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Gesundheit: Was eine Krankenzusatzversicherung bietet

Handelsblatt-Logo Handelsblatt vor 4 Tagen Wohleb, Dirk
Zahnbehandlungen sind sehr teuer da kann eine private Zahnzusatzversicherung können bei den Kosten entlasten. © Geo Days on Unsplash Zahnbehandlungen sind sehr teuer da kann eine private Zahnzusatzversicherung können bei den Kosten entlasten.

Kassenpatienten, denen eine medizinische Grundversorgung nicht reicht, müssen oft tief in die Tasche greifen. Welche Policen gut sind.

Ein Aufregerthema aus Frankreich hat Deutschland erreicht: Frankreichs Gesundheitsministerium hat die Kassenerstattung für homöopathische Mittel gestrichen, weil die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt sei. Auch in Deutschland kommt deshalb die Forderung auf, dass gesetzliche Krankenkassen die Leistungen nicht mehr übernehmen dürfen. Damit müssten Kassenpatienten erneut tiefer in die eigene Tasche greifen. Gesetzlich Krankenversicherte müssen schon jetzt vor allem beim Zahnarzt für viele Leistungen bezahlen, die über die medizinische Grundversorgung hinausgehen.

Kein Wunder, dass das Interesse an Zusatzversicherungen groß ist: So hat die Zahl der Zahnzusatzversicherungen 2018 einen neuen Höchstwert erreicht, berichtet der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV). Die Zahl der Verträge für die Behandlung beim Zahnarzt sei 2018 um rund 343.000 Versicherungen oder 2,2 Prozent auf 16 Millionen gestiegen. Sie ist die wichtigste Zusatzversicherung, gefolgt von Policen für die ambulante und stationäre Behandlung.

Wann lohnt sich der Abschluss, was wird geboten, und welche Tarife überzeugen? Die Versicherungsratingagentur Franke und Bornberg hat dazu 40 Zahnzusatzversicherungen, 33 Tarife für den ambulanten Bereich und 37 Angebote für die stationäre Versorgung untersucht. Bei dieser exklusiven Bewertung für das Handelsblatt gingen die Leistungen zu 70 Prozent ein, 30 Prozent machten dagegen Beitragskriterien aus. Dabei wurde nicht nur der Einstiegsbeitrag für einen 30-jährigen Versicherten berücksichtigt, sondern die gesamte Summe über einen Zeitraum von 50 Jahren.

„Bei Krankenzusatzversicherungen sollten sich Interessierte nicht zu sehr vom Einstiegsbeitrag blenden lassen“, betont Michael Franke, Geschäftsführer bei der Ratingagentur Franke und Bornberg. Das liegt daran, dass einige Versicherer Alterungsrückstellungen erheben, andere dagegen nicht. Da mit dem Alter die Krankheitskosten steigen, müssten sich auch die Beiträge stetig erhöhen. Tarife mit Alterungsrückstellungen bauen dafür einen Puffer auf, um diese Steigerungen abzufangen. Die Einstiegsbeiträge sind daher höher, bleiben dafür aber – abgesehen von der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen – konstant.

Tarife ohne Alterungsrückstellungen sind demgegenüber in der Startphase günstiger, steigen dann aber planmäßig im Laufe der Zeit. „Interessierte sollten nicht nur auf ein überzeugendes Leistungsrating und günstige Einstiegsbeiträge achten“, sagt Franke, „sondern auch darauf, ob Beitragssprünge im Vertragsverlauf vorgezeichnet sind.“

15 Mal gibt es die Bestnote

Insgesamt erhielten 15 Zahnzusatzversicherungen die Bestnote „sehr gut“, weitere zwölf schnitten mit „gut“ ab. Nur drei Angebote erreichten lediglich die Note „ausreichend“. Bei vielen Versicherern kann sich das Angebot also sehen lassen, obwohl neue Spitzentarife, im Gegensatz zu früher, nicht mehr 100 Prozent der Kosten erstatten, die die gesetzlichen Kassen nicht übernehmen, sondern meist 80 Prozent der Kosten.

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Dennoch sind die Erstattungen attraktiv. Besonders beim Zahnersatz. So übernehmen die gesetzlichen Kassen in der Regel 50 Prozent der Regelleistungen. Wer regelmäßig zum Zahnarzt geht, erhält 65 Prozent. Dieser Zuschuss gilt aber nur für die sogenannte Regelleistung, eine Art Basisversorgung.

Wie teuer es für Patienten kommen kann, zeigt das Beispiel eines Zahns, der gezogen werden muss: Wählt der Patient die Regelversorgung, wird die Zahnlücke mit einer Brücke geschlossen. Der Patient muss unterm Strich mit Kosten von mindestens 270 Euro rechnen. Wer höhere Ansprüche hat, kann den Zahn durch ein Implantat, also eine künstliche Zahnwurzel, ersetzen lassen. Diese Lösung schont Nachbarzähne, ist aber deutlich teurer.

