Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Energiewende: Forscher empfehlen CO2-Lenkungsabgabe auf Benzin

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung vor 3 Tagen

Die Energiewende ist technisch und finanziell machbar, bleibt aber eine Herausforderung. Das ist das Fazit aus dem Nationalen Forschungsprogramm «Energie». Die Forscherinnen und Forscher empfehlen unter anderem eine CO2-Lenkungsabgabe auf Benzin.

Benzin soll teurer werden. Das ist eine der Empfehlungen der Forscher zur Umsetzung der Energiewende. Annick Ramp / NZZ © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Benzin soll teurer werden. Das ist eine der Empfehlungen der Forscher zur Umsetzung der Energiewende. Annick Ramp / NZZ

(sda)

Fünf Jahre lang wurde geforscht, mit einem Budget von 45 Millionen Franken. Am Dienstag hat der Schweizerische Nationalfonds (SNF) nun Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aus den über 100 Forschungsprojekten präsentiert.

Der Kampf gegen den Klimawandel und die Transformation des Energiesystems seien Herausforderungen, wie sie die Schweiz selten gesehen habe, sagte Hans-Rudolf Schalcher, Präsident der Leitungsgruppe des Forschungsprogramms «Energiewende».

«Wir müssen wollen»

Er zeigte sich dennoch zuversichtlich. Seine Hauptbotschaft: «Der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und der Kernenergie ist bis 2050 möglich.» Klar ist laut Schalcher aber auch, dass sich neue Technologien und Verhaltensweisen nicht von alleine im Alltag durchsetzen werden.

«Wir müssen wollen», sagte Andreas Balthasar, der Präsident der Leitungsgruppe des Forschungsprogramms «Steuerung des Energieverbrauchs». Alle müssten Verantwortung wahrnehmen - als Bürgerinnen und Bürger, Konsumentinnen und Konsumenten oder Politikerinnen und Politiker.

Wirtschaftlich und sozialverträglich

Aus den Resultaten der einzelnen Projekte haben die Forscherinnen und Forscher 15 Handlungsempfehlungen abgeleitet. Dazu gehört eine CO2-Lenkungsabgabe auf allen fossilen Energieträgern. Eine solche sei besonders geeignet, die Transformation des Energiesystems auf wirtschaftliche und sozialverträgliche Weise voranzubringen, schreiben sie.

Heute gibt es eine CO2-Abgabe auf Brennstoffen, nicht aber auf Treibstoffen. Auch im totalrevidierten CO2-Gesetz, das noch in der parlamentarischen Beratung steckt, ist keine Lenkungsabgabe auf Benzin und Diesel vorgesehen. Der Bundesrat prüft derzeit im Auftrag des Parlaments, wie eine solche ausgestaltet werden könnte. Politisch hatte sie bisher einen schweren Stand.

Mangelndes Wissen

Aus Sicht der Forscherinnen und Forscher liegt das auch daran, dass viele Menschen nicht wissen, wie eine Lenkungsabgabe funktioniert. Durch die Rückverteilung profitiert ein grosser Teil der Haushalte, während bei Fördermassnahmen alle zahlen, aber nur wenige profitieren.

Lenkungsmassnahmen seien bis zu fünfmal kostengünstiger als Fördermassnahmen wie Subventionen, heisst es im Bericht zum Nationalen Forschungsprogramm. Die Autoren zeigen sich überzeugt, dass sich die Akzeptanz mittels einer transparenten Rückvergütung und fundierten Informationen über die Wirkungsweise erhöhen liesse.

Anreize schaffen

Andere Handlungsempfehlungen richten sich an die Energieverteiler. Diese sollen flexible und dynamische Stromtarifmodelle entwickeln und einsetzen, die den Anreiz schaffen, den Stromverbrauch und die Energiekosten zu senken. Die Kombination mit Bonuselementen, die das Erreichen von Sparzielen belohnen, erhöhe die Akzeptanz solcher Tarifmodelle, schreiben die Forscherinnen und Forscher.

Weiter rufen sie dazu auf, dezentrale Multi-Energie-Systeme zu realisieren. Dabei sollen sich Selbstorganisation und staatliche Regulierung bestmöglich ergänzen. Die Gemeinden, aber auch Bund und Kantone, sollen planerische und gesetzliche Vorarbeiten erbringen. Bei der Planung von Infrastrukturprojekten - beispielsweise Windenergieanlagen - empfiehlt der Bericht, die Bevölkerung von Beginn an aktiv zu beteiligen.

Technische Innovationen

Der SNF weist auch auf die technischen Innovationen hin, die das Nationale Forschungsprogramm (NFP) «Energie» hervorgebracht hat. So wurden Technologien für die Energiespeicherung mittels Batterien oder Druckluft sowie neuartige Brennstoffzellen erforscht. Bekannte Technologien wie die in Gebäude integrierte Photovoltaik - also Solarzellen als Fassadenteile oder Dachziegel - wurden weiterentwickelt.

Obwohl noch Hürden zu überwinden seien, verfüge die Photovoltaik der nächsten Generation über ein grosses industrielles und energetisches Potenzial, heisst es im Bericht. Würden in der Schweiz ideal ausgerichtete Dächer und Fassaden damit ausgerüstet könnten sie das heutige Basispotenzial auf Gebäuden von 67 Terawattstunden Strom um 13 bis 14 Terawattstunden erhöhen. Die Schweizer Atomkraftwerke produzierten im Jahr 2015 22 Terawattstunden Strom.

Regulierungen und Anreize

Auf die Frage, wie genau die Lücke gefüllt werden solle, die durch den Wegfall der Atomkraftwerke entstehe, verwiesen die Programmverantwortlichen auf das Gesamtsystem, das sich ändere. Schalcher zeigte sich überzeugt, dass der Ausstieg ohne den Import von ausländischem Kohlestrom möglich sei.

Die Kosten schätzte er auf 100 Milliarden Franken, gab aber zu bedenken, dass die Beibehaltung des heutigen Systems keine Alternative sei. Erneuerungen seien ohnehin nötig. Mit anderen Worten: Auch der Bau neuer Atomkraftwerke wäre mit Kosten verbunden.

Die Luzerner CVP-Ständerätin Andrea Gmür ist die neue Fraktionschefin der Mitte-Fraktion. Adrian Baer / NZZ Nächste Geschichte

Eine Luzernerin soll es für die Mitte richten

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Neue Zürcher Zeitung

Neue Zürcher Zeitung
Neue Zürcher Zeitung
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon