Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Der Daten-Kampf um das Coronavirus: Warum wir so unterschiedliche Zahlen zur Schweiz haben

watson.ch-Logo watson.ch 24.03.2020 Leo Helfenberger

Teaserbild Teaserbild

Es werden täglich neue Zahlen zum Coronavirus in der Schweiz publiziert. Diese unterscheiden sich teilweise doch beträchtlich, je nachdem, woher sie stammen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sprach am Dienstag von etwa 90 Todesfällen. Das Statistische Amt des Kantons Zürich hingegen bezifferte die Anzahl Toter in der Schweiz mit 124 Fällen.

Auch bei der Anzahl Infizierter unterscheiden sich die Zahlen stark. Warum? Eine Erklärung, wie die unterschiedlichen Stellen zu ihren Daten kommen und wie oft diese aktualisiert werden.

Woher stammen die Daten?

Alle positiv getesteten Patienten müssen dem BAG gemeldet werden. Die Ärzte aus den unterschiedlichen Kantonen schicken also ihre Testresultate per Post oder Fax an das Bundesamt. Bald sollen die neuen Zahlen auch per Mail übermittelt werden können. Das bedeutet, dass jede positiv getestete Person in der Schweiz vom BAG erfasst wird.

Zudem veröffentlichen die Kantone in unregelmässigen Abständen selbst Zahlen auf ihren Webseiten. Diese werden von der Fach- und Koordinationsstelle Open Government Data des Statistischen Amtes des Kantons Zürich erfasst und gesammelt. Die Zahlen auf den Kantonswebseiten sind deshalb aktueller, weil sie nicht den ganzen Weg bis ins BAG hinter sich zu bringen brauchen, sondern sogleich publiziert werden können.

Neben dem BAG und dem Kanton Zürich gibt es auch internationale Internetseiten, die die Anzahl Fälle weltweit erfassen. Darunter zum Beispiel Worldometer. Die Daten hier beziehen sich auf unterschiedliche Quellen, wie die Betreiber der Webseite schreiben. Hier werden die Zahlen des BAG verwendet, diese werden aber durch Zahlen aus Medienberichten angereichert.

Grundsätzlich stützen sich also alle Parteien auf die gleichen Zahlen. Die Erklärung für die Unterschiede muss also an einem anderen Ort ihren Ursprung haben.

Wie oft wird aktualisiert?

Das BAG aktualisiert seine Zahlen einmal pro Tag. Beinhaltet sind alle gemeldeten Fälle, die bis am Morgen des aktuellen Tages aus den Kantonen beim BAG eingetroffen sind. Das Statistische Amt des Kantons Zürich aktualisiert seine Daten hingegen drei Mal am Tag. «Wir erneuern und überprüfen die Daten aus den Kantonen jeweils um 8, um 14 und um 20 Uhr», sagt Andreas Amsler vom Statistischen Amt des Kantons Zürich.

Und hier liegt der Grund für den Unterschied. Ein Beispiel:

Und dies gilt eben nicht nur für das Tessin, sondern für alle 26 Kantone und das Fürstentum Liechtenstein. Im Report des BAG mischen sich also aktuelle Zahlen und Zahlen von vor mehreren Tagen.

Fazit

Alle Daten stammen von der gleichen Quelle – den offiziellen Stellen der Kantone. Der Weg, den sie bis zur Publikation zurücklegen müssen, ist aber unterschiedlich lang. Die Zahlen des BAG sind deshalb tiefer, weil sie sich teilweise auf den Stand vor ein oder zwei Tagen stützen. Wie gross diese Verzögerung tatsächlich ist, werde gerade analysiert, sagte Patrick Mathys vom BAG an der Pressekonferenz am Dienstag.

Experten des Bundes stellten sich am Dienstag erneut den Fragen der Journalisten. © ANTHONY ANEX/keystone-sda.ch Experten des Bundes stellten sich am Dienstag erneut den Fragen der Journalisten.

«Grundsätzlich brauchen Experten und Medien möglichst aktuelle Daten, um die Situation besser einschätzen zu können», sagt Amsler. Deshalb habe das Statistische Amt bereits Kontakte mit anderen Kantonen geknüpft. Denkbar wäre, dass dadurch neue Zahlen aus der ganzen Schweiz direkt aktualisiert und somit noch zeitnaher publiziert werden können.

Das BAG arbeitet ebenfalls daran, den Weg der Daten zur Publikation zu verkürzen, versicherte Mathys am Dienstag. Es ist sogar möglich, dass das BAG dafür in Zukunft auf die Arbeit von Andreas Amsler und seinen Kollegen zurückgreift.

Aktuelle Informationen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG)

Hotline: +41 58 463 00 00, täglich 24 Stunden

(leo)

SVP-Politiker Christoph Blocher übt heftige Kritik an Bundesrat Alain Berset und dem Bundesamt für Gesundheit. Nächste Geschichte

"Dass Masken nicht schützen, war Notlüge"

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von watson.ch

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon