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Nanu, Prinz William, warum sind denn Ihre Zähne so blau?

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Blau, blau, blau blüht der Enzian – und ganz offensichtlich auch Williams Mundflora: Der Prinz mit bläulich verfärbten Zähnen. © Getty Images Blau, blau, blau blüht der Enzian – und ganz offensichtlich auch Williams Mundflora: Der Prinz mit bläulich verfärbten Zähnen.

Ganz in Blau erschien Prinz William kürzlich zu einer Preisverleihung. Und das nicht nur von Kopf bis Fuss, sondern auch im Mund. Ungewöhnlich blau schimmerten nämlich seine normalerweise schneeweissen Zähne. Was da wohl dahintersteckt? Ein Zahnarzt klärt auf. Spoiler: Das blaue Blut ist es nicht – Williams Weinkonsum schon eher.

Es war eine Veranstaltung wie so viele andere auch. An den Tusk Conversation Awards am Montagabend in London wurden Preise verliehen, wie es an Award-Nächten üblich ist. Und wie wir es uns von ihm nicht anders gewohnt sind, hat sich Prinz William, 39, als Schirmherr der Award-organisierenden Organisation mächtig in Schale geworfen. Alles so weit normal.

Doch Moment mal… Etwas nämlich war ganz anders als sonst. William hüllte nicht nur seinen Körper in einen blauen Anzug, sondern auch seine Zähne. Seine Zähne? Exakt! Wer genau hinschaut, erkennt an den Backenzähnen des Prinzen ganz deutlich eine bläuliche Verfärbung. 

Der erste Gedanke, der einem wohl fast unweigerlich durch den Kopf schiesst, ist allerdings falsch. Blaues Blut nämlich bedingt nicht automatisch blaue Zähne. Oder blaue Körperteile im Allgemeinen, auch wenn ein kürzlich veröffentlichtes Bild von Queen Elizabeth II., 95, durchaus darauf hätte schliessen lassen. Ihre bläulich wirkenden Hände allerdings waren nicht etwa auf ihr Royal-Dasein zurückzuführen, sondern lassen eher auf eine spezielle Farbeinstellung bei der Kamera schliessen. Denn auch die Hände ihres Gastes Sir Nick Carter waren auf dem Bild blau angelaufen.

Getty Images / © Bereitgestellt von Schweizer Illustrierte Getty Images /

Ob das Licht auch bei William schuld ist an der bläulichen Verfärbung seiner Beisserchen und damit alles nur eine Illusion ist? Nicht zwangsläufig, sagt Dr. med. dent. Ju-Ky Do, diplomierter Zahnarzt und COO der zahnarztzentrum.ch AG. Einer Blaufärbung der Zähne können nämlich gleich mehrere Faktoren zugrunde liegen. 

Getty Images / © Bereitgestellt von Schweizer Illustrierte Getty Images /

Die bläuliche Verfärbung kann etwa medizinische Ursachen haben, erklärt der Experte. Provisorische Füllungen oder solche aus Amalgam können die Zähne verfärben. «Von Karies betroffene und avitale Zähne verfärben sich ebenfalls dunkel», sagt Do. Eine Behandlung des Wurzelkanals etwa kann farbtechnische Folgen haben. 

Extrinsische und intrinsische Faktoren

Weiter unterscheidet der Experte ganz generell zwischen intrinsischen und extrinsischen Faktoren, welche die Verfärbung von Zähnen verursachen können. «Intrinsische Faktoren verursachen Zahnverfärbung im Inneren des Dentins oder des Zahnschmelzes», erklärt er. Dies deute auf Stoffwechselerkrankungen oder Traumata hin, welche die Zahnentwicklung gestört oder beeinflusst hätten. Auch Antibiotika oder Unfälle können die Zahnentwicklung stören und zu einer Verfärbung führen.

