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Dass Indexanbieter eine Forderung ihrer Kunden ignorieren, ist unverständlich

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 11.02.2019 Michael Schäfer

Die Anbieter von Indizes haben sich bisher gegen den Ausschluss von Herstellern kontroverser Waffen aus ihren Kernprodukten gesperrt. Das ist gleich aus mehreren Gründen unverständlich. Eine Begründung der Investoren, die diesen Ausschluss fordern, erinnert aber an ein ganz anderes, grundlegendes Problem.

Experten begutachten in Damaskus einen Plasticsack, der möglicherweise Spuren von chemischen Waffen enthält. (29. August 2013) (Bild: Mohamed Abdullah / Reuters) © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG Experten begutachten in Damaskus einen Plasticsack, der möglicherweise Spuren von chemischen Waffen enthält. (29. August 2013) (Bild: Mohamed Abdullah / Reuters)

Man muss nicht die grauenhaften Bilder aus Kriegsgebieten wie Syrien vor Augen haben, um chemische und andere geächtete Waffen kategorisch abzulehnen. Dennoch investieren viele Investoren, darunter auch Schweizer Pensionskassen, in die Aktien von Herstellern kontroverser Waffen.

Oft geschieht das gegen den Willen des Anlegers oder ohne sein Wissen. Das soll sich ändern. Schon länger steht die Forderung im Raum, die betroffenen Titel aus den wichtigen internationalen Indizes zu streichen. Nun hat eine grosse Investorengruppe mit einem offenen Brief, erschienen in der Montagausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung», den Druck auf die Indexanbieter erhöht.

Dass sich diese Anbieter bisher sträuben, dem Wunsch Folge zu leisten, ist überraschend. Neben gesetzlichen Vorschriften, die in vielen Ländern verbieten, die Herstellung kontroverser Waffen zu finanzieren, ist schon heute die Nachfrage nach «sauberen» Indizes gross. Man verhindert also nicht nur eine Änderung, die auf breite Akzeptanz stösst, sondern vergibt sich auch ein zusätzliches Geschäft.

Umgekehrt dürften sich die Unterzeichner des offenen Briefs neben der Unterstützung des originären Anliegens auch einen positiven Effekt für die eigene Reputation erhoffen. Besonders interessant ist das für jene, denen in Sachen Nachhaltigkeit eine zwiespältige Haltung vorgeworfen wird. So sahen sich hierzulande erst jüngst die beiden Grossbanken mit dem Vorwurf konfrontiert, den Abbau der klimaschädlichen Kohle im grossen Stil zu finanzieren, auch wenn sie beteuern, diese Aktivitäten herunterzufahren bzw. strengeren Regeln zu unterwerfen.

Nicht zuletzt aber erinnert die Thematik an ein grundlegendes Problem institutioneller Investoren. Viele von ihnen fürchten Abweichungen der erzielten Rendite gegenüber Vergleichsgrössen (Benchmarks), wenn sie gewisse in den Indizes enthaltene Titel aus dem Portfolio ausschliessen. Dieses dogmatische Kleben an den Benchmarks sorgt aber nicht nur dafür, dass sich Pensionskassen zu unerwünschten Anlagen zwingen, sondern bewirkt auch, dass sie sich erwünschten Strategieänderungen, die etwa wegen künstlich verzerrten Zinsen angezeigt wären, versperren.

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