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«Am gerechtesten wäre die Todesstrafe»

20 Minuten-Logo 20 Minuten 11.07.2019

Louisa Vesterager Jespersen und Maren Ueland wurden Ende 2018 in Marokko ermordet. Die Mutter von Jespersen meldet sich nun vor Gericht mit einem Brief zu Wort.

Im Prozess um die mutmasslich islamistisch motivierte Ermordung zweier skandinavischer Rucksack-Touristinnen in Marokko hat die Mutter eines der Opfer die Todesstrafe für die Täter gefordert. «Am gerechtesten wäre es, gegen diese Bestien die Todesstrafe zu verhängen, die sie verdienen», erklärte die Dänin Helle Petersen in einem von ihrem Anwalt vor dem Gericht in Salé am Donnerstag verlesenen Brief. Am 18. Juli soll eine abschliessende Anhörung stattfinden.

Petersen ist die Mutter der getöteten dänischen Studentin Luisa Vesterager Jespersen. Die 24-jährige Jespersen und ihre vier Jahre ältere norwegische Freundin Maren Ueland waren im Dezember beim Zelten im Atlas-Gebirge brutal ermordet worden.

Video zeigt Enthauptung von einem der beiden Opfer

In einem nach dem Mord verbreiteten Video hatten die mutmasslichen Täter dem Anführer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue geschworen. Ein weiteres Video zeigte die Enthauptung eines der beiden Opfer.

Vor dem Anti-Terror-Gericht in Salé sind insgesamt 24 Verdächtige aus der radikalislamischen Szene angeklagt. Die drei Hauptverdächtigen haben den Mord an den jungen Frauen gestanden.

Auch die Staatsanwaltschaft hat die Todesstrafe für den 25-jährigen mutmasslichen Anführer des Dschihadistennetzwerks, Abdessamad Ejjoud und seine Komplizen, den 33-jährigen Rachid Afatti und den 27-jährigen Younes Ouaziyad gefordert.

Teilnahmslos Brief der Mutter vernommen

«Mein Leben wurde in dem Moment zerstört, als am 17. Dezember zwei Polizisten an meine Tür kamen, um mir mitzuteilen, dass meine Tochter tot ist», schrieb Petersen in ihrem Brief. Während der Anwalt das Schreiben vorlas, herrschte im Gerichtssaal völlige Stille. Die Gesichter der Angeklagten blieben teilnahmslos.

Die Verteidiger der drei Hauptverdächtigen wollen nach eigenen Angaben mildernde Umstände geltend machen. «Die Angeklagten sind Opfer der sozialen Verhältnisse, aus denen sie stammen, ihrer Armut und ihres Analphabetismus'», sagte die Anwältin Hafida Mekessaoui. Auch ihr «psychisches Ungleichgewicht» sollte als mildernder Umstand anerkannt werden.

Alle ausser den drei Hauptangeklagten hatten sich während des Prozesses als IS-Anhänger bezeichnet. Für sie forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von mindestens 15 Jahren. Für Abderrahim Khayali plädierte sie auf lebenslange Haft.

Der 33-jährige Sanitär hatte die drei Hauptverdächtigen begleitet, den Tatort aber kurz vor den Morden verlassen.

Für einen schweizerisch-spanischen Doppelbürger forderte die Staatsanwaltschaft 20 Jahre Haft. Dieser ist zum Islam konvertiert. Er soll den Haupttätern beigebracht haben, wie sie verschlüsselte Nachrichten verschicken und Waffen benutzen. (sda)

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