Ein Wal stirbt aus wegen illegaler Fischerei – Forscher fordern Überwachung rund um die Uhr
Bei der letzten Zählung waren es weniger als zwei Dutzend Individuen: Um den Vaquita, einen kleinen, vor der Küste Mexikos lebenden Wal, noch zu retten, fordern Forscher nun unter anderem eine permanente Überwachung der verbleibenden Tiere beziehungsweise ihres Lebensraums.
Im Sommer 2018 gab es laut dem jüngsten Bericht Internationalen Komitee zur Rettung des Vaquita (Cirva) noch maximal 22 Exemplare des kleinen Schweinswals. Er dürfte damit nur noch mit allergrösstem Aufwand zu retten sein. Denn die Analysen der Wissenschafter deuten darauf hin, dass wahrscheinlich nur noch zehn Exemplare im Meer vor Mexiko leben. Der Plan, einige Exemplare einzufangen und in Gefangenschaft zu züchten, war gescheitert.
Schweinswale als «Beifang»
In jüngerer Vergangenheit hat sich die Population von Jahr zu Jahr fast halbiert. Der Grund ist die illegale Fischerei des – ebenfalls geschützten – Totoaba, dessen getrocknete Schwimmblasen laut dem Cirva in China Kilopreise von 46 000 US-Dollar erzielen. Der Totoaba wird mit Stellnetzen gefangen, in denen sich die Vaquitas verheddern und in der Folge ertrinken.
Tatsächlich haben Umweltschützer von Sea Shepherd vor wenigen Tagen möglicherweise den ersten so gestorbenen Vaquita des Jahres geborgen: Sie fanden den stark verwesten Kadaver in einem illegalen Stellnetz. Aufgrund seines Zustandes werden erst genetische Analysen ihn sicher identifizieren können, aber Sea Shepherd vermutet, dass es sich um einen der kleinen Wale handelt.
Noch gibt es Nachwuchs
Die Cirva-Forscher geben trotzdem die Hoffnung nicht auf, dass der Vaquita noch zu retten ist. Die verbleibenden Tiere seien wohlgenährt und brächten gesunde Kälber zur Welt, heisst es. Die Wissenschafter schlagen eine Reihe von Massnahmen vor, um die kleinen Wale zu schützen, darunter nun auch eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung.
Der Lebensraum der Tiere sei auf ein Gebiet von etwa 12 auf 24 Kilometer geschrumpft, schreiben sie in ihrem letzten Bericht. Genau dort werde der Totoaba stark gefischt. Die einzige Chance, den Vaquita noch zu retten, sei die völlige Elimination von Stellnetzen in dem Gebiet, in dem die letzten Tiere lebten, betonen die Forscher. Sie fordern dies seit Jahren, Erfolg hatten sie damit bis anhin nicht.
Selbst wenn der Vaquita selbst nicht mehr zu retten sein sollte, könnte sein Schicksal möglicherweise anderen gefährdeten Walen helfen: So hat der gescheiterte Rettungsplan laut dem Cirva-Bericht geueigt, wie wichtig es ist, rechtzeitig beispielsweise Daten zur Reaktion von Walen auf den Fang oder ihre Haltung in Gefangenschaft zu sammeln. Zudem sollten solche Rettungsaktionen erfolgen, wenn es noch Hunderte von Tieren gäbe, nicht nurmehr Dutzende, wie es beim Vaquita der Fall war.
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