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Wie «Mayor Pete» die Industriebrache South Bend wiederbelebt

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 11.09.2019 Martin Lanz, Washington

Die Stadt im Mittleren Westen hat den Niedergang des Autoherstellers Studebaker bis heute nicht verdaut. Unter dem Bürgermeister und Präsidentschaftskandidaten Pete Buttigieg schrumpft die Bevölkerung aber erstmals seit langem nicht mehr.

Die Innenstadt von South Bend hat sich von den härtesten Krisenzeiten erholt. (Bild: Joshua Lott / Reuters) © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG Die Innenstadt von South Bend hat sich von den härtesten Krisenzeiten erholt. (Bild: Joshua Lott / Reuters)

Die Stadt South Bend im Staat Indiana ist durch die Interstate 90, Amerikas längste, von Boston nach Seattle führende Fernstrasse, bestens erschlossen. Bei der Durchfahrt fällt einem der Hinweis auf die nördlich der Stadt gelegene University of Notre Dame auf. Das sorgt für ein Aha-Erlebnis: Hier also steht die berühmte katholische Privatuniversität mit ihren Kultstatus geniessenden Sportteams, den «Fighting Irish»! In South Bend selber macht man nur halt, wenn man wirklich muss, zum Essen und zum Tanken etwa.

Die Präsidentschaftskandidatur des Bürgermeisters von South Bend, Pete Buttigieg, hat das geändert. Vielen ist die 100 000-Seelen-Stadt, die ihren Namen wegen der grossen Südkurve des St. Joseph River erhalten hat, heute dank «Mayor Pete» wieder ein Begriff. Von der Grösse und vom Bekanntheitsgrad, die sie in den fünfziger Jahren aufwies, ist die Stadt allerdings noch weit entfernt.

Damals war South Bend von der Studebaker Corporation geprägt, die um 1950 auf dem Höhepunkt rund 25 000 Leute und damit fast ein Viertel der Bevölkerung beschäftigte. Die Firma, die auf die deutschstämmige Familie Staudenbecker zurückging, hatte sich über die Zeit vom weltgrössten Pferdekutschen-Hersteller zum drittgrössten amerikanischen Autoproduzenten gewandelt. Zahlreiche andere Industriebetriebe siedelten sich in South Bend an und profitierten von der Nähe zu den grossen Zentren Chicago, Detroit und Indianapolis.

Ab 1960, als die Einwohnerzahl mit über 132 000 ihren Höhepunkt erreichte, ging es bergab. 1963 schloss Studebaker unter dem Druck von Ford und General Motors das Werk in South Bend. Zurück blieben unter anderem eine riesige sechsstöckige Fabrik am südlichen Rand der Innenstadt und eine schrumpfende Wirtschaft. Das Gebäude lag jahrzehntelang brach. Der 1982 in South Bend geborene Buttigieg kannte die Stadt nie anders denn als darniederliegende Provinzstadt im amerikanischen Rostgürtel.

2010 war die Bevölkerung auf 101 000 geschrumpft, der niedrigste Wert seit 1940. Seither geht es leicht aufwärts. Per Mitte 2018 schätzte das Volkszählungsbüro die Einwohnerzahl auf 102 000. Ein Verdienst von «Mayor Pete», der 2011 zum ersten Mal zum Bürgermeister und 2015 ein zweites Mal gewählt wurde? Vielleicht. Die Wirtschaft erlebt allerdings landesweit seit Mitte 2009 den längsten Aufschwung der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte, ohne den South Bend wohl noch weiter abgestiegen wäre. Buttigieg ist aber eine der treibenden Kräfte hinter den Bemühungen, die Innenstadt und die ehemaligen Studebaker-Anlagen zu revitalisieren.

Die Gegend wird Renaissance District genannt, zieht beachtliche staatliche und private Investitionen an und soll der grösste Mischtechnologie-Campus im Mittleren Westen werden. Dabei kann die Stadt auf grosse Mengen bisher ungenutzter Glasfaserkabel des Korridors zwischen New York und Chicago zugreifen, die direkt unter der alten Studebaker-Fabrik durchführen.

Industriebrachen gibt es in der Stadt weiterhin, doch manche ehemalige Fabrikareale sind erfolgreich umgenutzt worden. (Bild: Joshua Lott / Reuters) © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG Industriebrachen gibt es in der Stadt weiterhin, doch manche ehemalige Fabrikareale sind erfolgreich umgenutzt worden. (Bild: Joshua Lott / Reuters)

South Bend glaubt, auf den Datenanalyse-Boom aufspringen zu können. Die Hoffnung ist, dass die University of Notre Dame künftig in der lokalen Wirtschaft eine grössere Rolle spielt und junge Leute dadurch auch nach dem Studium in South Bend bleiben. Dank Initiativen wie «1000 Homes in 1000 Days» zum Abbruch verlassener Häuser und «Smart Streets» ist die Stadt unter ihrem jungen Bürgermeister tatsächlich attraktiver geworden. South Bend wird wieder mehr als nur Boxenstopp an der I-90.

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