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DIE NEUSTEN ENTWICKLUNGEN - Coronavirus weltweit: Auffrischungsimpfung von Johnson & Johnson vor Zulassung in den USA, 43 000 Briten erhielten möglicherweise falsche Testresultate

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung vor 4 Tagen NZZ-Redaktion

Über 239 Millionen Menschen sind laut der Johns-Hopkins-Universität weltweit positiv auf das Virus getestet worden. Mehr als 4,8 Millionen Infizierte sind gestorben. Rund 6,5 Milliarden Impfdosen wurden weltweit verabreicht.

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA will bald entscheiden, ob sie Auffrischungsimpfungen der Hersteller Moderna- und Johnson-&-Johnson empfiehlt. David W Cerny / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA will bald entscheiden, ob sie Auffrischungsimpfungen der Hersteller Moderna- und Johnson-&-Johnson empfiehlt. David W Cerny / Reuters

Die neusten Entwicklungen

    Ein Expertengremium der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA spricht sich auch für Corona-Auffrischungsimpfungen nach der Impfung mit dem Johnson & Johnson Vakzin aus. Mit Johnson & Johnson geimpfte Menschen sollten mindestens zwei Monate nach ihrer bisherigen Impfdosis eine Auffrischungsimpfung bekommen können, entschied das Gremium am Freitag (15. 10.). Die Empfehlungen des Gremiums sind nicht bindend, typischerweise folgt die FDA ihnen aber. In diesem Fall soll auch noch geprüft werden, ob mit Johnson & Johnson geimpfte Menschen möglicherweise eine Auffrischungsimpfung mit Biontech/Pfizer oder Moderna bekommen könnten. Zuvor hatte das Gremium bereits Auffrischungsimpfungen für ältere Menschen und Risikogruppen mit den Mitteln von Biontech/Pfizer und Moderna empfohlen. Die Auffrischungen mit dem Mittel von Biontech/Pfizer sind in den USA auch schon offiziell genehmigt und angelaufen.

    Die USA heben die Reisebeschränkungen für vollständig geimpfte ausländische Staatsangehörige ab dem 8. November an den Landgrenzen und für Flugreisen auf. Das sagte ein Beamter des Weissen Hauses am Freitag (15. 10). Wer mit dem Flugzeug einreist, muss vor dem Einsteigen einen Impfnachweis und einen kürzlich durchgeführten negativen COVID-19-Test vorweisen. Bei anderen Einreisen ist der negative Test nicht notwendig.

    Rund 43 000 Personen in England könnten wegen eines Laborfehlers versehentlich zu Unrecht negative Corona-Test-Ergebnisse erhalten haben. Die Gesundheitsbehörde Health Security Agency teilte am Freitag (15. 10.) mit, dass die Untersuchungen in einem Labor in der Stadt Wolverhampton ausgesetzt worden seien. Insgesamt seien dort rund 400 000 Tests ausgewertet worden. «Die grosse Mehrheit davon werden negative Ergebnisse gewesen sein, aber schätzungsweise 43 000 Menschen könnten zwischen dem 8. September und 12. Oktober ein falsches negatives PCR-Testergebnis erhalten haben, hauptsächlich im Südwesten Englands», betonte die Behörde. Sie leitete eine Untersuchung ein.

    In Italien müssen von diesem Freitag (15. 10.) an alle Beschäftigten in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Bereich belegen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Nur dann dürfen sie mit einem sogenannten «grünen Pass» in ihren Büros, Fabriken, Geschäften, öffentlichen Einrichtungen oder im Dienstleistungsgewerbe arbeiten. Rund 23 Millionen Beschäftigte sind von dem Gesetzesdekret betroffen. Ansteckungen bei der Arbeit und Kollektiv-Quarantäne sollen so vermieden werden. Wer keinen Pass hat, muss daheimbleiben und bekommt in Abwesenheit kein Gehalt mehr. 85 Prozent der Italiener über zwölf Jahren sind mindestens einmal geimpft. Ministerpräsident Mario Draghi will mit seinem Dekret erreichen, dass sich auch die letzten Zauderer impfen lassen. Impfskeptiker wollen heute als Protest die Häfen des Landes lahmlegen. Die wichtigsten Antworten

Die Entwicklungen in der Schweiz finden Sie hier.

