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«Manchmal kann nur ein Anwalt helfen»

20 Minuten-Logo 20 Minuten vor 4 Tagen
© Julian Stratenschulte

Eltern erstreiten bessere Noten, eine höhere Einstufung oder eine andere Beurteilung und nehmen sich dazu immer öfter einen Anwalt. Der Dachverband der Schweizer Lehrer hat wegen solcher Problem-Eltern extra einen Leitfaden für die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten erarbeitet.

Doch nicht immer ist es übertriebener elterlicher Ehrgeiz, der dazu führt, dass ein Anwalt eingeschaltet oder gar vor Gericht gestritten wird. Manchmal sind auch der Lehrer oder die Schule das Problem. «Schüler haben keine Wahl, sie müssen zu dem Lehrer in die Schule, bei dem sie eingeteilt werden», sagt Pia Amacher von der Elternlobby.

Es gebe sehr viele gute Lehrer, aber wenn nur schon ein Lehrer und ein Kind nicht harmonierten, könne das gravierende Folgen haben. «Ein Büromitarbeiter kann sich einen neuen Job suchen, auch der Lehrer kann die Stelle wechseln, aber dem Kind lässt man keine Wahl.»

Depressionen, Suizidgedanken, Schlafstörungen

Die Elternlobby hat viele Beispiele von Eltern, deren Kinder wegen der Situation in der Schule depressiv wurden, von Suizid sprachen, Schlafstörungen bekamen oder aus Angst nicht mehr zur Schule gehen wollten.

Für Amacher ist klar: «Wir Eltern sind heute nicht mehr so kritiklos und nehmen einfach alles hin - wenn das Kind leidet, müssen wir etwas unternehmen.» Als Eltern habe man Verantwortung für die Bildung des Kindes und wolle nicht, dass das Kind von der Schullaufbahn geschädigt werde.

Schulleiter und Behörden stellen sich meist hinter Lehrer

Auch Rechtsanwältin Margrit Weber-Scherrer, die sowohl Schulen, Lehrer als auch Eltern vertritt, kann dies bestätigen. «Es gibt zwar tatsächlich Problem-Eltern, aber es gibt auch jene, die sich zu Recht wehren», sagt sie. Unter den Lehrern finde man schwarze Schafe, die viele Probleme verursachten.

Weber-Scherrer: «Es gibt Situationen, in denen die Chemie zwischen Lehrperson und Schüler oder seinen Eltern nicht stimmt.» Da Schulleiter und Schulbehörde dazu tendierten, sich hinter die Lehrpersonen zu stellen, könne es ein einseitiges Machtverhältnis geben, in dem die Eltern sich allein gelassen und unverstanden fühlten. «Dann kann ein Anwalt oder Mediator helfen, weil er die emotionale Distanz hat und sich auf das Sachliche konzentriert.»

Bei Problemen sollen sich Eltern zusammentun

Anders sei es, wenn viele Schüler einer Klasse mit einer Lehrperson Mühe hätten. Weber-Scherrer: «Dann empfehle ich den Eltern, sich zu organisieren und gemeinsam vorzugehen.» So erreiche man am meisten, denn das Personalrecht schütze Lehrpersonen relativ gut. «In unhaltbaren Situationen - die es leider gibt - dauern die Verfahren sonst zu lange, was auf Kosten der Kinder geht.»

Es gebe auch Schüler mit Hochbegabungen, bei denen viele Lehrer aber den Finger auf deren Schwächen legen würden. «Schüler sollten jedoch ganzheitlich wahrgenommen und auch ihre Stärken gefördert werden», so Weber-Scherrer. Dies sei eine weitere Situation, in der sich Eltern auch mal mit Unterstützung von Fachleuten für ihre Kinder einsetzten.

Sind Sie Eltern und haben schlechte Erfahrungen mit Lehrern oder einer Schule gemacht? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte: feedback@20minuten.ch (ann)

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