Wenn eine private Zahnzusatzversicherung 90 Prozent der Kosten übernimmt, wie beispielsweise der mit „sehr gut“ bewertete Tarif CEZP-U der Continentale, bedeutet das eine starke Entlastung. Ein 30-Jähriger müsste mit einem monatlichen Anfangsbeitrag von 24,50 Euro über den Zeitraum von 50 Jahren einen Gesamtbeitrag von 14.700 Euro bezahlen.

Das kann sich rechnen, zeigt ein Beispiel: Kostet ein Implantat 3.580 Euro, bekommt der Versicherte von seiner Zusatzversicherung einen Zuschuss von 2793 Euro. Wird noch der Anteil von 429 Euro der gesetzlichen Krankenkasse berücksichtigt, bleibt ein Eigenanteil von 358 Euro.

Die meisten Zahnzusatzversicherungen beschränken die Zahlungen in den ersten Jahren der Versicherung. So auch der Tarif PlanZ1 der Central Krankenversicherung, der die Erstattung im ersten Jahr auf 1000 Euro und in den ersten fünf Jahren auf 5000 Euro begrenzt.

Grundsätzlich gilt: „Je jünger und gesünder Interessenten beim Einstieg in eine Krankenzusatzversicherung sind, desto günstiger ist der zu zahlende Beitrag“, sagt Claudia Frenz vom Bund der Versicherten.

Erstattung von Brillen

Auch die Mehrheit der Brillenträger muss oft tief in die Tasche greifen: 40 Millionen Deutsche sind hierzulande auf Brillen angewiesen. Doch Erwachsene haben erst bei einer Kurz- oder Weitsichtigkeit von mehr als sechs Dioptrien oder von mehr als vier Dioptrien im Fall einer Hornhautverkrümmung einen Anspruch auf Kostenübernahme durch die Kasse. Mit einer Krankenzusatzversicherung für den ambulanten Bereich können gesetzlich Krankenversicherte ihre Gesundheitsversorgung deutlich aufwerten. Allerdings erhalten im Ranking nur fünf Tarife die Spitzennote „sehr gut“. Weitere zwölf Angebote schaffen eine „gute“ Bewertung.

„Für Interessenten lohnt es sich, genau zu überlegen, welche Leistungen ihnen wichtig sind“, erläutert Franke. So erreicht unter den mit „sehr gut“ bewerteten Tarifen nur das Angebot der Signal Krankenversicherung im Bereich Sehhilfen die beste Teilbewertung von Franke und Bornberg. Der Tarif Ambulant Plus zahlt alle zwei Jahre bis zu 375 Euro für Brillen oder Kontaktlinsen und zwei Mal bis zu 1.000 Euro für Lasik-Operationen, eine spezielle Augenlaseroperation.

Im Bereich Homöopathie erreichen die mit sehr gut bewerteten Tarife der Axa, Barmenia und LVM Spitzenwerte. Das bedeutet etwa beim Angebot Axa Med Comfort-U, dass alle zwei Jahre 80 Prozent der Rechnungen von bis zu 2.000 Euro übernommen werden. Top im Bereich Vorsorge ist der Barmenia-AN-plus-Tarif. Vorsorgeleistungen werden zu 100 Prozent übernommen.

Die volle Punktzahl bei der Beitragsbewertung schafft unter den „sehr guten“ Tarifen das Allianz-Produkt. Bei 19 Euro Eintrittsbeitrag kommt der 30-jährige Musterkunde in 50 Jahren auf insgesamt 11.400 Euro Kosten. Er liegt auch günstiger als der „sehr gute“ Tarif der Signal Versicherung mit 16,07 Euro Eintrittsbeitrag. Hier liegt die Summe nach 50 Jahren bei 14.966 Euro.

Freie Krankenhauswahl

„Unterbringung im Einbettzimmer, Chefarztbehandlung und freie Krankenhauswahl, das bieten gute Krankenzusatztarife für stationäre Behandlungen“, sagt Franke-und-Bornberg-Geschäftsführer Franke. 13 Tarife wurden hier mit „sehr gut“ und vier mit „gut“ bewertet. Fast alle „sehr guten“ Tarife erreichen 100 Leistungspunkte. Sie bieten zusätzlich Krankenhaustagegeld, zahlen bei kosmetischen Operationen und übernehmen stationsersetzende Heilbehandlungen. Beim Tarif der DFV Deutsche Familienversicherung, der mit der Spitzennote ausgezeichnet wird, müsste der 30-jährige Musterversicherte einen Monatsbeitrag von 38,24 Euro und über 50 Jahre 22.944 Euro Gesamtbeitrag bezahlen.

Unterm Strich lohnt es sich, Tarife für die Krankenzusatzversicherung sorgfältig auszuwählen. Denn ein späterer Wechsel ist oft schwierig, manchmal nicht möglich oder mit höheren Kosten verbunden. Bei der Auswahl einer Versicherung kann ein unabhängiger Versicherungsberater gute Dienste leisten.

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