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Mehr Optimismus geht nicht

Der Bund-Logo Der Bund vor 6 Tagen Philippe Zweifel

Das Bundesarchiv hat die Jahresrückblicke der «Schweizer Filmwochenschau» aus den 60er-Jahren veröffentlicht. Ein Zusammenschnitt.

Die 60er-Jahre gelten als Jahrzehnt gewaltiger gesellschaftlicher Umbrüche in Erziehung, Religion und Sexualität. Dem Mief der Nachkriegszeit wurde mit Protesten und dem Sound der Rolling Stones den Garaus gemacht.

Oder nicht?

Die Jahresrückblicke 1962–1969 der «Schweizer Filmwochenschau», die das Bundesarchiv nun veröffentlicht hat, zeichnen ein anderes Bild. Zu sehen ist in den Beiträgen vor allem die optimistische Sicht auf eine Schweiz in Zeiten grossen Wirtschaftswachstums: Neue Bauten, die Expo 64 oder Armeeübungen sind wiederkehrende Themen. Und Autobahnen, immer wieder Autobahnen. Mal von einem Bundesrat eröffnet, mal von einem Bischof gesegnet. Aber man sollte sich gerade vor der Skisaison nicht lustig machen darüber, denn tatsächlich: «Dank der neuen Walenseestrasse ist der berüchtigte Kerenzerberg kein Hindernis mehr.»

«Die Schweizer Filmwochenschau» (1940–1975) zählt zu den wichtigsten audiovisuellen Beständen der Schweiz. Sie war eine vom Bundesrat in Auftrag gegebene Zusammenstellung von politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Aktualitäten. Sie bildete bis zur Einführung des Fernsehens 1953 neben Radio und Zeitung die einzige Möglichkeit, sich über das aktuelle Zeitgeschehen zu informieren, und prägte über Jahrzehnte das Bewusstsein der Kinogäste.

Eine muntere Selbstbeweihräucherung der Nation ist in den Rückblicken gang und gäbe, etwa wenn man den eigenen Hilfseinsatz in einer «Negergemeinde» rühmt. Doch andere Zeiten, andere Sitten. Auch die schneidend-knatterige Stimme der Kommentatoren ist für heutige Ohren ungewöhnlich. Das Gleiche gilt für deren buchstabengetreue Aussprache englischer Begriffe und Namen wie «Slang» oder «Neil Armstrong».

Was auch stets mitschwingt, ist der Kalte Krieg, etwa wenn berichtet wird, dass die Minister aus 18 Staaten mit Optimismus nach Genf kamen, um über die Bedingungen einer nuklearen Abrüstung zu diskutieren, aber «der Weltfriede auch in diesem Jahr nicht wahr geworden ist». Gewisse Dinge ändern sich nie.

Oben ist unser Zusammenschnitt der Jahresrückblicke zu sehen. Beim Bundesarchiv sind diese in voller Länge zu sehen.

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