist die Nachfrage unterschiedlich verteilt: Während Industriejobs stagnieren, boomen Branchen, in denen heute überwiegend Frauen arbeiten: Gesundheit und Pflege. «Frauen sind in der Schweiz in zukunftssicheren Jobs», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei der UBS und Mitautor der Studie. Demnach müssten demnach künftig Männer umdenken und auch in jenen Branchen arbeiten.

Um die künftige Lücke am Arbeitsmarkt zu schliessen, schlagen die UBS-Experten vier Lösungen vor:

1. Mehr Einwanderung

Wächst die Beschäftigung in der Schweiz in Zukunft nur um ein Prozent, so würde die Schweiz jährlich eine Netto-Zuwanderung von über 100'000 Personen benötigen. Und in der Vergangenheit hat die Schweiz ihren Arbeitskräftebedarf vor allem auf diesem Weg gedeckt. Heute und in Zukunft werde dies allerdings aufgrund des politischen Widerstands gegen mehr Einwanderung keine realistische Option sein. Daher bedarf es anderer Wege, um das künftige Defizit am Arbeitsmarkt auszugleichen.

2. Mehr Frauen

Dazu müssten erstens Frauen stärker am Arbeitsmarkt beteiligt werden. Heute arbeiten zwar bereits 80 Prozent, davon jedoch 45 Prozent in Teilzeit, und zwar mit geringen Arbeitspensen von nur 40 bis 50 Prozent.

Dazu schlagen die Experten eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor, so wie es nordische Staaten mit deutlichen tieferer Teilzeitarbeit vormachen. Auch fehle es häufig an finanziellen Anreizen. Allerdings arbeiten hierzulande nicht nur viele Frauen mit Kindern in Teilzeit. Gerade Frauen zwischen 55 und 64 seien wichtige zusätzliche Arbeitskräfte.

Bei den Frauen sehen die UBS-Ökonomen das grösste Potenzial für den Schweizer Arbeitsmarkt: Konkret könnten in den kommenden zehn Jahren schätzungsweise 280'000 zusätzliche Arbeitskräfte geschaffen werden. Alleine durch die vollständige Einbindung von Frauen liesse sich die Lücke zumindest bei einem moderaten Stellenwachstum schliessen. 

3. Arbeitslosigkeit senken

Nach Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) liegt die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bei rund 5 Prozent – und damit weltweit im Mittelfeld. Demnach kann von Vollbeschäftigung also keine Rede mehr sein. Die zusätzlich benötigten Arbeitskräfte könnten nach Ansicht der UBS-Ökonomen daher durchaus mit inländischen Erwerbsfähigen gedeckt werden – zumindest teilweise. So wollten im vergangenen Jahr 350'000 Teilzeitarbeitende mehr arbeiten. 

4. Flexibles Rentenalter

Auch ältere Arbeitskräfte könnten stärker eingebunden werden. Dabei plädieren die UBS-Ökonomen allerdings nicht für eine allgemeine Erhöhung des Rentenalters, sondern für flexible Lösungen für Branchen mit künftigem Arbeitskräftemangel. So sei es nicht sinnvoll, dass Arbeitnehmende beispielsweise in der Industrie erst mit 67 in Rente gingen, wenn dieser Sektor in Zukunft weniger Arbeitskräfte braucht.

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