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Die hartnäckige Schottin und ihr grosser Traum

BZ BERNER ZEITUNG-Logo BZ BERNER ZEITUNG 01.07.2022 Alexander Mühlauer

Seit sie 16 Jahre alt war, arbeitet Nicola Sturgeon auf ein grosses Ziel hin: unabhängig zu sein von England. Jetzt wagt die Regierungschefin den zweiten Versuch.

Die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon will zwar weg von London, aber nicht von der Queen. © Foto: Keystone Die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon will zwar weg von London, aber nicht von der Queen.

Einmal im Jahr kommt die Queen für eine Woche nach Schottland – ein Pflichttermin im Kalender der Königin, und so reiste Elizabeth II. am Montag nach Edinburgh. Allerdings nahm die Königin nur ausgesuchte Termine wahr. Einer davon war der Empfang von Nicola Sturgeon.

Die schottische Regierungschefin brachte gleich mehrere Geschenke mit, wobei der Queen eines besonders auffiel: «Das muss Whisky sein.» – «Das ist Whisky», sagte Sturgeon und erklärte dann noch die anderen Mitbringsel. Die Queen zeigte sich erfreut: «Well, what a nice thing to have», was für eine schöne Sache. Ob die Begegnung weiter so harmonisch verlief, ist nicht bekannt, denn nach der Begrüssung mit dem Whisky mussten die Kameras den Raum verlassen.

Die Queen bleibt Staatsoberhaupt

Um Missverständnissen vorzubeugen, hatte Sturgeon zumindest eines schon mal vor dem Treffen klargestellt: Sollte Schottland eines Tages unabhängig sein, werde die Queen Staatsoberhaupt bleiben.

Über die Frage, ob sich Schottland vom Vereinigten Königreich lösen könnte, wird seit dieser Woche wieder intensiv diskutiert. Ausgelöst wurde die Debatte einmal mehr von Sturgeon. Die 51-Jährige ist Vorsitzende der Scottish National Party (SNP) und seit 2014 Regierungschefin in Edinburgh. Sie gilt als äusserst zielstrebig, manche sagen auch starrsinnig, jedenfalls dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass sie ausgerechnet am Tag vor dem Treffen mit der Queen ein neues Unabhängigkeitsreferendum ankündigte.

Sie wollte Margaret Thatcher stoppen.

Unabhängig sein von den Engländern, darum geht es Sturgeon, seit sie mit 16 Jahren in die SNP eingetreten ist. Sie wurde damals Mitglied, um die konservative Politik von Margaret Thatcher zu stoppen, erzählte sie einmal. Sturgeon, die mit einem SNPler verheiratet ist, bezeichnet sich selbst als Feministin und Pazifistin. Vor allem aber ist sie stolze Schottin, die ihren Traum von der Unabhängigkeit endlich verwirklichen will. Am 19. Oktober 2023 sollen ihre Landsleute ein zweites Mal darüber abstimmen.

Kommt der Scexit?

Die Frage ist also: Kommt nach dem Brexit nun der Scexit? Sturgeon wäre nichts lieber als das. Sie weiss noch gut, wie es 2014 war, beim ersten Referendum. 55 Prozent stimmten dafür, Teil des Vereinigten Königreichs zu bleiben. Für Sturgeon war das ein Schlag ins Gesicht. Damals konnte sie noch nicht wissen, dass es zwei Jahre später noch mal wehtun würde. 2016 stimmte die Mehrheit im Vereinigten Königreich dafür, die EU zu verlassen. Für Sturgeon war das die Zäsur im Verhältnis zwischen England und Schottland.

Seit dem Act of Union im Jahr 1707 sind die beiden Länder vereint. Doch mit dem Brexit änderte sich aus Sturgeons Sicht die Geschäftsgrundlage. Schliesslich stimmten die Schotten beim Referendum mit 62 Prozent für den Verbleib Grossbritanniens in der EU.

Seitdem ist die Zahl der schottischen Unabhängigkeitsbefürworter erst gestiegen, dann wieder gefallen. Aktuell würden 45 Prozent dafür stimmen, 46 Prozent dagegen. Es gibt viele Unentschlossene. Sturgeon hört das nicht gerne, aber für sie ist klar: Solange der in Schottland unbeliebte Boris Johnson britischer Premier ist, stehen die Chancen nicht schlecht. Das Problem ist allerdings, dass sie für ein Referendum die Zustimmung der britischen Regierung braucht, was Johnson natürlich ablehnt. Wie es aussieht, wird der britische Supreme Court über die Rechtmässigkeit von Sturgeons Manöver entscheiden.

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