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«Ich war vier Nächte wach, ich war wie ein Tier»

20 Minuten-Logo 20 Minuten vor 3 Tagen
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Durch eine Schere verlor P.B.* am 4. Dezember auf der Neubrückstrasse in Bern sein Leben. Der damals 32-Jährige verbrachte nachts im Club Dead End einige unbeschwerte Stunden – doch diese fanden ein jähes Ende, als er vor dem Club auf M.M.* stiess. Der Mann aus Somalia muss sich seit Dienstag wegen vorsätzlicher Tötung vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten.



Vor den fünf Richtern gab der 34-jährige M.M. an, in jener Nacht einen regelrechten Drogencocktail intus gehabt zu haben. Kokain, MDMA, LSD, Alkohol, Marihuana und Amphetamine habe er konsumiert: «Ich war seit vier Nächten wach.» Das Kokain habe er bei der Reitschule bezogen – acht Gram will er auf sich getragen haben. «Ich war in dieser Nacht wie ein Tier», so der Angeklagte.





Auch Türsteher hatte Drogen im Blut

In den frühen Morgenstunden, gegen 8 Uhr, wollte M.M. ins Dead End – wurde an der Türe jedoch von einem Türsteher abgewiesen. Daraufhin ist M.M. laut dem Türsteher ausfällig und beleidigend geworden und habe gar gedroht. Nach einigen Minuten habe sich der Ostafrikaner jedoch Richtung Tiefenaustrasse entfernt. P.B., der privat im Ausgang war, im Dead End jedoch ebenfalls als Türsteher arbeitete, stand ebenfalls an der Türe, um eine Zigarette zu rauchen. Er folgte M.M. ins Dunkle der Nacht.

Laut Rechtsmedizinern hatte der Berner zu diesem Zeitpunkt einen Blutalkoholwert von mindestens 1,3 Promille. Darüber fanden sich Spuren von Kokain und Benzodiazepine in seinem Blut. «Er wollte ihm in die Augen schauen und sagen, dass er uns nicht mehr belästigen soll», so der damals im Dienst stehende Türsteher vor den Richtern.



Auf dem Fussgängerstreifen kam es schliesslich zum Schlagabtausch. P.B. habe dem mutmasslichen Täter etwas zugerufen: «Ich habe nicht gehört, was es war, aber M.M. hat sich daraufhin umgedreht und ist auf P.B. losgegangen», so der Zeuge. «Aufgrund der Wirkung, die die Schläge auf P.B. hatten, musste ich davon ausgehen, dass es sich nicht nur um Faustschläge handelte.»

Schere in Kopf und Brust

Heute ist klar: Es war eine Schere, die M.M. damals in den Händen hielt. Mit dieser stach er nicht nur bis in den Hirnstamm von P.B., sondern verletzte auch dessen Gesicht und bohrte das Werkzeug mehrmals in P.B.'s Brustkorb. Teilweise wiesen die Stichverletzungen eine Tiefe von acht Zentimetern auf.



M.M. schilderte den Tathergang vor Gericht anders – er spricht von einem Unfallgeschehen. Das Opfer habe ihn auf dem Fussgängerstreifen angegriffen und gepackt: «Wir fielen zusammen zu Boden. Dabei hat er sich die Verletzungen mit der Schere zugezogen.» Die Schere habe er bei sich getragen, um seine Pfeife auszukratzen.



Das rechtsmedizinische Gutachten widerspricht den Schilderungen von M.M. Laut den Medizinern konnten die Verletzungen des Opfers nur durch eine aktive Bewegung mit hohem Kraftaufwand erfolgen. Dennoch zeigt sich der Beschuldigte vor Gericht reuig. Er habe mit P.B. schon vorher zu tun gehabt: «Er war ein guter Mensch. Ich habe das nie gewollt. Es tut mir leid.»



«Ich will diesen Mann nie mehr sehen»

Neben der Vorsätzlichen Tötung werden M.M. weiter Straftaten wie Brandstiftung oder Gewalt und Drohung gegen Beamte zu Last gelegt. Am Mittwoch, dem zweiten Verhandlungstag, werden die Plädoyers der Anwälte, samt dem geforderten Strafmass der Staatsanwaltschaft, vorgetragen.

«Ich hoffe auf eine möglichst lange Strafe. Ich will diesen Mann nie mehr sehen», sagt die Mutter des Opfers, Claudine Nagy zu 20 Minuten (siehe Video oben). Das Urteil wird am Freitag erwartet.

*Name der Redaktion bekannt (cho/sda)

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