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«Man sollte über eine Erhöhung der Billettpreise reden»

BZ BERNER ZEITUNG-Logo BZ BERNER ZEITUNG 17.02.2020 Dominik Feusi

Fast alle Nahverkehrsstrecken sind defizitär. Dass dies auch in Städten der Fall ist, stellt bürgerliche Verkehrspolitiker vor Fragen.

Nur gerade 18 von 1422 Strecken im Regionalverkehr decken ihre Kosten. Foto: Keystone © Bereitgestellt von BZ BERNER ZEITUNG Nur gerade 18 von 1422 Strecken im Regionalverkehr decken ihre Kosten. Foto: Keystone

Der Regionalverkehr schreibt tiefrote Zahlen. Nur gerade 18 von 1422 Strecken decken ihre Kosten. Bund und Kantone übernehmen die Defizite, alleine der Bund mit rund einer Milliarde Franken pro Jahr. 33 Linien sind sogar gefährdet. Ihr Kostendeckungsgrad liegt unter zehn Prozent oder unter zwanzig Prozent in Städten und Agglomerationen. Dort könnte sich der Bund aus der Finanzierung zurückziehen.

Hans-Peter Wessels, Basler Verkehrsdirektor und Präsident der Konferenz der kantonalen Verkehrsdirektoren, rechnet allerdings nicht damit: «Der Bund hat sich bis jetzt noch nie von einer Strecke zurückgezogen.» Die Statistik sei nicht neu, und die Zahlen würden von den Kantonen sehr genau angeschaut. «In der Regel ist es aber so, dass ein Entscheid, eine Strecke zu schliessen, vom Kantonsparlament oder spätestens an der Urne korrigiert wird», sagt Wessels. Die Bürger wollten eine gute Verkehrsanbindung und seien bereit, dafür zu bezahlen.

Über Billettpreise reden

Kritischer werden die erstmals veröffentlichten Zahlen im Parlament betrachtet. «Die Statistik zeigt, was für eine Versorgung wir uns leisten», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat und Verkehrspolitiker Gregor Rutz. Die gute Verkehrsanbindung sei toll, aber sie habe eben einen Preis, findet er. «Der wird ausgerechnet von jenen bezahlt, die den öffentlichen Verkehr gar nicht benützen.» Man werde in den Kantonen und beim Bund Diskussionen führen müssen, wer die Kosten des öffentlichen Verkehrs tragen soll.

«Eine Erhöhung der Billettpreise ist bis jetzt ein Tabu», sagt Rutz, «die Statistik zeigt, dass man auch darüber reden sollte.» Die Linke wolle ein Mobility-Pricing bei den Autos einführen, um noch mehr Geld von den Autofahrern zu holen, aber beim öffentlichen Verkehr schaue sie weg. 

 «Wenn wichtige Strecken in Städten und Agglomerationen stark defizitär sind, dann stimmt etwas nicht.»Christian Wasserfallen, FDP-Nationalrat

Ähnlich argumentiert der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen: «Es liegt nun schwarz auf weiss auf dem Tisch, dass der öffentliche Verkehr seine Kosten nicht selber trägt und die Steuerzahler das Angebot finanzieren.» Die Kostenwahrheit im öffentlichen Verkehr sei sehr gering, die vorliegende Kostentransparenz deshalb wichtig. Allerdings habe er Verständnis dafür, dass auch unrentable Strecken in Randgebieten betrieben würden. «Aber wenn wichtige Strecken in Städten und Agglomerationen stark defizitär sind, dann stimmt etwas nicht», findet er. 

Bund will nachhaltige Verkehrspolitik

Ganz anders tönt es bei der SP. «Es ist richtig, dass der Bund auch Strecken fördert, die nicht rentabel sind. Er hat das Klimaabkommen unterzeichnet und will eine nachhaltige Verkehrspolitik», findet der Berner SP-Verkehrspolitiker Matthias Aebischer. Es sei wichtig, auch in Randregionen ein Angebot zu bieten, um zu zeigen, dass man sich auch dort ökologisch nachhaltig fortbewegen kann. Aebischer stört sich an der Statistik. «Sie bildet nur den Regionalverkehr ab und nicht die hochrentablen Strecken wie zum Beispiel die Intercity zwischen Zürich, Basel und Bern.» Allein dieser Fernverkehr werfe jährlich 300 Millionen Franken Gewinn ab.

«Bund und Kantone haben die gemeinsame Aufgabe, für eine Verkehrsanbindung zu sorgen, auch in der Peripherie.»Martin Candinas, CVP-Nationalrat

Für den Bündner Nationalrat Martin Candinas (CVP) kommt das Resultat überhaupt nicht überraschend. Für das Mitglied der Verkehrskommission ist klar: «Bund und Kantone haben die gemeinsame Aufgabe, für eine Verkehrsanbindung zu sorgen, auch in der Peripherie.» Es sei richtig, die Verbindungen mit weniger als zehn Prozent Kostendeckungsgrad anzuschauen. Es wäre aber falsch, den öffentlichen Verkehr nur nach finanziellen Gesichtspunkten zu beurteilen.

Die SVP und die CVP haben am Dienstag ihre Forderungen nach Massnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise präsentiert. Peter Klaunzer / Keystone Nächste Geschichte

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