Die Lage in Europa

Seit Mitte August bleibt die Zahl der Neuinfektionen in Europa etwa konstant, jedoch steigen die Todesraten. Die meisten Fälle gehen auf die Delta-Variante zurück. Zahlreiche europäische Länder haben im Laufe des Sommers die Einschränkungen für die Bevölkerungen wieder gelockert. Die Impfaktionen der Regierungen schreiten voran, wobei Portugal, Spanien und Dänemark weit vorne liegen, Länder wie die Schweiz, vor allem aber Rumänien und Bulgarien, weit hinten.

Harte Lockdowns und Ausgangssperren gibt es zurzeit keine mehr. Restaurants und Hotels, Theater und Kinos sind grösstenteils wieder geöffnet. Auch Sportstätten und Fitnessstudios dürfen unter Auflagen wieder Kunden empfangen. Das Nachtleben wird unterschiedlich gehandhabt, viele Länder haben auch Diskotheken wieder geöffnet. Der Zugang bleibt aber meist Getesteten, Genesenen oder Geimpften vorbehalten. Ferien in beliebten Destinationen sind möglich. Dänemark, Norwegen und Schweden haben inzwischen fast alle Beschränkungen und Massnahmen aufgehoben. Je nach Land gelten andere Bestimmungen (Testnachweis, Gesundheitspass usw.). Hier geht es zur Übersicht.

In Deutschland ist nicht mehr die Zahl der Neuinfektionen, sondern die Hospitalisierungs-Inzidenz das zentrale Kriterium für Schutzmassnahmen. Die Bundesländer können eigenständig über Massnahmen entscheiden. Bund und Länder haben sich auf eine 3-G-Regel geeinigt: Zugang zu Restaurants, Veranstaltungen oder Spitälern haben nur Geimpfte, Genesene und Getestete. Immer mehr Bundesländer führen zudem eine optionale 2-G-Regel ein: Unternehmen und private Veranstalter dürfen demnach selbst entscheiden, ob sie nur noch Geimpften und Genesenen Zutritt gewähren.

Genaueres zur Situation in Deutschland erfahren Sie hier.

Italien hatte am 22. Juli angesichts steigender Infektionszahlen die Corona-Regeln verschärft. Seit dem 6. August ist unter anderem für Restaurantbesuche im Innenbereich, in Museen, Fitnessstudios und Schwimmbädern mindestens ein Impfnachweis, ein negativer Corona-Test oder ein Genesungsnachweis notwendig. Der Notstand wurde bis zum 31. Dezember verlängert. Statt der Inzidenz wird künftig die Auslastung der Spitalbetten auf den Covid-19-Stationen sowie auf den Intensivstationen der entscheidende Parameter sein.

Spanien und Portugal hatten lange mit hohen Corona-Zahlen, strikten Lockdowns und einer Überlastung des Gesundheitswesens zu kämpfen. Doch nun verzeichnen die einstigen Sorgenkinder neben den Vereinigten Arabischen Emiraten die höchste Impfquote weltweit. Rund 85 Prozent der Portugiesen und etwa 78 Prozent der Spanier sind bereits vollständig geimpft (Stand 8. 10.). Eine überwältigende Mehrheit in beiden Ländern hält die Impfungen für sicher.

In Frankreich musste sich bis zum 15. September das gesamte Gesundheits- und Pflegepersonal gegen Covid-19 impfen lassen. Seit Wochen protestieren Hunderttausende in mehreren Städten gegen die Impfpflicht. Die Zahl der Teilnehmer an den Demonstrationen sank jedoch zuletzt. Die Regierung will auch nach Mitte November die – momentan zeitlich begrenzte – Zertifikatspflicht beibehalten können. Derzeit ist etwa der Besuch von Restaurants und Museen oder die Fahrt im Fernzug nur mit 3-G-Zertifikat möglich. Corona-Tests sollen ab Mitte Oktober ausserdem kostenpflichtig sein.

