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Star-Investor Ken Fisher: Keine Angst vor dem Franken

Handelszeitung-Logo Handelszeitung vor 2 Tagen Ken Fisher*
Kenneth Lawrence Fisher (born November 29, 1950): Ken Fisher im Office der Handelszeitung. © Jannis Chavakis/ 13Photo Ken Fisher im Office der Handelszeitung.

Ein Kommentar vom amerikanischen Star-Investor Ken Fisher zum Schweizer Franken.

Der Schweizer Franken ist seit April gegenüber dem Euro um 6 Prozent gestiegen und erreichte damit seinen höchsten Stand seit einem Jahr. Wie immer geht mit dem steigenden Franken die Sorge einher, dass seine Stärke die Exporte drücken sowie die Wirtschaft und Aktien der Schweiz herunterziehen wird.

Auch die SNB und ihr Präsident Thomas Jordan scheinen erschüttert zu sein! Nach der Sitzung am 20. September wurde behauptet, der Franken habe «spürbar an Wert gewonnen» und sei «hoch bewertet». Eine Bedrohung! Man senkte die Wirtschaftsprognosen entsprechend und hielt die Zinssätze auf negativem Niveau – eine Schutzmassnahme, so wird argumentiert.

Doch keine Sorge! Weitreichende Ängste um den Franken sind unangebracht. Um das zu erkennen, muss man nur auf die jüngste Schweizer Geschichte blicken. Sie sollten jetzt Aktien besitzen, bevor sich alle wundern, warum sie den Franken gefürchtet haben.

Die Vorstellung, dass eine starke Währung dem Wachstum schadet, kommt daher, dass Exporte für ausländische Konsumenten teurer werden. Da Exporte im vergangenen Jahr 84,4 Prozent des BIP ausmachten, könnten globale Konsumenten, die weniger Schweizer Waren kaufen, das Wirtschaftswachstum bremsen. Demnach scheinen die Ängste vor einem starken Franken logisch zu sein. Aber: Wirtschaft und Märkte widersprechen oft der Intuition. Das gilt auch für die Auswirkungen von Währungsschwankungen.

Importe nähren oft die Exporte – und halten Margen stabil

Damit sich eine starke Währung auf die Exportpreise auswirkt, müssen die Unternehmen die Währungsschwankungen an die Konsumenten weitergeben. Sie können sich aber entschliessen, das nicht zu tun! Stellen Sie sich vor, Sie führen ein kleines Unternehmen, das Uhren nach Deutschland verkauft. Im April, als ein Franken 0,836 Euro entsprach, verkauften Sie fünfzig Uhren zu je 83,60 Euro und erzielten Umsatzerlöse von 5000 Franken. Während ich gerade schreibe, liegt der Franken bei 0,885 Euro. Erhöhen Sie Ihre Preise in Deutschland entsprechend auf 88,50 Euro? Die Grundprinzipien von Nachfrage und Angebot besagen, dass Sie dann weniger Uhren verkaufen werden. Deutsche Uhrmacher, die sich nicht um Währungsschwankungen sorgen müssen, können ihre Preise niedrighalten und Ihnen die Kunden wegnehmen. Um Ihren Marktanteil zu halten, könnten Sie also weiterhin zu 83,60 Euro verkaufen, was nun 94.43 Franken entspräche, und sich mit Umsatzerlösen von 4721.50 Franken zufriedengeben.

Es kann sogar sein, dass Ihre Gewinne gar nicht so stark zurückgehen. Währungseinflüsse sind nicht einseitig. Nur wenige Waren werden vollständig und zu 100 Prozent in der Schweiz produziert und beschafft. Importe – 67,2 Prozent des BIP – nähren oft die Exporte. Ein starker Franken kann die Einfuhrkosten senken und die Ausgaben der Unternehmen deutlich verringern. Dies kann einen Teil der Auswirkungen auf den Export aufheben und die Gewinnmargen erhalten. Daher sind Währungsschwankungen typischerweise nicht richtungsbestimmend für Märkte und Wirtschaft.

