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Der Menschenausführer von Los Angeles

KURIER-Logo KURIER 13.06.2018 Redaktion kurier.at

Das Unternehmen von Chuck McCarthy bietet Fremden Begleitung beim Spaziergang.

Chuck McCarthy geht mit Menschen für Geld spazieren. © APA/AFP/ROBYN BECK Chuck McCarthy geht mit Menschen für Geld spazieren.

Chuck McCarthys Gassi-Geh-Dienst bietet frische Luft, Bewegung und Gesellschaft. An-die-Bäume-Pinkeln ist dagegen ausgeschlossen: McCarthy ist "Menschenausführer". Für 30 Dollar (25,60 Euro) die Stunde begleitet er Fremde auf Spaziergängen durch Los Angeles.

Eigentlich ist McCarthy Schauspieler. Auf der Suche nach einem Nebenjob sah er vor zwei Jahren die Anzeigen von Fitnesstrainern und Hundeausführern. Da er keine Lust hatte, beim Hundeausführen Hauferl aufzusammeln, habe er zu seiner Freundin gesagt: "Vielleicht werde ich einfach Menschenausführer", erzählt er.

Große Nachfrage

Gesagt getan, vor zwei Jahren begann McCarthy sein Unternehmen zunächst als Ein-Mann-Geschäft. Doch die Nachfrage war so groß, dass Kunden auf seiner Website thepeoplewalker.com inzwischen unter 35 Begleiterinnen und Begleitern und zahlreichen Routen für ihren Fußmarsch wählen können.

Offensichtlich trifft der Menschenausführer mit seinem Angebot einen Nerv. "Es ist eigentlich nicht viel anders als zur Beichte, in die Bar, zum Therapeuten oder zum Friseur zu gehen", sagt McCarthy und beschreibt sich selbst als guten Zuhörer. Denn das Wichtigste neben dem Spazierengehen ist das Gespräch.

US-PEOPLE-HEALTH-SOCIETY © APA/AFP/ROBYN BECK US-PEOPLE-HEALTH-SOCIETY

Soziologen beobachten eine zunehmende Vereinzelung in der Gesellschaft, wachsender Individualismus, Arbeit ohne feste Routinen und mangelnde Sozialkontakte tragen dazu bei. Der Austausch über soziale Medien ersetzt vielfach persönliche Begegnungen. Studien zeigen, dass fehlende Sozialkontakte krank machen können. In diesem Umfeld bietet McCarthy menschliche Gesellschaft und Austausch.

Aber nicht alle seine Kunden seien einsame Menschen ohne Freunde und Familie, erzählt der professionelle Spaziergänger: "Ich war auch schon mit Leuten unterwegs, die verheiratet sind, Kinder haben und Dutzende Freunde." Denen gehe es darum, sich ihre Spazierrunde so zu organisieren, wie es ihnen am besten passt.

Positive Effekte

An diesem Tag ist McCarthy mit AnieDee in den Hügeln von Hollywood unterwegs. Die Frau Ende 20 sitzt bei ihrer Arbeit fast den ganzen Tag. Jetzt will sie sich mehr bewegen. "Ich habe ein paar gesundheitliche Probleme, und längere Strecken zu Fuß zu gehen ist sehr schwierig für mich. Aber wenn mich jemand begleitet, gehen wir viel weiter als ich je für möglich hielt", sagt Dee.

US-PEOPLE-HEALTH-SOCIETY © APA/AFP/ROBYN BECK US-PEOPLE-HEALTH-SOCIETY

Sie hat auch noch andere Veränderungen beobachtet, seit sie Spaziergänge mit McCarthy bucht: Ihre Laune ist besser und sie blickt optimistischer in die Zukunft. "Nach einem langen Spaziergang fühle ich mich richtig frisch, das ist sehr schön."

Wie viele Kilometer er in den vergangenen zwei Jahren zu Fuß zurückgelegt hat, weiß McCarthy nicht. Im Moment hat er vier bis fünf Kunden pro Woche, bald wird er vom Spazierengehen leben können. McCarthy plant bereits, sein Geschäft zunächst auf Kalifornien, dann US-weit und irgendwann auf die ganze Welt auszudehnen. Dann könnten auch Menschen in Deutschland sich eines Tages per App Begleitung für einen Spaziergang buchen. (Von FrankieTaggart/AFP)

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