Im Vereinigten Königreich werden die Corona-Massnahmen schrittweise aufgehoben, mit Ausnahme weniger Hygieneregeln. Die Regierung setzt verstärkt auf nicht bindende Empfehlungen an die Bevölkerung. Seit Mitte September steigen die Fallzahlen jedoch wieder. Vollständig geimpft sind mittlerweile 67 Prozent der Erwachsenen.

Die Lage in Nordeuropa

Dänemark hat am 10. September alle Einschränkungen des öffentlichen Lebens abgeschafft und damit die Pandemie für beendet erklärt. Auch Schweden hat die meisten Beschränkungen aufgehoben. Dies, weil die Impfkampagne als sehr erfolgreich gilt. In Finnland möchte man im Oktober nachziehen. Auch Norwegen hat wegen der hohen Impfquote Ende September fast alle Beschränkungen fallenlassen.

Die Lage in Russland und Osteuropa

Auch in Polen und Tschechien ist das soziale, sportliche und kulturelle Leben in den Innenräumen wieder möglich. Der tschechischen Regierung bereitet allerdings die Ausbreitung der Delta-Variante Sorgen. Das Land hat deshalb im Juli die Einreiseregeln verschärft.

In einigen osteuropäischen Ländern ist die Impfbereitschaft sehr gering, in Bulgarien wollen sich laut einer Befragung überhaupt nur 33 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. In Russland hält die Impfquote auch nicht Schritt, die Skepsis bei den Menschen ist gross, obwohl dort bereits Mitte August 2020 der weltweit erste Corona-Impfstoff zugelassen wurde: Sputnik V. In Russland schiessen die Raten der Ansteckungen mit der Delta-Variante in die Höhe. Angesichts der Situation hat die Hauptstadt Moskau die Corona-Einschränkungen wieder verschärft, etwa für Veranstaltungen.

Die Lage in Südosteuropa

In Griechenland können Geimpfte, Getestete und Genesene ohne Quarantäne einreisen. Seit Mitte August werden Mitarbeiter in griechischen Altersheimen suspendiert, wenn sie sich nicht impfen lassen wollen. Seit dem 1. September gilt zudem eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal. Daneben müssen Ungeimpfte seit Mitte September ihre Tests selbst bezahlen. Auch dürfen sie nicht mehr in Innenräume von Tavernen, Theatern, Fussballstadien und anderen Einrichtungen. Der Arbeitgeber darf den Impfstatus erfragen. Seit Wochen kommt es in vielen Städten des Landes zu Protesten gegen die Massnahmen und die De-facto-Impfpflicht.

Grosse Impfskepsis und Verschwörungstheorien sind auch in Südosteuropa verbreitet, weswegen der Bevölkerung in Serbien sogar Geld angeboten wurde, wenn sie sich impfen lässt.

Die Lage in den USA und in Kanada

Die USA sind das Land mit den weltweit meisten bestätigten Coronavirus-Fällen. Auch hier breitet sich derzeit vor allem die Delta-Variante wieder aus. Bis anhin sind 57 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand 12. 10.). 68 Prozent aller Erwachsenen sind vollständig geimpft. Im täglichen Leben herrscht weitgehend Normalität: Mitte Mai wurde die Maskentragpflicht in der Öffentlichkeit für vollständig Geimpfte mit wenigen Ausnahmen aufgehoben. Masken bleiben aber im Reiseverkehr und in speziellen Einrichtungen – beispielsweise Spitälern, Pflegeheimen oder Gefängnissen – Vorschrift. Wer direkt oder indirekt für die Bundesregierung arbeitetet, muss sich impfen lassen. Unternehmen, die 100 oder mehr Angestellte haben, müssen ebenfalls einen Impfzwang einführen oder ihre Belegschaft mindestens einmal in der Woche auf das Coronavirus testen. Die seit Monaten geltenden Einreisebeschränkungen sollen im November zumindest für diejenigen Personen fallen, die vollständig geimpft sind.

