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Filmfestivals Locarno und Zürich im Vergleich: Hier Tradition, dort Glamour – und immer grosses Kino

Blick-Logo Blick 22.09.2022 Jean-Claude Galli

Das ZFF, 2005 erstmals durchgeführt, hat punkto internationaler Wahrnehmung innert Kürze zum Locarno Film Festival aufgeschlossen. Der Traditionsanlass im Tessin, 1946 erstmals durchgeführt, punktet aber mit seiner glanzvollen Geschichte und dem mediterranen Flair.

Hier Tradition, dort Glamour – und immer grosses Kino © EPA/ENNIO LEANZA Hier Tradition, dort Glamour – und immer grosses Kino

Was für die Musik-Openairs gilt, zählt auch bei den Film-Happenings: Wohl nirgendwo ist deren Dichte höher als in der Schweiz. Das heute beginnende 18. Zurich Film Festival (ZFF) ist der jüngste Top-Anlass des Landes, das erste Locarno Film Festival fand 1946 statt. Nur zwei sind weltweit noch älter – Venedig und Moskau. Die Tradition ist einer der wichtigsten Trümpfe von Locarno im innerschweizerischen Vergleich. Die Veranstaltung Anfang August gehört zum kleinen Kreis der A-Festivals und zu den global zehn wichtigsten punkto Relevanz.

Sechzig Jahre später gestartet, hat der Jungspund innert Kürze aber mächtig Boden auf die «alte Dame» gutgemacht. Punkto Gästezahl und internationaler Wahrnehmung sind sie bereits auf ähnlichem Level. Dieser Sprung gelang dank vieler bekannter Gesichter und einer auch heuer wieder beeindruckenden Zahl von Premieren. In der Sparte Glamour ist Zürich schon die Nummer 1.

Vorteile hat Zürich zudem mit der zentraleren Lage inklusive Flughafen und der besseren Infrastruktur. Doch wie sich eine glanzvolle Geschichte nicht herbeizaubern lässt, so verhält es sich auch mit dem Festivalgeist. Zürich und Locarno liegen beide an einem See, doch damit hat es sich betreffend Gemeinsamkeiten. Locarno lebt vom mediterranen Flair, der Ferienstimmung und der dazu passenden Sprache. Dies alles kulminiert in Outdoor-Nächten auf der Piazza Grande. Zürich hingegen ist zu gross, als dass sich ein Festival-Groove auf die ganze Stadt übertragen liesse.

Annäherung nach anfänglicher Skepsis

Zur Grandezza von Locarno trägt der Leoparden-Look bei, der in den 1980er-Jahren vom damaligen Direktor David Streiff (77) geprägt wurde. Als Trophäe ist der Leopard seit gut 50 Jahren präsent, vorher setzte man auf ein goldenes Segel. Hier hatte Zürich zu Beginn ein Handicap, weil der Löwe von Venedig vereinnahmt war.

Das ZFF ist stark eigenfinanziert. Für die Region ist eine solche Veranstaltung mit Blick auf die übrigen Kultur-Events «nice to have», während das Festival in Locarno für den ganzen Kanton einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt. Das ist ein Risiko, stärkt aber die Eigenverantwortung. Gewachsen ist die eidgenössische Unterstützung, was die gesteigerte Akzeptanz untermauert. Das Bundesamt für Kultur erhöht für die Jahre 2022 bis 2025 den jährlichen Beitrag von 250'000 auf 440'000 Franken, Locarno erhält jährlich 1'730'000 Franken.

Nach anfänglicher Skepsis haben sich die Festivals angenähert. Zumal die aktuellen künstlerischen Direktoren Giona A. Nazzaro (57) und Christian Jungen (49) beide von der Filmkritik kommen. Und beide mit ganzer Kraft an die Magie des Kinos glauben.

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