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Model Anna Wilken im Interview: So macht die Ex-GNTM-Kandidatin kinderlosen Frauen Mut

GLAMOUR-Logo GLAMOUR vor 6 Tagen Isabel Sophie Möller
Model-Anna-Wilken-im-Interview © Getty Images Model-Anna-Wilken-im-Interview

Vor sechs Jahren erhielt Ex-GNTM-Kandidatin Anna Wilken die Diagnose Endometriose – eine Erkrankung, die kaum bekannt ist, die aber Schätzungen zufolge jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter betrifft. Tatsächlich leiden 40 bis 70% aller Frauen mit unerfüllten Kinderwunsch an der chronischen Krankheit. Und auch Anna Wilken versucht sich seit drei Jahren den Traum eines Babys zu erfüllen. In ihrem neuen Buch "Na, wann ist es denn soweit" berichtet das Model gemeinsam mit anderen Betroffenen welche körperlichen, psychischen und auch finanziellen Strapazen mit einer Kinderwunschtherapie einhergehen. Im Interview blickt Anna mit uns auf ihre dreijährige Odyssee aus Klinikaufenthalten, psychischen Ups-and-Downs, sowie Zeiten voller Hoffen und Bangen zurück.

Ex-GNTM-Kandidatin Anna Wilken: "Ich war fast erleichtert, als ich endlich wusste, was mit mir los ist"

"Endometriose ist eine komplexe und oft nicht greifbare Krankheit. Nicht umsonst wird sie auch als "Chamäleon der Gynäkologie" bezeichnet, da sich Verlauf und Symptome stark unterscheiden können. Häufige Anzeichen sind starke Unterbauchschmerzen und ungewollte Kinderlosigkeit – Symptome mit denen auch Anna Wilken zu kämpfen hat.“Ich selbst erfuhr mit 19 Jahren, dass ich Endometriose habe. Ich merkte aber schon viel früher, dass mit mir und meinem Körper etwas nicht stimmt. Mit elf bekam ich erstmals eine wirklich schlimme Periode und habe im wahrsten Sinne des Wortes geblutet wie ein Schwein. Von da an lebte ich nie beschwerdefrei, hatte starke Schmerzen, habe immer wieder in der Schule gefehlt, rannte von einem Arzt zum anderen. Meine Gynäkologin äußerte dann den Verdacht, dass ich Endometriose haben könnte, ich dafür aber eigentlich noch zu jung sei."

"Tja...und so hat sich das dann sechs Jahre bis zum endgültigen Befund hingezogen. Und um ehrlich zu sein: Ich war damals fast erleichtert, als ich die Diagnose bekommen habe. Es ist grausam nicht zu wissen, was mit einem los ist, vor allem wenn man in der Familie sowie von Freunden nicht ernst genommen wird. Als ich die Diagnose erhielt, dachte ich wirklich: Mittelfinger hoch an euch alle - jetzt seht ihr, dass ich mir die Symptome nicht ausgedacht habe. Ich bin wirklich krank. Jetzt habe ich es schwarz auf weiß."

Ex-GNTM-Kandidatin Anna Wilken: "Ich bereue meine Neugierde."

"Zum Zeitpunkt meiner Endometriose-Diagnose gab es keine Anzeichen dafür, dass ich keine Kinder bekommen könnte. Zwei Jahre später, mit 21, erhielt ich dann die Schocknachricht, dass ich unfruchtbar bin. Das kam so: 2017 begab ich mich in eine Endometriose-Reha. Ich wollte lernen, wie ich meine Krankheit besser kontrollieren kann. Dort war ich mit Abstand die jüngste Patientin, denn in dieser Reha waren vor allem Frauen mit Kinderwunsch. Damals habe ich hautnah miterlebt, was für ein Leid diese Frauen erleben müssen."

"Zeitgleich wurde ich aber auch neugierig und wollte wissen, ob solche Probleme auch auf mich zukommen könnten. Von da an begann für mich ein Albtraum. Mir wurde erklärt, dass zwar meine Eileiter durchgängig sind, ich aber Probleme mit meinem AMH-Wert habe. Dieser Wert geht von einer Skala von 1 bis 10, mein Wert war damals bei 0,4, die Wechseljahre beginnen ab einem Wert von 0,2. Zusätzlich dazu bin ich ein sogenannter Low-Responder. Das bedeutet, dass ich nicht viele Eizellen bilde. Das kann bedingt durch den schlechten AMH-Wert kommen, mit Sicherheit aber auch durch die Endometriose, die jahrelang ihr Unwesen getrieben, Vernarbungen und Verwachsungen an meinem Unterleib hinterlassen hat. Ich gestehe: Im Nachhinein bereue ich meine Neugierde. Auf der einen Seite ist es mein Vorteil, dass ich diese Schockdiagnosen in jungen Jahren erhalten habe. Auf der anderen Seite ist es auch ein enormer Druck, der immer da ist."

