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DJ-Ötzi-Fan, «Iron Lady» oder Anarchie-Expertin?

20 Minuten-Logo 20 Minuten 19.11.2018

Die offiziellen Kandidaten für die Bundesratswahl am 5. Dezember stehen fest. Politikberater Mark Balsiger sagt, wer welche Stärken und Schwächen hat.

Bei der Nachfolge von Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann gilt es langsam ernst: Am Freitag haben die Parteien ihre offiziellen Kandidaten gewählt. Bei der FDP sind es Karin Keller-Sutter und Hans Wicki, die CVP stellt Viola Amherd und Heidi Z'graggen auf. Die Kandidaten werden nun von den anderen Parteien in Hearings auf Herz und Nieren geprüft. Am 5. Dezember wählt die vereinigte Bundesversammlung die zwei neuen Regierungsmitglieder. 20 Minuten macht den grossen Kandidaten-Check.

Karin Keller-Sutter (54)FDP-Ständeratspräsidentin

Vorteile: Die Wilerin hat Exekutiverfahrung, ist in Bundesbern gut vernetzt und gilt als gute Kommunikatorin. «Sie ist ein Profi, wie es in der Schweizer Politik nur wenige gibt», sagt Politikberater Mark Balsiger. Sie sei nicht nur begabt, sondern auch enorm fleissig und bleibe in jeder Situation professionell.

Nachteile: «Keller-Sutter trennt konsequent Privatleben und Politik, diese Abgrenzung lässt sie zuweilen kühl wirken», so Balsiger. «Einem Mann würde man das aber nie zum Vorwurf machen.» Im bisherigen Wahlkampf habe sie sich allerdings punktuell bemüht, auch den Menschen Keller-Sutter zu zeigen.

Privates: Keller-Sutter ist mit dem Gerichtsmediziner Morten Keller verheiratet. Kinder haben die beiden nicht, dafür aber einen Hund – Picasso. Eine Reise nach London in ihrer Jugend prägte sie: Neben ihrer Liebe für Punk von The Clash entdeckte Keller-Sutter auch ihr politisches Vorbild: Margaret Thatcher, die «Iron Lady» Grossbritanniens.

Wahlchancen: Keller-Sutter gilt als Kronfavoritin für den FDP-Sitz. Balsiger: «Wenn kein handfester Skandal auftaucht, ist sie gewählt.» 76 Prozent der 20-Minuten-Leser wollen sie als Bundesrätin.

Hans Wicki (54)Nidwaldner FDP-Ständerat

Vorteile: Wicki bringt viel Erfahrung aus der Privatwirtschaft mit. «Ich war auf mehreren Kontinenten unternehmerisch tätig», sagte Wicki bei Bekanntgabe seiner Kandidatur zu 20 Minuten. Laut Balsiger ist er als Typ sympathisch und zugänglich. «Mit ihm würde man gerne ein Bier trinken gehen.»

Nachteile: Der Nidwaldner strauchelte im Wahlkampf, als er eine Journalistenfrage auf Französisch beantworten sollte. Bei seiner Nomination weigerte er sich, auf Französisch zu antworten. Balsiger: «Sein Französischmakel wird noch lange an ihm haften bleiben, und das nicht nur bei den welschen Parlamentariern.»

Privates: Wicki ist seit 22 Jahren mit seiner Frau Monika verheiratet, sie ist ehemalige Skirennfahrerin. Die beiden haben zwei Kinder: Julia und Emanuel. Laut seinem Smartvote-Profil liest er am liebsten Biografien oder schaut sich einen Polit-Thriller an.

Wahlchancen: Wicki werden nur Aussenseiterchancen zugerechnet. «Er kann im Wahljahr 2019 ruhig schlafen, weil er die letzten Wochen als Werbung für seine Wiederwahl nutzte – als Nidwaldens Ständerat.» Bei den Lesern kommt er auf 24 Prozent Stimmenanteil.

Viola Amherd (56)Walliser CVP-Nationalrätin

Vorteile: Amherd ist im Parlament gut vernetzt und hat als Stadtpräsidentin von Brig viel Exekutiverfahrung sammeln können. «Sie ist dossiersicher, bodenständig und verlässlich», sagt Balsiger.

Nachteile: Mehrere Streitigkeiten um Geld haben Amherd schlechte Schlagzeilen beschert. Amherd beharrt aber darauf, alles richtig gemacht zu haben. «Ihre standhafte Art kann sie Stimmen kosten», so Balsiger.

Privates: Amherd ist ledig und hat keine Kinder. Sie ist laut «Republik» beim Wandern, Skifahren und Biken gern mit alten Freunden unterwegs. Als Gymnasiastin träumte sie von der Anarchie und schrieb gar ihre Maturarbeit darüber. Mit einem ehemaligen Klassenkameraden von damals bereist sie regelmässig ihre Lieblingsstadt: New York.

Wahlchancen: Anders als in der FDP sind die Favoritenrollen hier weniger klar verteilt, doch die Walliserin hat einen Startvorteil. «Amherd muss sich in Bern keinen Namen mehr machen, das ist ihr Trumpf», so Balsiger. Bei den Lesern von 20 Minuten holt Amherd mit 50 Prozent etwa gleich viele Stimmen wie Konkurrentin Z'graggen.

Heidi Z'graggen (52)Urner CVP-Justizdirektorin

Vorteile: Z'graggen könnte als Zentralschweizerin eine Region im Bundesrat vertreten, die in den letzten 15 Jahren nicht mehr berücksichtigt worden war. Zudem sei sie klug, überlegt und eine gute Zuhörerin, sagt Politologe Balsiger. Er bezeichnet dies als Stärke im Vergleich zu den oft sehr egogetriebenen Politikern.

Nachteile: Im nationalen Parlament hat Z'graggen kein Mandat und ist dort auch entsprechend weniger bekannt. Sie gelobte, in den nächsten zwei Wochen ihre Kontakte in Bern zu aktivieren. «Sie muss einen regelrechten Marathon hinlegen », so Balsiger.

Privates: Z'graggen lebt laut der NZZ seit mehreren Jahren in einer Fernbeziehung mit dem SVP-Mann und ZKB-Bankrat Bruno Dobler. Sie liest laut Smartvote-Profil gerne Krimis von Charlotte Link, mag «Pretty Woman» und hört gern Klassik, etwa das Adagio aus dem Mozart-Klarinettenkonzert in A Dur – und für gute Laune DJ Ötzi.

Wahlchancen: «Z'graggen ist die Überraschung auf dem CVP-Ticket, aber sie bleibt im Windschatten von Amherd», sagt Balsiger. Im 20-Minuten-Leser-Rating ist die Urnerin allerdings mit 50 Prozent gleichauf mit ihrer Konkurrentin.

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