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Facebook-User haben null Mitleid mit «Vollpfosten»

20 Minuten-Logo 20 Minuten 11.10.2018

Wenn die Baselbieter Polizei Zeugenaufrufe auf Facebook postet, ist der Schuldige meist rasch gefunden. Bei Unfällen sind die User gnadenlose Richter – sie liefern aber auch wertvolle Hinweise.

Am 30. August stürzte ein betrunkener Motorradfahrer nachts auf der Waldenburgerstrasse bei Liestal. Er hatte über zwei Promille im Blut und blieb mit dem Kopf an den Schienen der parallel verlaufenden Waldenburgerbahn liegen. Ein herannnahender Zug kam wenige Meter vor der Unfallstelle zum Stillstand. Der 57-jährige Töfffahrer wurde verletzt von der Sanität abtransportiert. Die Baselbieter Polizei kommunizierte diesen Unfall den Medien, verfasste aber auch einen Facebook-Post dazu.

In Liestal werden alle Zeugenaufrufe auf Facebook publiziert. Damit erreicht die Kantonspolizei fast 9000 User. Und diese sind als Richter gnadenlos: «Vollpfosten», kommentiert einer. Eine andere Person meint: «Null, aber wirklich null Bedauern mit so einer Person.» Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, heisst es im Volksmund treffenderweise.

«Lasst euch nicht von Trollen provozieren»

Die Polizei muss solche «Richter Gnadenlos» aber auch hin und wieder in die Schranken verweisen. «Falls jemand in seinem Kommentar zu weit geht, verwarnen wir die Person; in einem zweiten Schritt wird sie gesperrt», erklärt Sprecher Roland Walter. Zu Strafanzeigen kam es wegen strafrechtlich relevanter Kommentare aber noch nicht. Die Polizei weist die Facebook-Gemeinde auch klar auf die Spielregeln hin. «Lasst euch nicht von Trollen provozieren und meldet, wenn Grenzen überschritten werden», heisst es unter anderem.

Bisher seien auch noch nie einzelne Personen öffentlich angeschwärzt worden. «Da würden wir sofort reagieren», sagt Walter. Neben der Löschung des Posts hätte das auch im wahren Leben des Urhebers Konsequenzen. Meistens ist die Kommentarspalte ohnehin nur ein Ventil für Ärger der harmloseren Sorte: Über Gaffer oder Autolenker, die mutmasslich von ihrem Handy abgelenkt waren, kann man sich völlig straffrei aufregen. Auch Rechtschreibefehler werden von der Polizei nicht geahndet.

Grosse zeitliche Herausforderung

«Der zeitliche Aufwand für das Monitoring der Facebook-Aktivitäten ist mittlerweile ziemlich hoch», sagt Walter. Zurzeit laufe deshalb ein Projekt, um Anpassungen vorzunehmen, die nötig seien, um diese neue Herausforderung zu meistern. Grundsätzlich überdacht wird die Kommunikations-Politik aber nicht. «Die Veröffentlichung auf Facebook sehen wir als Ergänzung zu der Kommunikation auf unserer Webseite, dadurch erreichen wir zusätzlich 9000 Abonnenten», so Walter.

Wertvolle Hinweise von Kommissar Facebook

Das handhaben nicht alle Polizeikorps so. Die basel-städtischen Kollegen nutzen den Kanal mehr für Imagezwecke und bisher nur äusserst selten für Zeugenaufrufe. Entsprechend ist die Reaktionsquote auf die Beiträge auch eher tief.Bei den Baselbietern ist das Gegenteil der Fall. «Unsere Posts geniessen eine hohe Beachtung bei Usern», sagt Walter. Das hilft der Polizei manchmal auch ganz real. «Wir erhalten regelmässig Hinweise über die sozialen Medien, die für die Ermittlungen von grosser Bedeutung sind.» (lha)

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