Kanada lässt seit dem 7. September wieder ausländische Touristen einreisen, allerdings nur Geimpfte. Je nach Region ist das Tragen einer Maske in öffentlichen Innenräumen und Verkehrsmitteln Pflicht.

Die amerikanische FDA lässt eine dritte Biontech/Pfizer-Impfung für gefährdete Personen zu. ; Marcelo Del Pozo / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Die amerikanische FDA lässt eine dritte Biontech/Pfizer-Impfung für gefährdete Personen zu. ; Marcelo Del Pozo / Reuters

Die Lage in Mittel- und Südamerika

Einige Länder in Mittel- und Südamerika wurden von der Pandemie stark getroffen. Vielerorts kamen das Gesundheitswesen und insbesondere die Intensivstationen an ihr Limit, so etwa in Chile und Brasilien. In Brasilien ist die Zahl der Neuinfektionen zuletzt leicht zurückgegangen, das Land hat mit verschiedenen Mutationen des Virus zu kämpfen.

Die Lage in Asien, Australien und Ozeanien

China ist das Ursprungsland der Pandemie. Mit rigorosen Massnahmen hatte es das Virus für lange Zeit unter Kontrolle bekommen – wie viele andere asiatische Länder auch. Mittlerweile sind über eine Milliarde Menschen in China vollständig geimpft (Stand 13. 10.). Sobald in einer Region steigende Neuinfektionen verzeichnet werden, ergreift die Regierung rigorose Massnahmen zur Eindämmung.

Südkorea hatte die Pandemie trotz gelegentlichen Ausbrüchen lange Zeit gut unter Kontrolle und musste nie einen landesweiten Lockdown durchführen. Doch sieht sich das Land mittlerweile einer vierten Infektionswelle ausgesetzt. Bei den Impfungen kommen viele Länder in diesen Regionen nur schleppend voran, zum Beispiel Taiwan, auch weil der Zugang erschwert ist. Auch die Regierung Japans steht wegen der schleppenden Impfungen in der Kritik.

Indien ist stark von der Pandemie betroffen. Lange waren die Spitäler völlig überlastet, der medizinische Sauerstoff ging aus. Einige Länder – darunter die Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und die USA – lieferten Beatmungsgeräte und Sauerstoff an den Subkontinent. Verantwortlich für den Anstieg seit Mitte April war eine neue Mutation, die als «Doppelmutation» bezeichnet wird. Inzwischen ist die Zahl der Ansteckungen wieder deutlich gesunken.

Neuseeland und Australien hatten das Virus durch strenge Massnahmen zunächst weitgehend in den Griff bekommen. In Australien werden auch bei wenigen Fällen Gebiete oder Städte tage- oder wochenweise abgeriegelt, was etwa in Sydney und dem dazugehörenden Gliedstaat New South Wales (NSW) der Fall ist. Ende September kündigten die Behörden von NSW Öffnungen für Geimpfte an. Die Massnahmen sollen vom 11. Oktober bis zum 1. Dezember schrittweise aufgehoben werden, sobald die Impfquoten 70, 80 und 90 Prozent erreicht werden. Im Gliedstaat Victoria steigen trotz einem seit fast zwei Monaten geltenden Lockdown die Corona-Zahlen (Stand 8. 10.). Nachdem 80 Prozent der Bevölkerung mittlerweile zumindest eine erste Impfdosis erhalten haben, wurden die Regeln vergangene Woche dennoch leicht gelockert. Für Touristen aus dem Ausland bleiben die Grenzen bis mindestens Mitte 2022 geschlossen.

Das Nachbarland Neuseeland hat lange eine Null-Covid-Strategie verfolgt, so dass die Menschen weitgehend normal leben konnten – monatelang auch ohne obligatorische Masken. Anfang Oktober kündigte die Regierung jedoch an, diese aufgeben zu wollen. Das Umdenken ist auf die ansteckende Delta-Variante zurückzuführen. Selbst der Lockdown, der Mitte August landesweit eingeführt wurde und als einer der strengsten weltweit galt, war nicht ausreichend dafür, den Ausbruch im Keim zu ersticken. Neben dem öffentlichen Druck, den die Regierung in den vergangenen Wochen zunehmend spürte, tragen auch die Impfungen dazu bei, dass die Zero-Covid-Strategie aufgegeben werden kann.

