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Kroatiens Botschafterin attackiert SRF nach Doku

20 Minuten-Logo 20 Minuten 12.10.2021 Karin Leuthold

Die kroatische Botschafterin in Bern reagierte verärgert über einen Bericht der «Rundschau». Gemäss SRF geht die kroatische Polizei an der EU-Aussengrenze gewaltsam gegen Flüchtende vor.

Andrea Bekić, die kroatische Botschafterin in Bern, ist unglücklich mit einem «Rundschau»-Bericht über den Umgang mit Flüchtlingen an der kroatischen Grenze – und liess dies dem Schweizer Fernsehen nun in einem Brief wissen. Bekić kritisierte in undiplomatisch scharfem Ton, dass der Bericht vom vergangenen Mittwoch irreführend und voreingenommen sei und eine «eigene Wahrheit» verbreite.

Die SRF-Sendung «EU-Geld für kroatische Schlägerpolizisten» entstand in Zusammenarbeit mit ARD Studio Wien, ARD Monitor, Der Spiegel, Libération, Lighthouse Reports, Novosti, Pointer und RTL Kroatien. Sie dokumentiert die gewaltsamen illegalen Zurückweisungen von Asylsuchenden an der kroatischen Grenze – sogenannte Pushbacks. Die Grenzpolizei hindert Flüchtlinge am Eintritt in die EU oder schiebt sie teils gewaltsam ab. Die Videoaufnahmen zeigten, wie Maskierte an der Grenze teils mit Schlagstöcken auf Menschen einprügelten und sie aus dem Land zurück nach Bosnien jagten. Die Pushbacks verstossen gegen EU-Recht und die Genfer Flüchtlingskonvention, denn wer an einer Grenze um Schutz ersucht, darf nicht zurückgewiesen werden ohne Möglichkeit, ein Asylgesuch zu stellen.

Die Polizei erfülle lediglich ihre Pflicht, meint die Botschafterin

Botschafterin Bekić wandte sich schriftlich nicht nur an das Schweizer Fernsehen, sondern auch an die Spitze der Schweizer SP. Co-Präsidenten Cédric Wermuth und Mattea Meyer sowie Nationalrat Fabian Molina hatten nach der Ausstrahlung der SRF-Sendung einen Brief an die kroatische Botschaft geschrieben, um das sofortige Ende von Pushbacks zu fordern.

Wenn SRF von Pushbacks spreche, so sei das «hochgradig irreführend und unwahr», schrieb Bekić laut «Tages-Anzeiger», der Einblick in den Brief hatte. Die Polizei erfülle lediglich ihre Pflicht und schütze die EU-Aussengrenze, so Bekić. Ausserdem dürfte es sich nicht um aktuelle Aufnahmen gehandelt haben.

Kroatien räumt brutale Gewalt gegen Migranten ein

Was Andrea Bekić in ihrem Schreiben negiert, räumt jedoch Kroatien offiziell ein: Erst vergangenen Freitag gab Polizeichef Nikola Milina in Zagreb zu, dass nach mehreren Medienberichten und darauffolgenden Untersuchungen drei Mitglieder der Spezialpolizei suspendiert worden seien. Die Beamten waren aufgrund der Aufnahmen des europäischen Rechercheverbunds identifiziert worden. Der kroatische Regierungschef Andrej Plenkovic hatte am Donnerstag weitere Untersuchungen in Auftrag gegeben, nachdem auch Brüssel Ermittlungen gefordert hatte.

An der Kritik am Schweizer Fernsehen hält Bekić trotz allem fest. Warum seien im Bericht keine Bilder von Hilfe leistenden Polizistinnen und Polizisten an der Grenze zu sehen. Oder von Menschenschmugglerinnen und -schmugglern. Schliesslich habe das SRF offenbar die kroatische Grenze während acht Monaten mit Drohnen überwacht, meint die Diplomatin gegenüber dem «Tagi».

Beim SRF ist man irritiert über den Inhalt des erhaltenen Briefes. «Rundschau»-Redaktionsleiter Mario Poletti weist die Beschuldigungen und Unterstellungen als absurd zurück. Die Aufnahmen stammten aus diesem Jahr. Zudem könnten sämtliche Aussagen im Beitrag wasserdicht belegt werden.

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