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Hollywood ist die beste Abteilung für Propaganda

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 11.07.2018 Jean-Martin Büttner
Hollywood ist die beste Abteilung für Propaganda © Bereitgestellt von Tagesanzeiger Hollywood ist die beste Abteilung für Propaganda

Das berühmte Namensschild zieht immer mehr Besucher an. Kein Wunder: Es steht als Symbol für Amerika schlechthin.

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Hollywood haben ein Problem mit den neun Buchstaben, die hoch über ihrem Quartier stehen: dem Hollywood-Schild auf dem Mount Lee. Lokale Häusermakler hatten es 1923 als Werbeschild montiert, es blieb auf dem Hügel stehen, ging immer wieder kaputt oder wurde von Vandalen beschädigt. Mitte der Siebzigerjahre liess die Stadt es mit Spendengeldern renovieren. Seither gehört es zu den bekanntesten Attraktionen der USA.

Diese Attraktivität wird den Anwohnern zu viel. Immer häufiger beklagen sie sich darüber, dass zu viele Touristen hochfahren, um sich vor dem Hollywood Sign zu fotografieren. Im Zeitalter der Social Media sind es noch weit mehr, weil es wichtiger geworden ist, an einem Ort abgebildet zu sein, als diesen Ort zu sehen. Als Lösung für den Andrang schlägt der Medienkonzern Warner Brothers eine Seilbahn vor, welche die Besucher in sechs Minuten vom Parkplatz der Firma zum Schild hochführe. Der Bau würde gemäss der «Los Angeles Times» fünf Jahre dauern und 100 Millionen Dollar kosten, Warner Brothers würde die Seilbahn finanzieren.

Hollywood steht für eine unterhaltsame Weise, mit der sich ein Land der Welt anpreist. Der Name fungiert nicht nur als Synonym für die US-Filmindustrie, er erbietet sich auch an als Ausdruck des amerikanischen Way of Life, wie viele Amerikaner ihn sehen und Nicht-Amerikaner ihn gerne sehen würden. Dieser wird in romantischen Komödien, Dinosaurier-Begegnungen, Hitchcock-Thrillern, dreidimensionalen Katastropheninszenierungen und Kriegsfilmen dargestellt und damit angepriesen.

Selbst kritische Filme über Amerika machen Werbung, gerade weil sie das Land kritisieren. Egal wie schwer die USA in fremden Ländern wüten, ihre Kultur bleibt faszinierend. Das galt schon im Nachkriegsdeutschland. Und es gilt selbst für Länder im Nahen Osten, vor allem bei der Jugend. Am besten hat es der deutsche Regisseur Wim Wenders gesagt, der oft in den USA gedreht hat: «Amerika hat unser Unbewusstes kolonisiert.»

Wie stark Hollywoodfilme ihr Publikum beeinflussen, weiss auch Washington. Am meisten glaubte das ein Politiker, der Hollywood mehr hasste als alle anderen: Es war der republikanische Senator Joseph McCarthy. In den Fünfzigerjahren ermittelte er mit seinen Leuten auch gegen Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler; er warf ihnen unamerikanische Umtriebe vor. McCarthy befürchtete, Filme von Männern und Frauen mit kommunistischer Gesinnung könnten eine Gehirnwäsche des Publikums betreiben.

Wer den Einfluss von Hollywood am meisten ernst genommen hat, sind aber nicht die amerikanischen Linken. Sondern es ist eine amerikanische Gruppierung, die auf die Dreh­bücher von über 1000 Filmen, Serien und Fernsehfilmen Einfluss nahm, zum Teil subtil, zum Teil durch direkte Eingriffe. Je besser die Filme gefielen, desto mehr Unterstützung gab es – beim Budget, bei den Dreh­orten, bei den Kulissen, Geräten und Kostümen. 

Der wachsende Einfluss dieser Gruppierung wurde in den letzten Jahren dank Dokumenten bekannt, die durch den Freedom of Information Act zugänglich gemacht wurden – jenes Gesetz, das der Öffentlichkeit Zugang zu staatlichen Dokumenten gewährt. Die Gruppierung nennt sich CIA.

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