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«Ihre Hoheit – katastrophal für mich und für Ihre Regierung»

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung vor 5 Tagen Manfred Rist, Singapur

Telefongespräche des früheren malaysischen Premierministers Najib Razak wurden abgehört und aufgezeichnet. Sie zeigen, wie der damalige Regierungschef versuchte, den Korruptionsfall um den Staatsfonds 1MDB zu vertuschen.

Najib Razak, ;der ehemalige Premierminister Malaysias, wusste wohl mehr über den Korruptionsfall um den Staatsfonds 1MDB, als er bisher zugegeben hat. Olivia Harris ;/ Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Najib Razak, ;der ehemalige Premierminister Malaysias, wusste wohl mehr über den Korruptionsfall um den Staatsfonds 1MDB, als er bisher zugegeben hat. Olivia Harris ;/ Reuters

Die Enthüllungen der amerikanischen Justiz, wonach in Malaysia ein riesiger Korruptionsfall vertuscht werde, haben am 23. Juli 2016 dem damaligen Premierminister Najib Razak offenbar den Schlaf geraubt: Um 2 Uhr morgens rief er aus seiner Residenz in Kuala Lumpur den Herrscher von Abu Dhabi an, Kronprinz Mohammed Zayed. «Your Highness, es gibt da ein kleines Problem mit meinem Sohn», meinte Najib in unterwürfigem Ton.

Vertuschung von Geldwäsche

Es ging um eine fiktive Transaktion: Ob das Herrscherhaus mit einem Schreiben nicht bestätigen könne, dass Abu Dhabis Regierung seinem Sohn Riza ein Darlehen (von 150 Mio. $) gewährt habe? Dann nämlich sei der Vorwurf (der US-Ermittler), wonach Riza Geld aus dem Staatsfonds 1MDB zweckentfremdet und in den USA investiert und gewaschen habe, vom Tisch. Damit, so Najib wörtlich, könne man zeigen, dass es sich nicht um Geldwäsche handle.

Das «kleine Problem», das Najib damals ansprach, betraf die Produktion des Kassenschlagers «Wolf of Wall Street», den sein Sohn in Hollywood mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle produziert hatte. Das weitaus grössere Problem, mit dem Najib und Riza in diesen Tagen konfrontiert sind, besteht darin, dass dieses nächtliche Telefongespräch mit dem De-facto-Staats- und Regierungschef der Emirate im Geheimen mitgeschnitten und jetzt publik gemacht wurde. Für die Verteidigung des heute in Kuala Lumpur wegen Korruption und Machtmissbrauchs angeklagten Najib ist das Protokoll verheerend.

Antikorruptionsbehörde geht an die Öffentlichkeit

Von wem die Aufnahmen seinerzeit erstellt worden sind, ist nicht bekannt. Wer die Aufzeichnungen kürzlich der malaysischen Antikorruptionsbehörde (MACC) zugespielt hat, ist bisher auch nicht publik geworden. War es der Geheimdienst oder eine fremde Macht? Ist deren Verwendung im juristischen Verfahren gegen Najib legitim? Für Latheefa Koya, die Chefin der Antikorruptionsbehörde, ist klar, dass hier hohe nationale Interessen auf dem Spiel stehen. Diese seien höher einzustufen als der Schutz der Privatsphäre. Es handle sich um eine kriminelle Konspiration auf höchster staatlicher Ebene, meinte sie als Begründung.

Mit der Veröffentlichung von insgesamt neun Sequenzen, in denen der frühere malaysische Regierungschef den Scheich am Golf zur Mithilfe bei der Vertuschung des Milliardenskandals ersucht, wird die 1MDB-Saga um eine nicht unwesentliche Episode reicher. Sie zeigt, dass Najib verzweifelt versuchte, andere Regierungen bei der Vertuschung des Skandals einzuspannen: «Your Highness, this is very bad, very serious, it could lead to something very unforeseen and catastrophic, for me and your government, and also for you.» Najibs Behauptungen, wonach er von den 1MDB-Betrügereien keine Ahnung gehabt habe, wirken damit unglaubwürdiger denn je.

Bis heute streitet Najib bekanntlich sowohl Fehlverhalten als auch Mitwisserschaft und persönliche Bereicherung im grössten asiatischen Korruptionsfall ab. Der Wortlaut des Gesprächs deutet allerdings darauf hin, dass er sehr wohl über den Missbrauch im Bild war – und dass er schon damals ahnte, was ihm politisch und juristisch blühen könnte. 

Fluchtgefahr grösser denn je

Aus den Konversationen geht nicht eindeutig hervor, ob die Spitze des Herrscherhauses in Abu Dhabi direkt in den Skandal verwickelt ist. Der Staatsfonds der Emirate, die International Petroleum Investment Company (Ipic), war aber auf jeden Fall tangiert, als über dessen Tochtergesellschaften 1MDB-Investitionen abgewickelt wurden. Najibs Ansinnen, Kronprinz Mohammed Zayed schon am nächsten Tag im Geheimen unter vier Augen zu treffen, lehnt dieser in dem aufgezeichneten Gespräch ab. Er verweist Najib stattdessen an seinen Bruder, Scheich Mansour, den Vorsitzenden von Ipic. Der Online-Nachrichtenquelle «Sarawak Report» ist in diesem Zusammenhang zu entnehmen, dass Mansours luxuriöser Lebensstil unter anderem mit 1MDB-Geldern finanziert wurde.

Politisch ist Najib Razak längst erledigt. Im Mai 2018 erlitt er unter dem Druck der 1MDB-Enthüllungen bei den nationalen Wahlen eine verheerende Niederlage. In der Zwischenzeit wird gegen Najib in über vierzig Anklagepunkten ermittelt. Dass er gegen Kaution dennoch auf freiem Fuss bleibt, stösst in Malaysia zunehmend auf Unverständnis, nach diesen neuerlichen Aufdeckungen erst recht. Einen ersten Fluchtversuch hatte Najib unmittelbar nach der Wahlniederlage unternommen. Das Risiko, dass Najib sich à la Carlos Ghosn absetzt, ist nach den jüngsten Enthüllungen grösser denn je.

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