Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Saftiger Brief kostet deutschen Top-Manager den Job

SZ.de-Logo SZ.de vor 4 Tagen Von Vivien Timmler
Manager Klaus Kleinfeld. © dpa Manager Klaus Kleinfeld.

Klaus Kleinfeld ist einer der bekanntesten deutschen Manager. Wegen eines Schreibens an einen Hedgefonds verlor er seinen Job. Nun ist das brisante Dokument öffentlich geworden.

Wenn Top-Manager ihren Job verlieren, liegt es oft daran, dass die Firma nicht läuft. Im Fall von Klaus Kleinfeld war es komplizierter. Der Deutsche verlor seinen Chefposten beim amerikanischen Metallkonzern Arconic wegen eines Briefs. Adressiert war er an den Paul Singer. Er ist der Chef des Hedgefonds Elliott Management, der wegen aggressiver Einmischung in Management-Aufgaben bei Konzernchefs gefürchtet ist. Elliott hat lange versucht, Kleinfeld loszuwerden. Über den Inhalt des Schreibens gab es bislang nur Spekulationen: Hatte sich Kleinfeld im Ton vergriffen und war ausfallend geworden? Oder war der Brief harmlos und der Verweis darauf nur eine Ausrede?

Nun hat Elliott den Brief veröffentlicht. Er liest sich ganz und gar nicht wie der alltägliche Schriftverkehr zwischen einem Manager und einem Investor. Dort ist der Tonfall normalerweise diplomatisch. Es geht meist um Zahlen, es werden diplomatische Floskeln ausgetauscht. Kleinfelds Brief hat zwischen den Zeilen einen süffisanten Ton (hier als PDF). Der Inhalt ist wohl nur für Eingeweihte verständlich - und hinterlässt viele Fragen.

Kleinfeld richtet sich in dem Brief an den Fußballfan Singer. Der ist Anhänger von Arsenal London, besucht auch häufig Spiele des Clubs, wenn er im Londoner Büro ist. Kleinfeld schreibt in seinem Brief, dass Singer wegen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gewesen sei. Darüber habe er einiges gehört. Die Menschen berichteten von "lebhaften Erinnerungen". Seine Reise habe großes Potenzial, den Status einer "Legende" zu erhalten.

Besonders auffällig ist das PS. Dort schreibt Kleinfeld: "'Singing in the rain' ist in der Tat ein wundervoller Klassiker - auch wenn ich nie versucht habe, ihn in einem Springbrunnen zu singen." Das erweckt den Eindruck, dass Singer es sich an einem WM-Abend in Deutschland gut gehen ließ, zumindest laut Kleinfelds angeblichen Gesprächspartnern. Spätestens der letzte Absatz macht deutlich, dass der Manager den Hedgefonds-Chef wissen lassen will, was er über ihn weiß.

Der Brief von Klaus Kleinfeld an Paul Singer im Wortlaut © Screenshot Der Brief von Klaus Kleinfeld an Paul Singer im Wortlaut

Offiziell hieß es bis Donnerstag, Kleinfeld habe seinen Posten "im gegenseitigen Einvernehmen" aufgegeben, nachdem er ohne Rücksprache mit dem Aufsichtsrat einen Brief an seine Gegner bei Elliott geschrieben habe. Kleinfeld habe mit dem Brief "schlechtes Urteilsvermögen" gezeigt. Der Abgang habe nichts mit Elliotts Kritik an seiner Strategie zu tun. Kleinfeld habe alles richtig gemacht, lobte der Aufsichtsrat nach seinem Abgang. Nur der Brief sei das Problem.

"Der Brief war eine Drohung, einen führenden Mitarbeiter von Elliott Management einzuschüchtern oder zu nötigen, auf der Basis komplett falscher Andeutungen", teilte der Hedgefonds mit, der sich sofort beim Aufsichtsrat beschwerte. "So ein Verhalten gehört sich für niemanden, erst recht nicht für den Chef eines börsennotierten Konzerns."

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von SZ.de

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon