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«Schutz der Bevölkerung ist nicht mehr gegeben»

20 Minuten-Logo 20 Minuten 17.02.2017
La police retient un manifestant assis sur la route lors d'un rassemblement ce jeudi 6 mai 2010 en ville de Lausanne. Lance par le collectif "guerre social" la manifestation a pour but de denoncer entre autres, la mort d'un detenu a la prison de Bochuz et celle d'un jeune Francais sous les balles d'un policier vaudois. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott) © Jean-christophe Bott La police retient un manifestant assis sur la route lors d'un rassemblement ce jeudi 6 mai 2010 en ville de Lausanne. Lance par le collectif "guerre social" la manifestation a pour but de denoncer entre autres, la mort d'un detenu a la prison de Bochuz et celle d'un jeune Francais sous les balles d'un policier vaudois. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Steinwürfe, Attacken mit Laserpointern oder brennende Fackeln, die in ein Polizeiauto geworfen wurden: Solche Attacken gegen Polizisten kommen nicht selten vor. In den vergangenen Jahren nahmen die physischen und psychischen Übergriffe gegenüber Polizisten sogar zu.

Nun erheben zwei Polizisten schwere Vorwürfe gegen den eigenen Berufsverband, den Verband der Schweizerischen Polizei-Beamten (VSPB) Sie sagen in der Zeitung «Nordwestschweiz», dass er für die sich zuspitzende Situation mitverantwortlich sei.

Polizisten meiden Probleme

Die zwei Polizisten, beide mehr als zehn Jahre im Amt, fühlen sich vom Verband im Stich gelassen. Denn der VSPB, der rund 26'000 Polizeibeamte zählt und eine Rechtsschutz-Versicherung anbietet, würde zu wenig tun, um seine Mitglieder zu schützen: «Er ist für viele Polizisten nicht spürbar.» Die Konsequenz: «Polizisten greifen nicht mehr durch, wenn es darauf ankäme.»

Ein Beispiel: Autos, in denen junge Männer sitzen, würden nicht mehr angehalten, weil Polizisten wissen würden, dass dies Probleme geben könnte und sie im Nachhinein, auch in rechtlicher Hinsicht, alleine klarkommen müssten. «Für die Bevölkerung heisst das: Der Schutz, den sie von der Polizei erwartet, ist nicht mehr gegeben.»

«Anliegen werden in Politik nicht gehört»

Den Hauptvorwurf der beiden Polizisten lautet, dass der Dachverband des VSPB mit Sitz in Luzern die Realität auf der Strasse nicht kenne: «Die Verbandsleitung hat eine grosse Distanz zu den Problemen, mit denen wir Polizisten tagtäglich konfrontiert sind.» Um die Beamten zu schützen, würde dem Verband zudem der Rückhalt der Polizei-Korps fehlen. «Er wird vielerorts nicht ernst genommen», sagen die beiden. Genau das wäre aber nötig, um die Beamten besser zu schützen.

Ein weiterer Vorwurf: Der Verband biete keine Plattform, auf der Polizisten über Probleme diskutieren könnten: «Unsere Probleme und Anregungen werden auf politischer Ebene deshalb nicht gehört. Jeder hat Angst um seinen Job und will sich mit der Politik nicht anlegen.» Vom VSPB würde aber nichts kommen, um den Druck auf die Politik zu erhöhen.

Das sind schwere Vorwürfe, die die Polizisten gegen die Leitung des VSPB erhebt. Unklar ist aber, wie viele Polizisten diese Meinung teilen.

Verband engagierte sich im Fall Rehetobel

Die Präsidentin des VSPB, Johanna Bundi Ryser, bedauert, dass einzelne Polizisten nicht zufrieden sind mit der Arbeit des Verbands. «Ich verstehe, dass die Polizisten frustriert und zum Teil demotiviert sind. Derzeit wird in vielen Kantonen der Rotstift angesetzt, die Sicherheitsbudgets werden gekürzt», sagt sie zur Zeitung.

Sie wolle aber klarstellen, dass der VSPB nicht der Arbeitgeber ist: «Die Hauptaufgabe des Verbands ist es, den Polizisten bei rechtlichen Problemen zu helfen, ihnen zuzuhören und mit ihnen zu reden. Das habe man zuletzt auch im Fall Rehetobel getan.»

«Das kann man mir nicht vorwerfen»

Dass sich aber nun zwei Polizisten an die Medien gewandt haben, deute auf einen Hilferuf hin, sagt Bundi. «Dieses Vorgehen ist aber nicht unbedingt zielführend. Dies wäre es gewesen, wenn die Polizisten die Probleme bei ihren Verbandssektionen deponiert hätten», so Bundi. Die Anliegen würden dann über den Zentralvorstand an den Dachverband weitergeleitet.

Die Vorwürfe, dass der Verband die Realität der Polizeiarbeit nicht kennen würde, weist Bundi zurück: «Ich war 15 Jahre lang Polizistin bei der Kapo Graubünden und arbeite heute bei der Bundeskriminalpolizei. Man kann mir nicht vorwerfen, ich hätte keine Ahnung von der Frontarbeit»

Vorwürfe an Bürgerliche

Auch den Vorwurf, dass sich der Verband in der Politik nicht aktiv einbringe, lässt Bundi nicht gelten: Man habe verschiedenste Anliegen vorgebracht und schöpfe die Möglichkeiten der politischen Einflussnahme aus. Bundi schiebt den schwarzen Peter an die Politik weiter: «Die Lobby, die man im Parlament hat, ist haarsträubend. Die bürgerlichen Parteien, allen voran die SVP, stehen zwar für mehr Sicherheit ein, fordern aber gleichzeitig den Staatsabbau, wovon wir direkt betroffen sind.»

Sind Sie selber Polizist und teilen die Ansichten der beiden Polizisten? Oder sind Sie ein Beamter, der psychischer oder physischer Gewalt ausgesetzt war oder es miterleben musste? Melden Sie sich bei uns, Ihnen wird die volle Anonymität zugesichert: feedback@20minuten.ch (jen)

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