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Wieder mehr Corona-Fälle: Gesundheitsämter könnten eine zweite Welle nicht stemmen

FIT FOR FUN-Logo FIT FOR FUN vor 4 Tagen Deutsche Presse-Agentur (dpa)
© Marijan Murat/dpa Im Kampf gegen die Corona-Pandemie steigt die Anspannung wieder: Entwickelt sich nach und nach eine zweite Welle? In den Blick rückt dabei auch, wie gut die entsprechenden Behörden dafür gewappnet sind.

Angesichts wieder steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus in einigen Regionen Deutschlands warnen Experten vor Problemen bei der Spurensuche durch die Gesundheitsämter vor Ort.

"Für eine zweite Pandemie-Welle sind die Gesundheitsämter viel zu knapp besetzt", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). 

"Mit den steigenden Infektionszahlen rollt ein riesiges Problem auf uns zu."

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlug eine stärkere Konzentration beim Verfolgen von Infektionsketten vor. Laut einer Umfrage rechnen viele Bundesbürger mit einer zweiten größeren Infektionswelle in der nächsten Zeit.

 

Zweite Corona-Welle bereitet Gesundheitsämtern Sorgen

Amtsärzte-Vertreterin Teichert sagte: "Wir brauchen eine kurzfristige Lösung. Wir müssen wissen, wo die Gesundheitsämter im Notfall Verstärkung bekommen."

Konkret sprach sie sich für ein bundesweites Freiwilligen-Register aus – eine Art Jobbörse, die im Ernstfall Mitarbeiter vermittle, die bereits geschult seien.

Gesundheitsämter könnten nicht warten, bis geplante Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Kraft träten.

 

Corona-Krise: Arbeiten Gesundheitsämter nicht effizient?

Lauterbach kritisierte das bisherige Vorgehen der Ämter als "völlig ineffizient". Es werde riesiger Aufwand mit massivem Personaleinsatz betrieben, sagte er dem Magazin 'Der Spiegel'.

Statt jedem Einzelkontakt nachzutelefonieren, sollten sich die Ämter allein auf "Superspreader" konzentrieren. Damit gemeint sind hochansteckende Infizierte, die bei Treffen bestimmter Gruppen oft zahlreiche Teilnehmer anstecken.

Daher sollte bei jedem Corona-Test abgefragt werden, ob die Person bei einem solchen Event war. Sollte der Test positiv ausfallen, müssten alle anderen Teilnehmer der Veranstaltung in Quarantäne geschickt werden, bevor sie selbst getestet wurden.

Der Bund hatte Unterstützung für die bundesweit 375 Gesundheitsämter zugesagt. Unter anderem sollen sie insgesamt 50 Millionen Euro vor allem für eine bessere digitale Ausstattung bekommen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für August zudem ein Spitzengespräch zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes angekündigt, an dem unter anderem Landräte und Oberbürgermeister teilnehmen sollen.

 

Deutsche rechnen mit neuer Corona-Welle

Mit einer zweiten größeren Welle an Corona-Infektionen rechnen laut aktuellem ZDF-'Politbarometer' mehr als drei Viertel der Deutschen (77 Prozent), 20 Prozent erwarten dies nicht.

Außerdem äußerten nun 51 Prozent die Ansicht, dass die Menschen sich in der Corona-Krise "eher unvernünftig" verhalten. In einer Befragung vom Juni hatten dies 33 Prozent angegeben.

Zu Krisenmaßnahmen erklärten 71 Prozent, diese bedeuteten keine starken Einschränkungen für ihr Leben.

Nach einem lokalen Corona-Ausbruch in Schleswig-Holstein gibt es weitere Gegenmaßnahmen. Die Kreisstadt Heide führte am Freitag einen Tag früher als geplant wieder strengere Schutzauflagen ein.

Im öffentlichen Raum gilt nun wieder die Kontaktbeschränkung, dass sich maximal zwei Menschen unterschiedlicher Haushalte treffen dürfen, wie Landrat Stefan Mohrdieck mitteilte.

Auch im nahen Tourismusort Büsum an der Nordsee gelten strengere Beschränkungen, unter anderem eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Fußgängerzone.

Nach einer Familienfeier im Raum Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Zahl der Infizierten auf 15 erhöht.

SPD-Experte Lauterbach forderte harte Strafen bei Versammlungen, die nicht den Corona-Regeln entsprechen.

"Wer an Feiern teilnimmt und keinen Abstand hält, wie bei der großen Party neulich in der Berliner Hasenheide, muss mit dreistelligen Bußgeldern belegt werden, die auch wirklich erhoben werden", sagte er dem 'Spiegel'.

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