Die Lage im Nahen und im Mittleren Osten

Die Unterschiede zwischen den Ländern in diesen Regionen ist gross. Bahrain und Israel impfen ihre Bevölkerungen effizient. In Israel sind rund 63 Prozent der Einwohner (Stand 8. 10.) zweimal gegen Sars-CoV-2 geimpft worden. Wegen der steigenden Zahl der Neuinfektionen steigt nun auch wieder die Zahl der Impfwilligen. Dennoch verhängt Israel wieder Beschränkungen. So müssen seit Ende Juni wieder in allen Innenräumen Masken getragen werden. Zudem ist seit Mitte August für fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens der «Grüne Pass» nötig, mit dem sich Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete ausweisen müssen. Lehrerinnen und Lehrer ohne «Grünen Pass» werden ab 3. Oktober beurlaubt. Weil die Effektivität der Biontech/Pfizer-Impfung nachgelassen hat, empfiehlt das Gesundheitsministerium eine Auffrischungsimpfung für Erwachsene – allen voran den über 60-Jährigen.

Wegen der Delta-Variante sind in vielen Städten in Iran die Notaufnahmen mit neuen Corona-Patienten überfüllt. Mitte August war die Zahl der Neuinfektionen und der Corona-Toten in Iran so hoch wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Seither sinken die Zahlen zwar wieder, doch auch die Impfkampagne für die mehr als 83 Millionen Iraner kommt wegen der Wirtschaftskrise nur schleppend voran. Bisher wurden lediglich rund 19 Prozent der Iraner doppelt geimpft (Stand 8. 10.).

Die Lage auf dem afrikanischen Kontinent

Auch wenn es nach Ansicht von Experten eine Dunkelziffer gibt, ist der gesamte afrikanische Kontinent im globalen Vergleich bis jetzt am wenigsten von der Pandemie betroffen. Die Delta-Variante des Coronavirus lässt die Fallzahlen in Afrika nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation aber rapide steigen.

Den vergleichsweise stärksten Ausbruch von Corona-Infektionen verzeichnete lange Südafrika. Auch hier verbreiten sich vor allem Mutationen. Wegen der hohen Fallzahlen und der niedrigen Impfquote wurden die strikten Corona-Massnahmen im Juli erneut verlängert. Mittlerweile gehen die Fallzahlen zurück, Ende September setzte die Regierung die Massnahmen auf das niedrigste Level. Allerdings sind weiterhin erst rund 16 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft (Stand 8. 10.).

Verschiedene Länder in Afrika setzen im Kampf gegen das Coronavirus seit Mitte Mai auch bis zu 300 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V ein. Der Kontinent liegt bei den Impfungen weit zurück und kann sein Ziel, 60 Prozent der Bevölkerung zu impfen, voraussichtlich erst 2022 erreichen. Bis jetzt sind nur 4,4 Prozent der Bevölkerung des Kontinents vollständig immunisiert (Stand 8. 10.). Die WHO hatte als Ziel vorgegeben, bis Ende September 10 Prozent der Bevölkerung zu impfen. Nur 15 von 54 afrikanischen Ländern konnten dieses Ziel erreichen. Von den benötigten 720 Millionen Dosen sind erst 200 Millionen in Afrika angekommen (Stand 8. 10.).

Mittlerweile haben alle Staaten Impfaktionen gestartet – ausser Eritrea und Burundi. Die höchsten Impfraten verzeichnen derzeit die Seychellen (73 Prozent), Mauritius (63 Prozent) und Marokko (53 Prozent).

Allerdings ist die Impfskepsis auf dem Kontinent mit rund 1,3 Milliarden Menschen gross. Viele sind gegen die Impfung: Bei einer Umfrage der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC) in 15 afrikanischen Ländern im Februar sagten durchschnittlich 20 Prozent der Befragten, sie würden die Spritze verweigern. Laut Gilson Paluku, dem Beauftragten für Routineimpfungen und Einführung neuer Impfstoffe der WHO in Afrika, könnte das weltweit schwerwiegende Folgen haben. Solange die Nachfrage nach Impfungen nicht steige, werde sich das Virus weiter ausbreiten und zu vielen neuen Varianten mutieren.

