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Iranerin zündet sich nach Festnahme an und stirbt

20 Minuten-Logo 20 Minuten 11.09.2019

Eine Frau wird verhaftet, weil sie ein Fussballspiel besuchen will. Nach dem Gerichtstermin übergiesst sie sich mit Benzin und verbrennt sich selbst.

Die 29-jährige Iranerin versuchte am 12. März bei einem Spiel von Esteghlal Teheran in Asiens Champions League ins Stadion zu gelangen. Am Eingang wurde sie von der Polizei festgenommen und blieb danach mehrere Tage inhaftiert, bevor sie gegen ein Kaution freigelassen wurde. Im Iran ist Frauen der Besuch von Fussballspielen im Stadion untersagt. Wegen Beamtenbeleidigung drohte ihr zudem eine sechsmonatige Haftstrafe. Aus Protest oder Angst vor der Gefängnisstrafe zündete sich die junge Frau nach dem Gerichtstermin am 2. September an. Am Montagabend erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen, wie iranische Medien berichteten.

Laut dem «Spiegel», hatte die Schwester der Toten einem iranischen Onlineportal mitgeteilt, dass bei der Verstorbenen vor zwei Jahren eine bipolare Störung diagnostiziert worden sei und sie sich deshalb in ärztlicher Behandlung befunden habe. Nach der Inhaftierung habe sich die Krankheit verschlimmert. Die Familie habe alle medizinischen Unterlagen der Justiz übergeben, trotzdem sei die Frau vor Gericht wie eine gesunde Person behandelt worden.

Proteste gegen Stadionverbot für Frauen

Ihr Tod führte zu einer Protestwelle der Iraner in den sozialen Netzwerken gegen Polizei und Justiz. Das Stadionverbot für Frauen sorgt schon seit vier Jahrzehnten für Diskussionen im Iran. Obwohl auch Präsident Hassan Rohani gegen das Verbot ist, konnte er sich bis jetzt nicht gegen den erzkonservativen Klerus des Landes durchsetzen.

Via Instagram drückte Mehdi Rahmati, ehemaliger Nationalgoalie des Iran und ehemaliger Spieler von Esteghlal Teheran, seine Trauer über den Tod der jungen Frau aus. Er schreibt: «Beileid an die Familie des blauen Mädchens, das die Welt aus den Augen verlor, ohne ihren Wunsch zu erfüllen.»

Iraner fordern die Fifa zum Handeln auf

Zuletzt gab es Berichte über hohe Haftstrafen für sechs Frauen, die sich – als Männer verkleidet – ins Asadi-Stadion geschlichen hatten. Eine der Frauen, eine Journalistin, habe sie dabei auch fotografiert. Zwar wurden alle auf Kaution wieder freigelassen, aber die hohen Haftstrafen wurden im Iran als Einschüchterung bewertet.

Viele Iraner fordern von Fifa-Präsident Gianni Infantino, die iranische Nationalmannschaft wegen der Diskriminierung der Frauen im Land von der WM 2022 in Katar zu auszuschliessen.

(dpa/kvo)

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