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Babys wurden 1989 im Spital vertauscht – nun bekommen sie eine Million Euro Entschädigung

20 Minuten-Logo 20 Minuten 22.09.2022 Reto Bollmann

Zwei Neugeborene wurden in einem Spital in Italien nach der Geburt vertauscht. Nun muss die Region Apulien Schadenersatz in Millionenhöhe bezahlen. Laut Gericht ist das Leben der beiden vertauschten Mädchen stark zerrüttet worden.

Dank eines DNA-Tests sowie weiteren Ermittlungsergebnissen war es für die Richter erwiesen: Zwei Babys wurden im Jahr 1989 im Spital von Canosa di Puglia vertauscht. Nun muss die Region Apulien den Opfern insgesamt eine Million Euro (etwa 965’000 Franken) Schadenersatz zahlen. Vorangegangen ist dem Urteil ein siebenjähriger Rechtsstreit, wie das Newsportal «Südtiroler News» berichtet.

«Schwerwiegende Fahrlässigkeit und Nachlässigkeit»

Ihr Urteil begründen die Richter mit der «äusserst schwerwiegenden Fahrlässigkeit und Nachlässigkeit» der Hebammen und Krankenpflegerinnen, die am 29. Juni 1989 im Dienst standen und für die Verwechslung gesorgt hatten. Beide Babys kamen in einem Abstand von nur elf Minuten per Kaiserschnitt zur Welt.

«Es ist wahrscheinlich, dass die Vertauschung zum Zeitpunkt der Entbindung im Kreisssaal geschehen ist oder, was noch wahrscheinlicher ist, auf der Neugeborenenstation stattgefunden hat, wohin die neugeborenen Mädchen fast zur selben Zeit gebracht worden sind», so die Richter. Identifikationsarmbänder seien allen Anschein nach nicht verwendet worden.

Existenz der beiden Mädchen durch Fehler zerrüttet

Die Entschädigung müsse den entstandenen immateriellen Schaden abdecken, der durch die beeinträchtigten familiären Beziehungen entstanden sei. Laut Urteilsbegründung ist besonders die Existenz der beiden Mädchen durch den Fehler zerrüttet worden.

So ist eines der Mädchen in eine sehr arme Familie geraten, in der es teilweise nicht einmal genug zu essen gegeben hatte. Zudem war sie von ihrem vermeintlichen Vater geschlagen worden. Erst als die Familie auseinandergebrochen war, besserte sich die Lage des Mädchens. 2008 kam sie in eine Familie, welche sie als ihre natürliche betrachtet.

Geld kann Familienbeziehungen nicht ersetzen

Das andere Mädchen hatte gemäss Urteilsbegründung zwar keine traumatische, aber doch eine schwierige Kindheit. Anscheinend hatte es gespürt, nicht bei ihren leiblichen Eltern untergebracht zu sein. Sie hatte keine Lust auf die Schule, hatte sehr früh geheiratet und war ebenso früh zu Hause ausgezogen. 

Ihre leiblichen Eltern konnte sie nicht finden, also auch nie einen DNA-Test durchführen. Von dem Paar, bei dem sie aufwuchs, war sie im Jahr 2014 als Tochter aberkannt worden. Die inzwischen erwachsene Frau fordert von der Region nun ebenfalls mehrere Millionen Euro Schadenersatz – das Verfahren ist jedoch noch am Laufen.  

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