Wie schreitet die weltweite Impfaktion voran?

Das erste Land, das einen Impfstoff zugelassen hat, war Russland. Noch vor Abschluss der üblichen klinischen Tests wurde am 11. August 2020 das Vakzin Sputnik V für Impfungen freigegeben. Insgesamt forschen rund 300 Institute an diversen Corona-Impfstoffen. Bereits in einzelnen Ländern Zulassungen erhalten haben rund zehn Impfstoffe. Anfang Dezember 2020 haben einige Länder wie Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate den Impfstoff des chinesischen Unternehmens Sinopharm zugelassen. In China selbst erhielt das Vakzin die Zulassung am 30. Dezember 2020.

In der Europäischen Union und der Schweiz wurde Mitte Dezember der erste Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zugelassen, das Vakzin der deutschen und amerikanischen Biotech- und Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer. Im Januar wurde in den meisten EU-Staaten und der Schweiz mit dem Impfen begonnen. In der EU sind mittlerweile vier Vakzine zugelassen, nämlich die Impfstoffe von Pfizer/Biontech, Moderna, Johnson & Johnson und AstraZeneca. Einige europäische Länder warten auf mehr Daten zur Wirksamkeit von AstraZeneca unter älteren Personen, darunter auch die Schweiz. Der Impfstoff geriet in Verruf, weil als Nebenwirkungen einige Fälle von Blutgerinnseln und Herzmuskelentzündungen gemeldet wurden. In der Schweiz sind drei Impfstoffe zugelassen: Pfizer/Biontech, Moderna und Johnson & Johnson. Die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna sind sowohl in der EU wie auch in der Schweiz auch für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen.

Die grosse Impfaktion gegen das Coronavirus ist im Dezember angelaufen. Inzwischen wurden weltweit schon über 6 Milliarden Impfdosen verabreicht (Stand 8. 10.). Die meisten Impfstoffe benötigen zwei Injektionen. Künftig könnten regelmässige Auffrischungen nötig werden.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Corona-Impfung finden Sie hier.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Pandemie?

Die Corona-Pandemie hat einen Wirtschaftseinbruch ausgelöst, dessen langfristige Folgen mindestens so stark sein dürften wie diejenigen der Finanzkrise von 2007/2008. Sie hat über Monate das Wirtschaftsleben zeitweise fast zum Erliegen gebracht. Zahlreiche Länder wurden in Lockdowns oder Shutdowns geschickt. Unternehmen standen teilweise still, Lieferketten waren unterbrochen. Millionen von Menschen waren arbeitslos. Gesundheitssysteme kamen an den Rand eines Kollapses. Staaten investierten Tausende von Milliarden im Kampf gegen die Krise.

Die Pandemie und die Lockdowns haben in den meisten Ländern eine aussergewöhnlich starke Rezession ausgelöst, denn sie drosselten schockartig nicht nur die Angebotsseite der Produktion, sondern sie bremsten auch die Nachfrage durch die Konsumenten massiv.

Der Verlauf der Rezession ist immer noch nicht völlig klar. Erst befürchtete man eine U- oder sogar L-Form, also einen länger anhaltenden Stillstand auf einem tiefen Niveau. Aufgrund der überraschend schnellen Erholung im Herbst 2020 hoffte man dann eher auf ein Szenario in V-Form, also einen heftigen, aber kurzen Einbruch. Seit Sommer 2021 zeichnet sich ein Verlauf in W-Form ab, also sich wiederholende rezessive Tendenzen.

Wegen der ungewissen Perspektiven ist es schwierig, die Schäden effektiv zu beziffern. Eine dauerhafte Erholung sei jedenfalls nicht gesichert, bis die Pandemie weltweit bekämpft sei, argumentierte die IMF-Chefökonomin Gita Gopinath Ende Juli 2021. Bisher sind gigantische Summen vernichtet worden. Gopinath geht davon aus, dass bis zum Jahr 2025 gegen 28 Billionen Dollar an Wertschöpfung verloren gehen. Sie befürchtet, dass 90 Millionen Menschen wieder in extreme Armut zurückfallen könnten.

