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Die Kriegsmaschinen sind da

BZ Berner Zeitung-Logo BZ Berner Zeitung vor 3 Tagen Jan Dirk Hebermann
Die Kriegsmaschinen sind da © (Berner Zeitung) Die Kriegsmaschinen sind da

Killerroboter töten Menschen für andere Menschen. Ein internationales Verbot steht nicht zur Debatte. Seit Montag beraten Re­gierungsvertreter bei der UNO über die neuen Waffen.

An der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea hat die Kriegsführung der Zukunft begonnen. Killer­roboter bewachen im Auftrag Südkoreas den Todesstreifen zwischen den verfeindeten Staaten. Konstruiert wurden die Maschinen von Samsung: Die Apparate beobachten Gebiete, identifizieren Eindringlinge und können das Feuer eröffnen. Alles automatisch – alles autonom. Menschen spielen bei der Entscheidung über Leben und Tod keine Rolle.

Schon bald könnten Roboter, die selbstständig kämpfen und töten, auch in anderen Konfliktsituationen eingreifen – und die gesamte Kriegsführung revolutionieren. Das jedenfalls befürchten Experten wie die Abrüstungschefin der Vereinten Nationen, Izumi Nakamitsu: «Es besteht die reale Gefahr, dass die technologische Innovation der zivilen Kontrolle entgleitet.» Der Missbrauch der künstlichen Intelligenz habe «potenziell katastrophale Kon­sequenzen».

Keine rechtliche Regelung

Die Entwicklung von Killerrobotern stosse bislang an keine völkerrechtliche Grenze, erläutert Amandeep Gill, Botschafter Indiens für Abrüstung bei den Vereinten Nationen. Gill leitet die diese Woche stattfindende UN-Konferenz von Regierungsexperten in Genf. Ihr Auftrag: Sie sollen die militärischen und ethischen Dimensionen der «tödlichen autonomen Waffensysteme» ausloten. Doch eine Empfehlung an die Staatengemeinschaft, mit Verhandlungen über ein Verbot der Kriegsroboter zu beginnen, steht nicht zur Debatte.

Bisher verlangen nur neunzehn Länder die globale Ächtung der Kriegsmaschinen. Hinzu kommen Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, die fordern: «Maschinen dürfen nicht über Leben und Tod von Menschen entscheiden.»

Hinter den Kulissen bremsen genau die Länder, die bei der Verschmelzung von künstlicher Intelligenz und Kriegsgeräten weit gekommen sind: die USA, Grossbritannien, China, Israel, Russland und Südkorea. Experten warnen vor einem unkontrollierten Wettrüsten bei den Tötungsmaschinen. Hundert Fachleute warnten jüngst in einem offenen Brief: Falls die neuen Waffen in die Hände von «Despoten und Terroristen» fielen, wäre der totale Schrecken vorprogrammiert.

Die Roboter werden fest ver­ankert auf Kriegsschiffen, an Grenzen oder zum Schutz wich­tiger militärischer oder ziviler Einrichtungen genutzt. Aber auch mobile Systeme, die ihren «Marschbefehl» im Extremfall von anderen Robotern erhalten. Einen Sonderfall stellen Drohnen dar. Diese gelten erst, wenn sie autonom agieren, als Killer­roboter.

Keine Unterscheidung

Bonnie Docherty, Waffenexpertin bei Human Rights Watch, betont vor allem die fehlende Fähigkeit von Killerrobotern, «zwischen Soldaten und Zivilisten» zu unterscheiden. Sie könnten auch nicht erkennen, ob Soldaten verletzt sind oder nicht. Zivilisten und kampfunfähige Soldaten geniessen aber den besonderen Schutz des Völkerrechts. Ebenfalls dürfte es den Maschinen schwerfallen, die Verhältnismässigkeit von Angriffen oder Gegenangriffen richtig einzuschätzen.

Die Folge davon wäre eine Gewalteskalation. Zudem würden die Apparate so eingestellt, dass sie in aussichtslosen Lagen immer weiter kämpften. In einem Bericht der UN von 2013 heisst es bereits: Die «nimmermüden Kriegsmaschinen» könnten Konflikte zu Endloskriegen ausarten lassen.

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