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30 Monate Freiheitsstrafe für den Ex-Präsidenten des EHC Kloten

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 13.01.2021 Tom Felber

Jürg Bircher, der von Januar 2009 bis Mai 2012 Präsident des EHC Kloten war und dort ein finanzielles Debakel hinterliess, ist wegen mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung, Betrugs, mehrfacher Misswirtschaft und mehrfacher Urkundenfälschung verurteilt worden.

Jürg Bircher war gut drei Jahre ;lang bis Mai 2012 Präsident der Kloten Flyers. Ennio Leanza / Keystone © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Jürg Bircher war gut drei Jahre ;lang bis Mai 2012 Präsident der Kloten Flyers. Ennio Leanza / Keystone

Das Verfahren dauerte sieben Jahre, der Prozess nicht einmal eine Stunde: Der ehemalige Präsident des EHC Kloten, Jürg Bircher, ist vom Bezirksgericht Zürich zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt worden. 6 Monate davon muss er absitzen, 24 Monate werden bei einer Probezeit von 2 Jahren bedingt aufgeschoben. Angerechnet werden drei Tage Untersuchungshaft, die Bircher bereits abgesessen hat.

Der Prozess gegen den 56-jährigen Bircher, der ursprünglich aus einfachen Verhältnissen stammt, Metallbauschlosser lernte und mit Immobiliengeschäften Millionär wurde, fand im abgekürzten Verfahren statt. Bircher war geständig. Staatsanwalt und Verteidiger hatten sich im Vorfeld auf einen Urteilsvorschlag geeinigt. Der Schuldspruch lautet auf mehrfache qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung, Betrug, mehrfache Misswirtschaft und mehrfache Urkundenfälschung. Bircher hatte während Jahren die tatsächlichen finanziellen Verhältnisse in seinen Firmen und im EHC Kloten verschleiert und auch immer wieder Gelder unautorisiert verschoben.

Privatbezüge in Höhe von 3,8 Millionen Franken

Die 9. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich segnete den Urteilsvorschlag am Mittwoch ab. Der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli sprach von einem «erheblichen Verschulden» Birchers. Der Deliktsbetrag belaufe sich auf 7,2 Millionen Franken. Schwer wiege, dass es sich bei 3,8 Millionen Franken um Privatbezüge Birchers handle.

Für die Tatkomponenten ging das Gericht von einer eigentlich angemessenen Freiheitsstrafe von 60 Monaten aus. Wie Aeppli begründete, sei diese Strafe aber aufgrund des Geständnisses, der Einigung auf ein abgekürztes Verfahren, weil Bircher den finanziellen Schaden zum Teil bereits zurückbezahlt hat und wegen Verletzung des Beschleunigungsgebots um die Hälfte auf 30 Monate reduziert worden. Das Strafverfahren war im Januar 2014 eingeleitet worden.

Über den Inhalt der schriftlichen Anklage hinaus war am Prozess nicht viel zu erfahren: In der persönlichen Befragung erklärte Bircher, der auch heute eine Immobilienfirma führt, im Jahr 2020 ein Einkommen von 400 000 Franken erzielt zu haben. Die Befragung zur Sache beschränkte sich auf zwei Punkte: ob er mit der Anklage und dem Urteilsvorschlag einverstanden sei und ob das abgekürzte Verfahren seinem freien Willen entspreche, was Bircher beides bejahte.

Finanzen «massiv beschönigt»

Jürg Bircher wurde im Januar 2009 Mehrheitsaktionär und Verwaltungsratspräsident der EHC Kloten Sport AG. Im Mai 2012 trat er unter Druck zurück und hinterliess ein finanzielles Debakel. Der Klub war mit 11 Millionen Franken verschuldet. Laut der Anklageschrift, die mit Anhängen 96 Seiten umfasst, wurden die realen finanziellen Verhältnisse in der Buchhaltung über Jahre «massiv beschönigt». Bereits in der Bilanz des Geschäftsjahres 2009/10 wurden Aktiven ausgewiesen, die um mindestens, 2,5 Millionen Franken zu hoch waren. Am 30. April 2011 wurden die Aktiven um 3,22 Millionen zu hoch und die Passiven um mindestens eine Million Franken zu tief angegeben. Zudem wurde ein um eine Million Franken zu hoher Ertrag ausgewiesen.

Aufgrund von ausgewiesenen Überschuldungen kündigte Bircher immer wieder Sanierungsbeiträge an, die er aber nicht leistete. Er war auch nicht in der Lage, versprochene Sponsoringbeiträge von 2,69 Millionen Franken zu bezahlen und Garantieversprechen zu erfüllen. Denn seine Firmen waren ebenfalls hoffnungslos überschuldet. Vorgeworfen wurde ihm auch, dass er den Verzicht auf ein Darlehen von einer Million Franken an den Klub erklärte, über das er rechtlich gar nicht mehr verfügen konnte, weil er die Forderung bereits an die Zürcher Kantonalbank abgetreten hatte.

Er veranlasste eigenmächtig Zahlungen von den Konten des EHC Kloten an seine Firmen und an sich selbst, die im Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG nicht beschlossen oder genehmigt worden waren. Zwischen Mai 2011 und April 2012 wurden laut Anklage 71 solche Zahlungen im Betrag von 1,969 Millionen Franken ausgeführt. Dadurch verschlimmerte sich die an sich schon prekäre wirtschaftliche Situation des EHC Kloten durch den Entzug von liquiden Mitteln kontinuierlich. Bircher einigte sich im Dezember 2017 mit dem EHC Kloten aussergerichtlich auf eine Rückzahlung von 250 000 Franken.

Bircher fälschte auch die Jahresrechnungen und Buchhaltungen seiner Firmen, der Iban AG, der Jube Holding AG und der Rosengarten Immobilen AG. Im Zusammenhang mit der ihm vorgeworfenen Misswirtschaft weist die Anklage Privatbezüge zum Nachteil der Iban AG, der Jube Holding AG und der Rosengarten AG zwischen Januar 2010 und März 2012 im Umfang von 3,817 Millionen Franken aus. Alle drei Firmen gingen im Juli 2012 in Konkurs, wobei den Gläubigern – gemäss Anklage – ein Totalschaden von 18,2 Millionen Franken entstand.

Betrug zum Nachteil Adrian Fetscherins

Der Betrugstatbestand bezieht sich auf die arglistige Täuschung Adrian Fetscherins. Diesem unterbreitete Bircher im Dezember 2011 das Angebot, er könne einen bis auf 200 000 Franken schuldenfreien Eishockeyklub übernehmen. Fetscherin bezahlte Bircher 750 000 Franken für das wertlose Aktienpaket. Im Rahmen der Klubsanierung erhielt Fetscherin später 40 000 Franken zurück. Im August 2017 einigte er sich mit Bircher aussergerichtlich auf eine Rückzahlung von 550 000 Franken.

Urteil DG200178 vom 13. 1. 2021, abgekürztes Verfahren.

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