Sehen wir uns die jüngste Geschichte der Schweizer Wirtschaft an. Seit Beginn der Griechenlandkrise Ende 2009 – welche die Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone auslöste – ist der Franken gegenüber dem Euro gestiegen. Von Januar 2010 bis April 2015 stieg er um 43,4 Prozent gegenüber der Gemeinschaftswährung. Dennoch nahm das Schweizer BIP in diesem Zeitraum kumuliert um 10,7 Prozent zu. Insgesamt stieg der Franken von Januar 2010 bis Juni 2018 gegenüber dem Euro um 27,9 Prozent. Das Schweizer BIP wuchs um 18,1 Prozent. Wenn die Schweiz bei diesen bedeutenden Kursbewegungen nicht untergegangen ist, warum sollte man denn jetzt einen starken Franken fürchten?

Selbst 2015 wurde die Exportschwäche durch schwache Importe kompensiert

Selbst der stärkste Aufwärtstrend des Frankens hat in jüngster Vergangenheit keine Katastrophe ausgelöst. Nachdem die SNB am 15. Januar 2015 überraschend den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben hatte, stieg der Franken gegenüber dem Euro in erschreckenden zwei Tagen um 18 Prozent. Viele befürchteten enorme wirtschaftliche Folgen. Doch die Auswirkungen waren begrenzt. Das BIP ging im ersten Quartal 2015 um nur 0,3 Prozent im Quartalsvergleich zurück. Im darauffolgenden Quartal kehrte sich der Trend wieder um.

Der Rückgang im ersten Quartal war mit sinkenden Warenexporten verbunden, was jedoch hauptsächlich auf Nichtwährungsgold zurückzuführen war – also ein reiner Buchverlust. Lässt man dies unberücksichtigt, so stiegen die Warenexporte um 1,0 Prozent im Quartalsvergleich – und entsprachen fast dem Anstieg der Importe von 1,1 Prozent. Die allgemeine Exportschwäche hielt für den Grossteil des Jahres 2015 an. Aber auch die Importe waren schwach. Das deutet auf eine andere Ursache hin: eine deutliche Abnahme des internationalen Warenhandels. Selbst in diesem extremen Szenario ist der Währungseinfluss schwer zu erkennen.

Einige werden argumentieren, dass das Wachstum bei einer schwächeren Währung schneller gewesen wäre. Dass die Schweizer Wirtschaft den starken Franken überwunden habe. Das mag sein! Aber man weiss es nicht. Es gibt kein Instrument, mit dem man das prüfen kann.

Aber wir können einen Blick in die Welt werfen! Von 2010 bis 2016 war der Dollar – wie der Franken – gegenüber den meisten Währungen recht stark. In diesem Zeitraum stieg er gegenüber dem Euro um 26,5 Prozent. Wenn stärkere Währungen das Wachstum wirklich behindern, sollten die USA hinter der Euro-Zone hinterherhinken. Stattdessen haben die USA von 2010 bis 2016 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 2,2 Prozent erzielt. Und die Euro-Zone? 1,1 Prozent. Die Währungstrends kehrten sich im vergangenen Jahr um, der Euro stieg gegenüber dem Dollar um 13,8 Prozent. Das Wachstum der Euro-Zone übertraf im Jahr 2017 jedoch das Wachstum Amerikas. Währungsschwankungen erklären die relativen Wachstumstrends in der Schweiz, in Amerika oder in der Euro-Zone nicht. Das ist ein guter globaler Beweis, dass Währungsbewegungen keine Katastrophen sind.

Aktien bewegen sich meist infolge der Kluft zwischen Realität und Erwartungen. Anhaltende Ängste vor einem «hoch bewerteten» Franken belasten die Erwartungen der Anleger – und sorgen für positive Überraschungen. Dies ist zum Teil der Grund, warum Schweizer Aktien bei einem starken Franken die Renditen in der Euro-Zone seit Beginn des Jahres 2010 fast verdreifacht haben.

Die Realität hat noch viel Raum, um die düsteren Erwartungen zu übertreffen. Besitzen Sie also jetzt Aktien und lassen Sie andere für steigende Kurse sorgen, wenn das Wirtschaftswachstum den Ängsten vor einem starken Franken trotzt. Und die Party wird sogar noch besser, wenn die SNB schliesslich von ihren starrköpfigen negativen Zinssätzen ablässt. Verpassen Sie es nicht!

«Schwankungen bei den Währungen erklären die relativen Wachstumstrends in der Schweiz, in den USA oder in der Euro-Zone nicht.»

*Ken Fisher, Chairman, Fisher Investments Europe. Kürzlich gab es ein grosses Interview in der Handelszeitung mit dem Investor. 

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