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Tinnitus wegen Zugpfiff

BZ BERNER ZEITUNG-Logo BZ BERNER ZEITUNG 17.02.2020 Hans Ulrich Schaad

Die Unfallversicherung zahlt für die Behandlung eines Tinnitus zu Recht nichts mehr. Dies entschied das Berner Verwaltungsgericht.

Der 50-Jährige leidet wegen eines Zugpfiffs an einem Tinnitus. Symbolbild: iStock © Bereitgestellt von BZ BERNER ZEITUNG Der 50-Jährige leidet wegen eines Zugpfiffs an einem Tinnitus. Symbolbild: iStock

Der Zug stand kurz vor der Abfahrt, und der Zugführer gab mit seiner Pfeife das Signal zum Losfahren. In diesem Moment befand sich ein heute gut 50-jähriger Mann direkt daneben. Der laute Pfiff hatte für ihn bleibende gesundheitliche Folgen. Seit dem Vorfall im Juni 2016 leidet er an einem Tinnitus auf dem rechten Ohr. Die Unfallversicherung übernahm die Behandlung vorerst.

Im Herbst 2018 stellte die Versicherung ihre Leistungen jedoch ein. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass durch die ärztliche Behandlung keine namhafte Besserung mehr zu erwarten sei. Und die Hörminderung auf dem betroffenen Ohr sei nicht auf diesen Pfiff zurückzuführen, sondern habe schon vorher bestanden. Die Versicherung zahlte dem Mann noch eine Integritäts-Entschädigung in der Höhe von rund 7400 Franken für den Tinnitus aus.

Keine Besserung mehr

Der Mann legte beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern eine Beschwerde ein, weil die Versicherung keine Behandlungskosten mehr übernehmen wollte. Das Gericht stellt sich nun auf die Seite der Versicherung und weist die Beschwerde ab.

Zwar diagnostizierte der Vertrauensarzt der Versicherung auch im Oktober 2018 noch einen permanent vorhandenen Tinnitus auf dem rechten Ohr, der «mit überwiegender Wahrscheinlichkeit» auf das Ereignis im Sommer 2016 zurückzuführen sei.

Aber nach rund zweieinhalb Jahren sei keine relevante Besserung zu erwarten, es könne ein Endzustand festgestellt werden. Eine Hörminderung auf dem gleichen Ohr sei aber nicht diesem Vorfall geschuldet. Gemäss einem Audiogramm von 2006 habe diese schon vorher bestanden, und die leichte Verschlechterung sei nicht «unfallkausal».

Immer voll gearbeitet

Der Arzt des Mannes sprach sich dafür aus, dass die monatliche Akupunktur-Behandlung weitergeführt werden könne. Der Tinnitus sei schwächer geworden und das drückende Gefühl im rechten Ohr weniger präsent. Der Betroffene habe auch besser schlafen können. Zum jetzigen Zeitpunkt dürfe nicht ausgeschlossen werden, dass eine Heilung der Symptome noch möglich sein könne.

Für das Verwaltungsgericht waren jedoch die Feststellungen des Versicherungs-Arztes schlüssig. Sie basierten auf zahlreichen Berichten von Untersuchungen. Eine weitere Vergütung hänge davon ab, ob die Behandlung den Gesundheitszustand namhaft verbessere. Und diese setze wiederum voraus, dass dadurch die Arbeitsfähigkeit gesteigert werden könne. Im vorliegenden Fall falle das aber ausser Betracht, weil der Mann trotz Tinnitus stets voll gearbeitet hatte.

Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig. Es kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Das Pult ist bereit für die Medienkonferenz im Anschluss an die Bundesratssitzung, an der die neusten Massnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise ;erklärt werden, am Mittwoch, 1. April 2020, in Bern. Alessandro Della Valle / Keystone Nächste Geschichte

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