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Kolumne: Ruft mich bitte an!

Freundin-Logo Freundin 13.10.2021 Elena Dangel

Autorin Elena telefoniert gerne mit ihren Freunden - doch Textnachrichten und Sprachnachrichten überwiegen. Dabei will sie sich doch eigentlich nur Zeit für Gespräche nehmen

Greifen Sie noch gern zum Hörer? ISTOCKPHOTO © ISTOCKPHOTO Greifen Sie noch gern zum Hörer? ISTOCKPHOTO

Ich konnte früher alle Telefonnummern meiner Freundinnen auswendig. Die hatten auch nur fünf Ziffern und da wir alle in derselben Stadt wohnten, brauchte ich auch keine Vorwahl.  Während ich mich am Telefon schnell mit meinen Freundinnen verabredete, um Baumhäuser zu bauen, beobachtete ich meine Mutter dabei, wie sie mit einem riesigen kabellosen Kasten unter dem Ohr geklemmt durch das Haus lief und mit ihren Freundinnen oder Verwandten quatschte. Teilweise stundenlang. Damals habe ich es nicht verstanden, mittlerweile telefoniere ich selbst gerne. Am liebsten beim Kochen, mein Smartphone dann perfekt im oberen Küchenschrank zwischen den Messbechern platziert. Telefonieren ist aber aus der Mode gekommen. Dank WhatsApp und SMS. Mittlerweile bitte ich meine Freunde: "Ruft mich an."

Ich telefoniere mit Freunden, die in der gleichen Stadt wohnen

Irgendwann mal waren wir Anfang zwanzig. Gingen auf dieselbe Uni und sahen uns jeden Tag. Mittlerweile ist mein soziales Umfeld über fast ganz Deutschland verteilt. In den ersten Jahren besuchten wir uns regelmäßig. Der Job war anstrengend, aber die Verantwortung gering. Wir hatten Zeit und endlich Geld für Bahntickets. Fünf Jahre später telefoniere ich sogar mit Freunden, die in der gleichen Stadt wohnen. Der Alltag ist dazwischengekommen. Die Kinder, die weiten Wege, die lauten Restaurants, an die man dank Corona eh nicht mehr gewohnt ist. 

Die wenigsten Menschen sind Shakespeare 

Eine Textnachricht ist herrlich schnell geschrieben. Wie geht’s dir? Kannst du mir ein Buch leihen? Wann wollen wir was machen? Aber die richtigen Gespräche, die kommen bei mir nur gesprochen zustande. Die wenigsten Menschen sind Shakespeare und können im geschriebenen Wort Emotionen rüberbringen. Selbst Emojis helfen nur bedingt. Jeder Gefühlsausbruch kann überdacht werden. Zwar bin ich in meinem Umfeld von Journalistinnnen und Journalisten umgeben und Menschen, die sehr gut schreiben können, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. 

Ich will mir Zeit für Kommunikation nehmen 

„Wenn mich jemand anruft, denke ich immer, es ist etwas passiert”, meinte ein Kumpel zu mir. Er würde Anrufe nervig und zeitaufwendig finden. Wenn man ihm schreiben würde, könnte er sich die Minuten, in denen er es liest, selbst entscheiden. Das sei ja viel besser! Ich schüttelte schon damals den Kopf. „Wenn du keine Zeit hast, in deinem Alltag dir drei Minuten Zeit für mich zu nehmen, wenn ich dich brauche, dann will ich gar nicht mit dir befreundet sein.” Wir überzeugten uns beide nicht. Aber es bleibt das größte Argument für mich: Ich will mir die Zeit nehmen, mit Menschen zu sprechen. Mich auszutauschen.

Wenn du keine Zeit hast: Geh halt nicht hin! 

Es wird immer von der ach so schnellen Internet-Welt gesprochen, von der ständigen Erreichbarkeit, die zu Burn-out führt. Vielleicht müssen wir nur einen besseren Umgang mit den Kommunikationsmöglichkeiten finden? Wenn ich Ruhe haben will, schalte ich mein Handy aus. Wenn ich mit jemanden sprechen will, rufe ich an. Ich telefoniere stundenlang mit meiner Tante in Hamburg oder der Freundin in Cornwall. Danach fühle ich mich gut. Sozialer Kontakt beruhigt mich immer, inspiriert mich.

Wenn mich jemand anruft und ich habe keine Zeit oder bin gestresst, dann gehe ich einfach nicht hin. Textnachrichten sind super für lustige Nachrichten, die den Ablauf des Alltags nicht unbedingt unterbrechen sollen. Auf die muss auch nicht immer sofort geantwortet werden. Sprachnachrichten verabscheue ich bis heute mit vollem Herzen. Ich will euch nicht beim lauten Denken zuhören und mitzählen, wie viele „Äh“ ihr in einen Satz packen könnt.

Elena Dangel Privat © Privat Elena Dangel Privat

Über die Autorin: 

Mit ihrem Podcast "ChaosQueen" versucht Journalistin Elena Dangel ihrem alltäglichen Chaos den Kampf anzusagen. Seien es Frauenthemen wie Haarentfernung oder simple Putztipps, um ihre Wohnung auf Vordermann zu bringen. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen und keiner Angst zu scheitern, stürzt Elena sich in immer neue Abenteuer. In ihrem Podcast oder ihren Texten berichtet sie von ihren Erlebnissen, damit niemand die gleichen Fehler macht wie sie.

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