Extrinische Zahnverfärbung hingegen «entsteht durch Einlagerung von Farbpartikeln direkt auf der Zahnoberfläche oder im Pellikel», dem Biofilm auf den Zähnen, sagt Zahnarzt Do. Mögliche extrinsische Faktoren seien demnach etwa Kaffee, Rotwein oder der Konsum von Tabak. 

In vino veritas?

Und genau hier sieht der Experte eine plausible Erklärung für Williams Verfärbung, sollten sie denn keine medizinischen Ursachen haben. «Gehen wir davon aus, dass der Adel von diesen Ursachen und Massnahmen verschont geblieben ist, könnte eine mögliche Ursache für die bläuliche Verfärbung der Genuss von Rotwein sein», sagt Do.

Ob dem Sprichwort nach also im Wein die Wahrheit liegt? Blau verfärbte Zähne seien eine häufige Nebenwirkung des Weinkonsums aufgrund der in roten Früchten enthaltenen Farbstoffe Anthocyane. Diese reagieren auf die Veränderung des pH-Werts mit einer Farbänderung von Rot auf Blau bis Blauviolett., wie der Experte unter Berufung auf Prof. Dr. Dominik Durner erklärt, der an der Hochschule Kaiserslautern die Professur für Lebensmitteltechnologie und Oenologie innehat. Wo der PH-Wert bei Rotwein zwischen 3 und 4 beträgt, ist er im Mundraum normalerweise bei 7. «Und da der Farbstoff sich auf dem Zahnschmelz und der Plaque niederlassen kann, färben sich die Zähne entsprechend blau.» 

UK Press via Getty Images / © Bereitgestellt von Schweizer Illustrierte UK Press via Getty Images /

Wer jetzt denkt, dass Prinz Williams Zähne womöglich einem Fusel zum Opfer gefallen sind, irrt. «Interessanterweise lässt sich der Blaustich mit dem richtigen Jahrgang minimieren», erklärt Do die Ergebnisse des deutschen Wissenschaftlers. «In guten Rotweinjahren wie zum Beispiel 2003 kann die Traube rund 20 bis 30 Prozent mehr Anthocyane synthetisieren wie in Jahren mit viel Niederschlag. Im Prinzip könnte man behaupten, dass gute Jahrgänge unsere Zähne blauer werden lassen.»

Und: Wenn die Zähne sich blau verfärben, ist das im Grunde ein gutes Zeichen, wie Dr. med. dent. Do sagt. Er verweist dabei auf Dr. Michael Zänglein, der im «Weinclub» erklärt hat, warum nicht alle Menschen blaue Zähne kriegen – und sich die, die es tun, geschätzt fühlen können. «Das liegt am pH-Wert im Mund. Menschen, deren Zunge und Zähne intensiv blau werden, haben eine gesunde Mundflora mit neutralem pH-Wert.» 

Blauverfärbung lässt sich beheben

Auch wenn die Blauverfärbung entsprechend ein gutes Zeichen ist, sind die dadurch entstehenden ästhetischen Einbussen wohl auch nicht in Williams Sinne. Glücklicherweise aber kann dagegen vorgegangen werden. «Sowohl intrinsische als auch extrinsische Zahnverfärbungen lassen sich beim Zahnarzt durch entsprechende Massnahmen wie Bleaching oder Zahnreinigung beheben», erklärt Dr. Do.

Und wer es gar nicht so weit kommen lassen möchte, kann mit einem einfachen Trick nachhelfen. «Auch wenn es wie ein Scherz klingt, kann ein abschliessendes Glas Weisswein helfen, dem Problem entgegenzuwirken», so der Experte. «Aufgrund des im Weisswein enthaltenen Schwefeldioxid kann die blaue Farbe neutralisiert werden.» Doch pro Glas Rotwein grosszügig gleich noch ein Glas Weisswein nachzuschütten, ist trotzdem nicht die Lösung. Womöglich wird damit zwar nicht der Mund blau – man selbst aber ganz bestimmt. 

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