Die Autoren Eduardo Levy Yeyati und Federico Filippini haben Mitte Mai 2021 auf der Ökonomie-Website voxeu.org versucht, die Kosten der Pandemie aufzurechnen. Um die Beträge der in Prozent gerechneten Einbussen abzuschätzen: Im Jahr 2020 betrug das globale Bruttoinlandprodukt rund 84,5 Billionen Dollar.

Einfacher beziffern lassen sich die Effekte auf das Wirtschaftswachstum. Klar ist, dass im Jahr 2020 in keinem Land – ausser in China – die Wirtschaft gewachsen ist. Mitte 2021 zeichnet sich eine wirtschaftliche Trendwende ab. So rechnet der Währungsfonds in seiner Ende Juli 2021 veröffentlichten Prognose mit dem kräftigsten Aufschwung seit 80 Jahren. Nach dem Corona-bedingten Einbruch der Wirtschaft um 3,5 Prozent im vergangenen Jahr wird jetzt für 2021 ein kräftiges Wachstum von 5,6 Prozent vorausgesagt. Für 2022 geht der Währungsfonds von einem Wachstum von 4,9 Prozent aus. Lokomotiven sind China und die USA (hauptsächlich dank den riesigen Konjunkturprogrammen von Präsident Biden).

Mit dem kräftigen Aufschwung ist die Krise aber noch nicht ausgestanden. Unter dem Strich wird die globale Wirtschaftsleistung bis Ende 2021 immer noch mindestens 2 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau liegen.

Zudem profitieren längst nicht alle von der Erholung: Vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer kämpfen immer noch mit vielen Corona-Neuinfektionen, Hindernissen bei der Impfung und beschränkten staatlichen Hilfen. In zwei Dritteln dieser Länder werden die Pro-Kopf-Einkommensverluste auch bis im kommenden Jahr nicht aufgeholt werden können. In vielen einkommensschwachen Volkswirtschaften hat die Pandemie frühere Erfolge in der Armutsbekämpfung zunichtegemacht. Die Pandemie werde somit Armut und Ungleichheit verstärken, schreibt die Weltbank. Nötig seien deshalb weltweite Impfprogramme und Schuldenerlasse.

In der Corona-Krise verändert sich die Wirtschaftslage fast im Wochenrhythmus. Wir zeigen mit neuartigen Daten den Verlauf der Krise.

Wo nahm das Virus seinen Anfang?

Anfang Januar 2020 teilte die WHO mit, dass eine mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan durch ein neuartiges Coronavirus verursacht werde. Die chinesischen Behörden meldeten die Krankheit der WHO erstmals am 31. Dezember 2019. Laut verschiedenen Studien sind die ersten Fälle von Covid-19 in Wuhan Ende November oder Anfang Dezember 2019 aufgetreten. Gleichzeitig gibt es auch Hinweise darauf, dass das neue Coronavirus schon Wochen oder Monate früher in Südchina zirkuliert haben könnte, möglicherweise sogar im August. Der Stammbaum des Virus lässt sich über die Veränderungen in seinem Genom nachvollziehen (Details hier).

Die am engsten mit Sars-CoV-2 verwandten Viren sind Fledermausviren, was darauf hindeuten könnte, dass Fledermäuse an der Infektionskette beteiligt sind. Die WHO hält einen tierischen Ursprung für das wahrscheinlichste Szenario. Zum Erklärstück

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2 – was bedeuten die verschiedenen Bezeichnungen?

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen Sars-CoV-2 («severe acute respiratory syndrome coronavirus 2»). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegserkrankung wurde Covid-19 («coronavirus disease 2019») genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die den Erreger Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Ein ausführliches Glossar mit den zwanzig wichtigsten Begriffen im Zusammenhang mit der Pandemie finden Sie hier.

mit Agenturmaterial

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