"Ich befinde mich seit drei Jahren auf einer emotionalen Achterbahn" - Anna Wilken

"Als ich die Diagnose Endometriose erhielt, war ich knapp ein Jahr mit meinem jetzigen Freund zusammen. Für uns stand immer fest, dass wir Kinder haben wollen. Gerade die Anfangszeit nach meiner Diagnose, war nicht einfach für uns. Ich musste erstmal mit mir selbst klarkommen, hab meinen Partner und meine Familie vergessen und ihnen auch unfaire Sachen an den Kopf geworfen. Irgendwann ist mir aber aufgefallen, dass nichtmal die Ärzte meine Krankheit verstehen, wie also kann ich dann hundertprozentiges Verständnis von meinem Partner verlangen? Rückblickend betrachtet, hat uns diese Zeit als Paar gestärkt."

"Ohne meinen Freund wären die letzten Jahre nur schwer vorstellbar gewesen. 2018, ein Jahr nach der Reha, habe ich mit den künstlichen Befruchtungen angefangen. Von da an begann für mich eine emotionale Achterbahn. 2018 hatte ich drei Kryo-Sammel-Zyklen. Das bedeutet, dass bei mir dreimal in Folge Eizellen gesammelt und eingefroren wurden. Das resultierte 2019 in zwei Embryo-Transfere, die dann mit der ICSI-Methode befruchtet wurden. Dann hatte ich zwei Inseminationen, zuletzt war ich in meiner dritten In-vitro-Fertilisation und dazwischen ganz viele hormone-stimulierte Zyklen. Das sind natürlich nicht nur mentale und physische, sondern auch finanzielle Belastungen. Damals, ganz zu Beginn der künstlichen Befruchtungen, wusste ich rückblickend betrachtet gar nicht genau, wohin mit mir. Ich war mit mir überhaupt nicht im Reinen, habe Akne entwickelt, weil es mir psychisch so schlecht ging. Und zwischenzeitlich hab ich mich schon gefragt, warum ich das alles mache. Zum Beispiel jetzt im Moment habe ich viele Fragezeichen in meinen Kopf, auch wegen den letzten künstlichen Befruchtungen, die alle so scheiße liefen."

Anna Wilken: "Keiner muss diesen Weg allein gehen."

"Ich habe lange Zeit mit mir gerungen, ob ich überhaupt über meine künstlichen Befruchtungen sprechen sollte. Im Januar diesen Jahres habe ich mich dann doch dazu entschieden, die Leute quasi live auf meinen Weg mitzunehmen. Zwischendurch habe ich es manchmal bereut, weil ich leider bemerkt habe, wie schwarz-weiß die Leute denken – tatsächlich leider auch viele Betroffene! Es gibt Frauen, die sich bei mir melden und sagen: 'Du musst das machen und das!' Aber jeder Körper ist individuell. Und außerdem 'muss' ich gar nichts, keine Frau muss das. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich ein neues Buch schreiben wollte. Gemeinsam mit anderen Betroffenen und Expertinnen teile ich Erfahrungen, gebe Tipps und kläre über die Möglichkeiten in der Kinderwunschbehandlung auf. Ich möchte medizinisches Wissen mit persönlichen Erfahrungsberichten vereinen. Vielleicht ist in meinem Buch ja ein Tipp dabei, der irgendjemanden da draußen helfen wird. Vor allem möchte ich aber Mut machen und meine Reichweite nutzen, um andere tolle Frauen zu Wort kommen zu lassen. Wir leiden alle anders, aber niemand muss diesen Weg allein gehen."

Anna Wilken: Die Geschichte hinter ihrem provokanten Buchtitel

"Meine Co-Autorin und ich haben lange Zeit überlegt, wie wir das Buch nennen sollen. Anfangs hatten wir wirklich romantische Titel eruiert – vielleicht sogar zu romantisch. Letztlich haben wir uns dann auf den Titel 'Na, wann ist es denn soweit' geeinigt, da wir auch auf die gesellschaftliche Debatte um ungewollte Kinderlosigkeit aufmerksam machen wollten. Denn viele wissen gar nicht, was sie mit solchen oft unbedachten Fragen auslösen können. Das Schlimme ist: Endometriose oder Unfruchtbarkeit kann man den Betroffenen nicht ansehen. Niemand weiß, ob die Frau, die man gerade unbedacht fragt, wann sie schwanger wird, seit Jahren versucht ein Kind zu bekommen."

Anna Wilken: Das möchte die Ex-GNTM-Kandidatin Betroffenen mit auf den Weg geben

"Ich würde jeder Frau – egal ob sie an Endometriose, Kinderlosigkeit oder beidem leidet – empfehlen, sich zu öffnen und mit anderen zu sprechen. Die Menschen um uns herum können ja nicht hellsehen, sie wissen nicht, wie es tatsächlich in uns aussieht. Deshalb: Überwindet euch, auch wenn es schwerfällt. So lernt man seine Krankheit zu akzeptieren und sich selbst anzunehmen."

Model-Anna-Wilken-im-Interview © PR Model-Anna-Wilken-im-Interview

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