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Das sagt die 15-jährige Deutsche, die mit dem Täter täglich Kontakt hatte

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 26.05.2022 Irena Jurinak mit Material der SDA

Bevor der Attentäter in einer Grundschule mordete, schoss er auf seine Grossmutter – und schrieb mit einer Jugendlichen aus Frankfurt. CNN hat mit ihr gesprochen. 

Blumen erinnern an die schreckliche Tat. © Foto: AFP Blumen erinnern an die schreckliche Tat.

Kurz vor dem tödlichen Massaker an einer Grundschule in Texas schickte der Schütze Textnachrichten an eine 15-Jährige aus Deutschland. Das Mädchen aus Frankfurt am Main stand seit Anfang Mai in Kontakt mit dem Täter, berichtet CNN. Der US-Sender hat mit Erlaubnis der Eltern mit der 15-Jährigen gesprochen und Chatprotokolle eingesehen.

Kurz vor der Tat soll er sich bei ihr per Textnachricht über seine Grossmutter beschwert haben. Sie telefoniere mit seinem Telefon. «Es ist nervig», schrieb er. Sechs Minuten später schrieb er eine SMS: «Ich habe gerade meiner Oma in den Kopf geschossen. Sekunden später verfasste er die Worte: «Ich werde in einer Grundschule rumschiessen.» Die Nachricht wurde um 18:21 Uhr mitteleuropäischer Zeit gesendet, da war es in Texas 11:21 Uhr. Das war die letzte Nachricht an das Mädchen in Deutschland.

Die Jugendlichen telefonierten täglich

Kennengelernt hatten sich die beiden Jugendlichen am 9. Mai auf der Plattform Yubo, wo Nutzer Live-Videos von sich selbst veröffentlichen. Sie habe täglich über Face-Time mit ihm gesprochen und Spiele auf einer Spiele-App namens Plato gespielt, sagte die 15-Jährige im Gespräch mit CNN. In ihren Unterhaltungen habe er sie nach ihrem Leben in Deutschland gefragt. «Er sah glücklich aus und fühlte sich wohl im Gespräch mit mir.» Sie sagte, er habe ihr erzählt, dass er viel Zeit allein zu Hause verbringe.

Er schickte ihr Selfie-Videos und sprach darüber, sie in Europa zu besuchen. In einer Nachricht schickte er ihr einen Screenshot einer Google-Flugroute aus San Antonio, das in der Nähe seines Wohnortes Uvalde liegt. «Ich komme bald rüber», schrieb er.

Es gab auch Textnachrichten, die sie beunruhigten. In einem Fall habe er ihr mitgeteilt, dass er «tote Katzen vor die Häuser der Leute wirft». Sie sagte, sie habe den Eindruck, dass er für sich blieb. «Jedes Mal, wenn ich mit ihm sprach», sagte sie, «hatte er nie Pläne mit Freunden». Am 17. Mai, nur einen Tag nach seinem 18. Geburtstag, rief er sie offenbar von einem Waffengeschäft aus an und sagte per Videochat, dass er sich nun eine halbautomatische Waffe kaufen werde.

Am Montag habe er ihr mitgeteilt, dass er ein Paket mit Munition erhalten habe. Er habe ihr gesagt, dass sich die Kugeln ausdehnen würden, wenn sie jemanden träfen. Irgendwann fragte das Mädchen, was er zu tun gedenke. Sie sagte, er habe ihr gesagt, es sei eine Überraschung und sie solle «einfach abwarten».

Am Dienstag rief er an und sagte ihr, dass er sie liebe. Kurz darauf schickte er ihr die Nachricht, dass er seine Grossmutter erschossen habe. Die Frau überlebte. 

Der Schütze hat am Dienstag in Uvalde in Texas 19 Kinder und zwei Lehrer getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Der 18-Jährige hatte Ermittlern zufolge im März innerhalb weniger Tage in einem Geschäft zwei Sturmgewehre und Munition gekauft. Er hatte seine Tat kurz zuvor auf Facebook angekündigt. Ein Motiv war auch am Donnerstag nicht bekannt.

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